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Am Montag endet die Ära von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bei Bayer Leverkusen. Im SID-Interview zieht er Bilanz.

Leverkusen. Montag ist der offiziell letzte "Arbeitstag" für Wolfgang Holzhäuser als Geschäftsführer von Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen. Der 63-Jährige war 15 Jahre für den Werksklub tätig. Nun rückt er ins zweite Glied, wird künftig als Mitglied des Gesellschafter-Ausschusses wirken. Seine Nachfolge sieht er bei Michael Schade in guten Händen, "absolut". Und er hofft, dass Bayer unter ihm "irgendwann den Titel holt, der mir nicht vergönnt war. Dann werde ich mich genauso freuen, als wenn ich ihn selbst geholt hätte", sagte Holzhäuser im SID-Interview.

Ein bisschen Wehmut kann der einstige Liga-Sekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht verhehlen, doch er ist mit sich im Reinen. Er habe "die eine oder andere Anfrage" aus dem Fußballgeschäft berichtet er: "Das eine oder andere werde ich tun. Aber ich ziehe mich nicht aus dem operativen Geschäft zurück, um woanders operativ einzusteigen."


"Dann sagte mir Braun, er fahre die Schale jetzt nach München. Das war bitter.
- Wolfgang Holzhäuser


Die Spiele von Bayer will er künftig im Stadion verfolgen. Aber nicht mit Klub-Schal und "auch nicht jedes Spiel. Künftig werden die Privattermine meinen Terminkalender bestimmen, und die Pflichttermine werde ich dazwischen einflicken. Dazu gehören auch die Spiele."

Künftig will sich Holzhäuser vor allem Dingen widmen, die bisher zu kurz gekommen sind. "Ich werde sicher mehr in Urlaub fahren und noch mehr lesen als früher. Auch noch mehr Musik hören", sagt er und ergänzt schmunzelnd: "Noch mehr Rotwein wird schwierig."

Vize-Meisterschaft 2000 Holzhäusers "schlimmstes Erlebnis"

Einen guten Tropfen hat der Weinkenner Holzhäuser stets geschätzt. Es waren auch aufregende 15 Jahre bei Bayer. Die Kokain-Affäre um Trainer Christoph Daum, die Dreifach-Vizemeisterschaft inklusive unglücklich verlorenem Champions-League-Finale 2002, ein Fast-Abstieg, eine missglückte Rückkehr von Michael Ballack - das und vieles mehr fiel in Holzhäusers Amtszeit.

Sein bis heute "schlimmstes Erlebnis" war die verpasste Meisterschaft 2000 unter anderem durch das Eigentor von Ballack. "Wir sind am letzten Spieltag dort hingefahren in dem Bewusstsein, deutscher Meister zu werden", äußert er, noch heute sichtlich bewegt: "Da stand der blaue Koffer mit der Schale, die ich selbst zehn Jahre durch die Gegend gefahren habe. Und dann sagte mir DFB-Präsident Egidius Braun eine Viertelstunde vor Schluss, er fahre die Schale jetzt rüber nach München. Das war bitter. Ich war danach nie wieder in Unterhaching und werde auch nie wieder in meinem Leben dorthin fahren."

Holzhäuser bereut geplatzte Verpflichtungen von Gündogan und Özil

Auch ansonsten kann Holzhäuser die Fragen nach den Tops und Flops der 15 Jahre Bayer sehr konkret beantworten. Sogar die, bei welchem Spieler er bereue, ihn nicht verpflichtet zu haben. Es gebe sogar deren zwei, berichtet Holzhäuser, für das Geschäft ungewohnt offen. Zum einen Ilkay Gündogan, bei dem er nach der gestiegenen Ablöse für André Schürrle (vom FSV Mainz 05 gekommen) "nicht mehr den Mut hatte, noch einmal fünfeinhalb Millionen in die Hand zu nehmen".



Der zweite sei Mesut Özil gewesen, "mit dem wir auch einig waren. Ich habe damals gesagt: Leute, fünfeinhalb Millionen für einen 18-jährigen Jungen, der jetzt schon Ärger mit seinem Trainer hat und angeblich Millionen fordert? Warten wir doch erst einmal ab, was aus ihm wird. Das sind natürlich zwei Fälle, bei denen ich mich ärgere, dass ich nicht den Mut gehabt habe."

Ballacks Verpflichtung eine "Fehlentscheidung"

Die beste Entscheidung sei es gewesen, 2006 die Verpflichtung des heutigen Bundesliga-Torschützenkönigs Stefan Kießling durchgesetzt zu haben. In all den Jahren im Fußball habe er auch drei echte Freunde gefunden: "Zwei davon leben leider nicht mehr: Der langjährige Bremer Präsident Franz Böhmert. Und der langjährige DFL-Chef Werner Hackmann. Der dritte ist Rudi Völler."

Mit dem Weltmeister von 1990 bildet Holzhäuser seit Jahren ein kongeniales Team. Das Verhältnis zu seinem einstigen Geschäftsführer-Kollegen Reiner Calmund war schwieriger. Auf die Frage, wie er es heute bezeichnen würde, sagt Holzhäuser: "Kameradschaftlich wäre übertrieben. Geschäftsmäßig wäre untertrieben. Normal gut."

Dass sie ihn nach Calmunds Rücktritt 2004 als "Königsmörder" und "Sparkommissar" bezeichnet haben, wurde Holzhäuser nicht gerecht und kränkte ihn: "Das war eine schwierige Zeit." Dass er den bereits unterschriebenen Vertrag als DFL-Chef auflöste, bereute er nach eigener Auskunft aber nie. Mit Daum hat er alles ausgeräumt, "man muss auch mal vergessen können". Ballack 2010 zurückzuholen, bezeichnet Holzhäuser selbstkritisch als "Fehlentscheidung".

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