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"Problemsucher" Sammer und das Problem mit "Papa" Hoeneß

Matthias Sammer gilt bei Bayern München seit seinem Amtsantritt als personifizierter Mahner. Nun muss sich der Sportvorstand ausgerechnet von Uli Hoeneß Kritik gefallen lassen.

München. Uli Hoeneß ist der Erfinder und der Inbegriff der "Abteilung Attacke" - eine Rolle, die bei Bayern München seit knapp 15 Monaten Matthias Sammer zugedacht ist. Doch nun sieht sich der 46-Jährige plötzlich selbst Angriffen ausgesetzt. Und die Kritik kommt von keinem Geringeren als von Hoeneß selbst.

Vor dem Champions-League-Auftakt am Dienstagabend gegen ZSKA Moskau hat es der Triple-Sieger wieder einmal geschafft, mit unnötigen internen Reibereien die Republik vortrefflich zu unterhalten. Sammer gegen die Stars, Franz Beckenbauer pro Sammer, Hoeneß gegen Sammer.

Sammer mahnt ohne Ende

Der Sportvorstand der Münchner, seit Juli 2012 der personifizierte Mahner beim Rekordmeister, sieht sich gerne als "Problemsucher", wie er vom Magazin Der Spiegel wegen seiner Pedanterie einmal bezeichnet wurde. Dafür ist er vom FC Bayern auch geholt und selbst von "Kaiser" Franz Beckenbauer nach dem Dreifach-Triumph der vergangenen Saison gewürdigt worden.

"Ohne den Anteil der anderen zu schmälern: Matthias Sammer hat den größten Anteil", sagte Beckenbauer nach dem Triple. Auch die beiden Kapitäne Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger stellen die Verdienste des früheren DFB-Sportdirektors oft genug heraus.

Hoeneß warnt Sammer

Sammer soll Reizpunkte setzen, Dinge ansprechen, die keiner so gerne hört, Aufmerksamkeit auf sich ziehen, "zur Not eine Art geschäftsführendes Rumpelstilzchen mit Sitz im Vorstand" geben, wie es die Süddeutsche Zeitung am Montag treffend umschrieb.

Und jetzt Hoeneß! Dass ausgerechnet der frühere Manager sagt, Sammer müsse aufpassen, "dass er nicht über das Ziel hinausschießt", birgt eine gewisse Ironie. "Wenn man so etwas jede Woche macht, verbrennt man sich irgendwann dabei", fügte Hoeneß an.

Dabei war es Hoeneß (61) selbst, der diese Form der "Öffentlichkeitsarbeit" einst perfektioniert hatte. Auch Hoeneß hatte zu jedem Thema etwas zu sagen, ob passend oder nicht - so wie eben nun Sammer.

Hoeneß ist "Papa des Klubs"

Der griff allein seit Saisonbeginn den spanischen Verband an, die eigenen Spieler, die Medien, Rudi Völler und die Kritiker von Bastian Schweinsteiger. Zudem nahm er wiederholt Trainer Pep Guardiola in Schutz, lobte Arjen Robben, äußerte sich zu den horrenden Ablösesummen, schaffte die Stammelf ab oder versprach so ganz nebenbei, dass der FC Bayern noch stärker werde.

Doch Sammer wehrt sich seit jeher gegen die Unterstellung, dass er durch derartige Äußerungen selbst in den Mittelpunkt gelangen will. "Ich habe immer die Sache in den Vordergrund gestellt, und so werde ich es weiterhin machen", sagte er unlängst mit Bestimmtheit. Es gehe ihm zuerst immer um Bayern München: "Es ist eine Frage des Anstandes und des Respekts gegenüber diesem großen Klub."

Hoeneß hat wohl bereits am Sonntag mit Sammer gesprochen. Der Inhalt dürfte den Sportvorstand, der sich schon als Spieler den Spitznamen "Motzki" erwarb, überrascht haben - auch wenn er nun anmerkte, dass Hoeneß der "Papa des Klubs" sei, alles sagen sowie "auch Kritik üben" dürfe.

Der Kaiser stützt Sammer


Das hatte Sammer nach dem 2:0 gegen Hannover auch getan, als er der Mannschaft unter anderem "Dienst nach Vorschrift" vorwarf. Er verstehe, konterte Hoeneß, "dass Matthias den Finger in die Wunde legen will. Allerdings finde ich nicht, dass wir eine Wunde haben". In Dortmund würden sie sich angesichts der Kritik von Sammer "doch tot lachen." Sammer meine es zwar gut, "aber was will er denn sagen, wenn wir wirklich mal schlecht spielen?"

Beckenbauer dagegen gestand Sammer das Recht zu, "dazwischenzuhauen, wenn er Fehlentwicklungen sieht". Er denke, "Matthias handelt nach dem Motto: Wehret den Anfängen! Und das finde ich auch in Ordnung." Hoeneß nicht. Trotzdem betonte er in der SZ, dass er "kein Problem mit Matthias" habe. Er sei weiterhin "froh, dass wir ihn eingestellt haben".

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