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"Ziehe den Hut vor ihm": Kindskopf Eljero Elia wird erwachsen

Eljero Elia war bei Werder Bremen bislang der Fehleinkauf in Person. Doch nach seinen befreienden Toren scheint er zum Hoffnungsträger aufzusteigen.

Bremen. Nach dem Ende seiner Leidenszeit rannte Eljero Elia los: Er brüllte seine Erleichterung heraus und formte seine Daumen und Zeigefinger zu einem Herzen. Die Fans im Weser-Stadion sollten, ach, die ganze Welt sollte sehen, wem der Niederländer sein erstes Bundesliga-Tor nach quälend langen 3356 Minuten widmete.

"Das war ein Gruß an meine Freundin, sie hat mir ein Tor vorhergesagt", sagte Elia hinterher: "Die schweren Gedanken an die erfolglose Zeit sind weg. Ich muss das Gefühl weiter aufbauen, wieder ein torgefährlicher Spieler zu sein."

Weil seine Herzensdame Sanne gerade nicht auf dem Platz stand, lief Elia weiter bis zur Werder-Bank und sprang stattdessen Robin Dutt und Physiotherapeut Jürgen Tölle in die Arme. "Jürgen und der Trainer haben so oft schon mit mir gesprochen und mir immer wieder Vertrauen gegeben", sagte Elia.

Der Bad Boy beendete nach 48 Bundesliga-Partien in Serie endlich seine Torflaute, er traf beim 3:3 (2:1) gegen den 1. FC Nürnberg sogar doppelt und wurde bei seiner Auswechslung von den Werder-Fans mit Standing Ovations gefeiert. "Wahnsinn", sagte der ehemalige HSV-Spieler, der schon als Flop und Fehleinkauf gescholten worden war, "sie haben mich nicht fallen gelassen."

Elia der absolute Gewinner

Dass es für Werder Bremen trotz des ersten Bundesliga-Doppelpacks von Elia seit knapp vier Jahren nicht zu drei Punkten gegen die Franken reichte, hatte mit den zwei Gesichtern der Grün-Weißen zu tun. Bis zum Anschlusstreffer von Hiroshi Kiyotake (44.) bestimmten die Hanseaten die Partie nach Belieben, nach einer desolaten zweiten Hälfte verspielte die Dutt-Elf den möglichen Sprung auf Platz fünf aber leichtfertig.

Ein Eigentor von Berkay Dabanli (8.) sorgte für die Führung Werders, Elia erzielte mit herrlichen Schüssen die weiteren Bremer Tore (34. und 66.). Josip Drmic (53.) und Adam Hlousek (70.) bescherten dem Club in einer turbulenten Partie doch noch einen Punkt.

Und so war Elia der absolute Gewinner des Unentschiedens. Bisher war der 26-Jährige in Bremen ja eher mit Eskapaden als durch seine gefürchteten Tempo-Dribblings aufgefallen. Im Sommer 2012 überwiesen die Bremer rund 5,5 Millionen Euro an Juventus Turin für die Dienste des Nationalspielers - doch seither bestimmte Elia mit mehreren Eseleien die Schlagzeilen.

Vom Fehleinkauf zum Hoffnungsträger

Unrühmlicher Höhepunkt war eine nächtliche Spritztour im April mit seinem Kumpel Marko Arnautovic (jetzt bei Stoke City), als das Duo mitten im Abstiegskampf um drei Uhr nachts von der Polizei auf der Autobahn gestoppt wurde. Werder griff durch, suspendierte Elia und Arnautovic - beide bekamen das unrühmliche Siegel "Skandal-Profi".

Dutt schwärmte nach der Partie geradezu von seinem neuen Hoffnungsträger. "Er hat natürlich eine Vorgeschichte. Aber ich habe hier vom ersten Tag an mit einem jungen Mann zu tun, der offen und umgänglich ist und mit Kritik sehr gut umgeht", sagte der neue Werder-Trainer: "Und der positiv mit dem ganzen Druck umgeht. Denn man muss auch mal sagen, dass es schon grenzwertig ist, was auf ihn einprasselte. Ich ziehe den Hut vor ihm, wie er das annimmt und arbeitet. Ich mag ihn als Typ."

Er habe Elia keinen "Zaubertrank" gegeben, versicherte Dutt und lieferte für den Reifeprozess des ehemaligen Kindkopfes eine andere Erklärung: "Er ist jetzt Familienvater, vielleicht ist er etwas reifer geworden und kann Situationen besser einordnen." Mit seiner Lebensgefährtin Sanne hat Elia zwei kleine Töchter, Sael und Heavenly Aaliyah Danielle. Die Werder-Fans würden sich über weitere Liebesbotschaften nach Toren von Elia an seine Herzensdamen sicher nicht beschweren.

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