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Aufsichtsratsmitglied Jürgen Hunke hat einen Gegenentwurf zu HSV Plus vorgestellt, der keine Ausgliederung des Profifußballs vorsieht. Auch ein drittes Konzept soll bald folgen.

Hamburg. In einer Sache sind sich alle einig: Beim Hamburger SV muss sich etwas verändern. Inhaltlich hingegen gehen die Meinungen weit auseinander. Während Ernst-Otto Rieckhoff mit seinem Modell HSV Plus bereits breite Zustimmung erhält, hat Aufsichtsratsmitglied Jürgen Hunke einen Gegenentwurf präsentiert, der besonders die Traditionalisten innerhalb des Vereins ansprechen soll.

"Seele des Vereins ist unantastbar"

Jürgen Hunke, 70, hat eine lange HSV-Vergangenheit. Zwischen 1990 und 1993 war er bei den Rothosen als Präsident tätig und versuchte den Verein vor dem finanziellen Kollaps zu bewahren. Damals wollte er 36 000 Aktien zu je 1 000 D-Mark verkaufen und somit dringend benötigtes Geld in die Kasse spülen. Ein Novum in der Bundesliga, doch das Vorhaben scheiterte mangels Interessenten kläglich. Stattdessen verkaufte der HSV seinen besten Spieler, Thomas Doll, für knapp 15 Millionen D-Mark an Lazio Rom und entging damit der Insolvenz.

Heute, fast zwanzig Jahre nach dem Versuch Anteile des Vereins zu verkaufen, will Hunke es anders machen. Die Seele des Vereins sei unantastbar, sagt er. Während Ernst-Otto Rieckhoff mit der Ausgliederung des Profifußballs Investoren, oder, wie er es nennt, strategische Partner, gewinnen will, setzt Hunke auf Empathie. "Wir müssen das Herz, die Seele dieses Mannes erobern. Er ist einer der wenigen Menschen, die uns in unserer Situation helfen können", glaubt er, und meint damit den Milliardär Klaus-Michael Kühne.

Autonomie statt Fremdbestimmung

Hunkes Kritik an einer Beteiligung des Wahl-Schweizers scheint vergessen. Als Kühne dem HSV 2010 etwa 15 Millionen Euro für Neuverpflichtungen zur Verfügung stellte und im Gegenzug an Weiterverkäufen beteiligt werden sollte, war der Aufschrei innerhalb des Vereins groß. Doch die Sorge, dass ein Mann wie Kühne sich in die Vereinspolitik einmischen würde, ist längst verflogen. Auch deshalb, weil weitere potenzielle Geldgeber fehlen. Ohne die, dessen sind sich die Initiatoren der Reformbewegungen bewusst, wird man beim HSV sportlich nicht viel bewegen können.

Denn der Verein braucht frisches Kapital, um am Markt handlungsfähig zu bleiben. Dies soll nach Hunke allerdings nicht durch Anteilsverkäufe erreicht werden. "Wir wollen die Probleme mit einer zeitgemäßen Struktur selber lösen. Für den Profibereich würde ein neues, völlig unabhängiges Organ geschaffen werden, das aus drei bis vier Managern bestehen und sich vollständig auf die Ziele in der Bundesliga konzentrieren soll", sieht Hunkes Plan vor. Mit der finanziellen Unterstützung eines "Mäzens" – leidenschaftlicher Fan statt Geldgeber mit Renditeabsicht.

Wie viel ist der HSV wert?

Der Tenor wird das Gehör derer erreichen, die sich bislang strikt gegen einen HSV als Fußballunternehmen wehren. Nur beim FC Bayern habe sich ein Verkauf von Anteilen aufgrund des sportlichen Erfolges rentiert. "Alles, was sonst in den letzten zehn Jahren ausgegliedert hat, war erfolglos", stellt Hunke fest, der bei der Vorstellung seiner Ideen nicht mit Seitenhieben gegen das Konkurrenzmodell von Rieckhoff geizte. Der Wert des Vereins habe in den letzten Jahren ohnehin gelitten, weshalb Anteilsverkäufe derzeit nur bedingt sinnvoll seien. Hierbei macht Hunke in seinen Ausführungen allerdings einen Fehler, da sich Unternehmensbewertungen nicht nur auf die Ist-Situation und Ereignisse in der Vergangenheit, sondern auch auf Erträge der Zukunft beziehen.

Den immateriellen Wert der Marke HSV noch nicht eingerechnet, bliebe dem HSV in dieser Hinsicht viel Gestaltungsspielraum. Der Erstellung neuer Multiplikatoren, also Bezugsgrößen wie Umsatz oder EBITDA, anhand derer eine Bewertung vorgenommen wird, sind keine Grenzen gesetzt. Letztlich wird es daher nur um die Bereitschaft eines Investors gehen, einen weitaus höheren Preis für Anteile zu bezahlen, die objektiv betrachtet weniger wert sind. Grob geschätzt könnte der HSV einen Preis zwischen 200 und 250 Millionen Euro aufrufen, wobei maximal 49 Prozent der Anteile verkauft werden dürften.

Liebnau kündigt eigenes Konzept an

Der aktuelle Vorstand kündigte derweil an, sich in den nächsten Wochen und Monaten intensiv mit diesen Fragen zu beschäftigen. "Ich denke, das ist ein notwendiger Schritt. Wir müssen unseren Mitgliedern auf entsprechende Fragen antworten können“, so der Vereinschef Carl-Edgar Jarchow. Auf der kommenden Mitgliederversammlung im Januar 2014 müsste die Mitgliedschaft den Vorstand offiziell mit der Einleitung jeglicher Schritte beauftragen, ehe es in einer weiteren Versammlung um die Abstimmung der Konzepte geht.

In die Gilde der Reformer wird sich auch Johannes Liebnau, Vertreter der größten aktiven Fangruppierung "Chosen Few“, einreihen und ein eigenes Konzept vorstellen. Auch er lehnt Anteilsverkäufe ab und dürfte mit dieser Meinung innerhalb des Vereins und seiner Anhängerschaft nicht allein dastehen. Für die Umsetzung eines der vorgeschlagenen Konzepte benötigen die Initiatoren eine Dreiviertelmehrheit. Kämpfen sie gegeneinander um Stimmen, könnte dies den HSV eine zwingend notwendige Veränderung kosten.

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