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Am Samstag jährt sich der schreckliche Unfall von Vukcevic zum ersten Mal. Das Punktspiel von Bundesligist Hoffenheim gegen Schalke steht ganz im Zeichen der Erinnerung daran.

Sinsheim. Die Hoffenheim-Hymne "Unsere Liebe" wird durch "You'll never walk alone" ersetzt, die Fans planen eine besondere Choreographie, und das Team will ihrem fehlenden Kollegen unbedingt einen Sieg schenken: Wenn die Spieler von Bundesligist 1899 Hoffenheim am Samstag gegen Schalke 04 auflaufen (15.30 Uhr), soll Boris Vukcevic in der Rhein-Neckar-Arena allgegenwärtig sein - obwohl der Profi selbst am Jahrestag seines schrecklichen Unfalls nicht im Stadion sein wird.

TSG möchte "Boris Sieg widmen"

"Mich persönlich berührt das auch. Boris und ich haben ja eine gemeinsame Vergangenheit, er war schon in der Stuttgarter U17 bei mir. Er wird sich sicher sehr freuen, wenn wir gewinnen - dafür werden wir alles tun", sagte Trainer Markus Gisdol, der Vukcevic zuletzt besucht hat: "Wir wollen die Erinnerung an ihn in positive Energie umwandeln." Ähnlich sieht es auch der Kapitän. "Wir werden uns gegen Schalke voll reinhauen und hoffen natürlich, dass wir Boris einen Sieg widmen können, das ist doch klar", sagte Andreas Beck dem SID.

Ein Jahr nach seinem Autounfall hat sich Vukcevic, der sich seit dem Unglück noch nicht in der Öffentlichkeit gezeigt hat und der das Schalke-Spiel vor dem Fernseher verfolgen wird, ins Leben zurückgekämpft. Der mittlerweile 23-Jährige kann wieder laufen und sprechen. Diese großen Fortschritte reichen dem ehemaligen U21-Nationalspieler aber noch lange nicht, er quält sich weiterhin täglich in der Reha. Der gebürtige Kroate ist beseelt von dem Glauben, eines Tages auf den Fußballplatz zurückkehren zu können.

Darauf hofft auch Beck. "Natürlich wäre es ein Traum von uns allen, noch mal mit Boris zusammenspielen zu können. Wie realistisch das ist, kann ich allerdings nicht einschätzen", äußerte der Spielführer: "Ich wünsche ihm alle Kraft dieser Welt, um seine Ziele zu erreichen. Und wenn es irgendetwas gibt, womit wir ihm helfen können - dann werden Verein und Mannschaft für ihn da sein."

"Mir geht es besser"

Dass Vukcevic überhaupt davon träumen darf, auf den Platz zurückzukehren, hätte in den Tagen und Wochen nach dem 28. September 2012 kaum jemand für möglich gehalten. Der Diabetiker, der als Folge einer Unterzuckerung den Unfall auf der B45 bei Bammental verursacht hatte, schwebte aufgrund seiner schweren Kopfverletzungen mehrere Tage in Lebensgefahr und lag sieben Wochen im Koma.

Vor zwei Monaten meldete sich Vukcevic im Hoffenheimer Stadionmagazin dann erstmals seit seinem Unfall zu Wort. "Es muss sich niemand mehr Sorgen machen. Mir geht es immer besser", schrieb der in Osijek geborene Deutsch-Kroate, der von seinem Klub wie selbstverständlich auf der offiziellen Kaderliste für die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit der Rückennummer 7 gemeldet wurde: "Ich bin ehrgeizig und lasse mich nicht unterkriegen."

"Boris ein Vorbild"

Dieser Ehrgeiz und die mittlerweile hinzugekommene Geduld ist nach Ansicht Becks das große Plus seines Teamkollegen, der schon immer eine Kämpfernatur war. "Boris weiß, dass der Genesungsprozess kein Sprint, sondern ein Marathon ist", sagte der Hoffenheimer Kapitän: "Aber er war auf dem Platz ein Kämpfer - das ist er jetzt auch. Ich habe unfassbar viel Respekt davor, wie Boris diese Aufgabe angeht."

Diesen Respekt genießt Vukcevic nicht nur bei seinem Spielführer. Auch die anderen Mitspieler haben ihren Kollegen längst nicht abgeschrieben oder gar vergessen. "Natürlich ist das Thema immer wieder präsent. Boris war, ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft - und er ist für uns alle mit seiner Mentalität auch ein Vorbild", sagte Beck: "Aber er ist ja nicht nur innerhalb der Mannschaft ein Thema, sondern im gesamten Umfeld. Auch die Fans haben ihn nicht vergessen. Ich hoffe und denke, dass ihm das Auftrieb gibt."



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