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Bert van Marwijk legt los: Sex-Fragen sollen HSV-Stars in Fahrt bringen

Bert van Marwijk feiert am Samstag sein Debüt als HSV-Trainer. Der Niederländer muss seine lahmenden Spieler in Schwung bringen. Unter anderem mit einem Psycho-Test.

Hamburg. "Ich habe viele erotische Fantasien" - "Ich bin das, was man 'sexuell zügellos' nennt" - "Ich liebe Partys" - Oder: "Mir gefällt es, wenn andere meinen Anordnungen folgen". Rafael van der Vaart, René Adler und Co. müssen sich beim Hamburger SV in den kommenden Tagen nicht nur mit der brisanten sportlichen Situation auseinandersetzen, sondern wohl auch mit pikanten Aussagen zu ihrem Privatleben.

Bert van Marwijk, neuer Trainer des taumelnden Fußball-Bundesligisten, will wissen, wie seine Spieler ticken, sie besser kennenlernen - um sie schneller in Schwung bringen zu können. "Wir werden mit der Mannschaft einen Persönlichkeitstest machen. Man lernt, was in den Köpfen der Spieler so vorgeht", sagte er vor dem Debüt bei Eintracht Frankfurt.

Es geht um Sex, Macht, aber auch um Familie und Ernährung. Insgesamt werden 128 Aussagen vorgelegt, welche die Spieler zu bewerten haben, auf einer Skala von "völlig falsch" bis "völlig richtig". Die Ergebnisse des Fragebogens, den der Psychologe Steven Reiss entwickelt hat, will der erfahrene Niederländer jedoch nicht überbewertet wissen: "Psychologie ist wichtig, doch das Auge des Trainers ist am wichtigsten."

HSV-Spieler kein Problem damit

Der HSV ist nicht der erste Bundesliga-Klub, der zur Leistungsoptimierung einen psychologischen Test einsetzen will. Bei Hannover 96 ließ Trainer Mirko Slomka seine Spieler im Vorjahr einen Fragebogen ausfüllen, um herauszufinden, "wie ich jeden Spieler am besten erreichen kann". Auch in der Wirtschaft wird der Reiss-Test angewendet sowie in anderen Sportarten. So hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft schon die "Hosen runtergelassen" und auch Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben.

Die HSV-Spieler haben offensichtlich kein Problem damit, pikante Details aus ihrem Privatleben preiszugeben. "Wenn es uns nach vorne bringen sollte, warum nicht? Ich habe kein Problem damit, auch intime Fragen zu beantworten", sagte etwa Innenverteidiger Heiko Westermann. Und Regisseur van der Vaart versprach: "Ich werde sie so gut wie möglich beantworten." Doch noch wurden die Fragebögen in der Kabine noch nicht verteilt.

Der 61 Jahre alte van Marwijk konzentrierte sich nach seinem Amtsantritt am Mittwoch vor allem auf die Arbeit auf dem Rasen. Und damit hat der mit Abstand älteste amtierende Trainer der Liga mehr als genug zu tun. Der HSV präsentierte sich in den vergangenen Wochen stark verunsichert, ist die Schießbude der Liga (17 Gegentore) und nach der Derby-Pleite gegen Werder Bremen (0:2) vor einer Woche auf Platz 16 abgestürzt.

Frankfurter sind der Lieblingsgegner des HSV

Und so setzt der Hoffnungsträger der Hanseaten auf mehr Stabilität: "Wir müssen mit der ganzen Mannschaft verteidigen." Hoffnung macht den Hamburgern ein Blick in die Statistikbücher: Die Frankfurter sind der Lieblingsgegner des HSV. Nur gegen den VfB Stuttgart (42) konnte der HSV öfter gewinnen als gegen die Hessen (41).

Um in Ruhe an dem Ausbau dieser "Erfolgsgeschichte" arbeiten zu können, ließ van Marwijk vor dem Duell mit der Eintracht in der heimischen Arena zweimal unter Aufschluss der Öffentlichkeit trainieren. Selbst die Fenster des Fan-Restaurants "Die Raute", aus dem man sonst auf das Spielfeld blicken kann, ließ van Marwijk abkleben.

Hinterher zeigte er sich zufrieden mit der ungewöhnlichen Maßnahme. "Die Jungs haben verstanden, was ich von ihnen wollte", sagte van Marwijk, "es ist wichtig, dass die Spieler dahinterstehen und verstehen, was wir warum machen." Das gilt auch für den Psycho-Test.

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