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Der Hamburger SV zieht die Reißleine: Nach dem herben Debakel bei Borussia Dortmund hat der Verein reagiert und Thorsten Fink vor die Tür gesetzt.

Hamburg. Keine Philosophie, kaum Punkte, kein System: Für Thorsten Fink ist die Zeit beim Hamburger SV nach nur fünf Spieltagen und dem 2:6 bei Borussia Dortmund abgelaufen. Am Montagabend reagierte der selbst ernannte Europacup-Anwärter auf den kapitalen Fehlstart und trennte sich von seinem Trainer.

"Ich bin stolz, die zwei Jahre hier gewesen zu sein", bestätigte Fink Radio NDR 90,3: " Ich habe eine tollen Verein trainiert." Während Kapitän Rafael van der Vaart den Zeitpunkt der Entlassung, am Samstag empfängt der HSV schwächelnde Bremer zum Nordderby, "nicht versteht", zeigte der Leidtragende durchaus Verständnis.

"Jetzt ist es früh genug, dass man die Ziele erreicht - auch noch mit einem anderen Trainer." Am Dienstag lädt der HSV um 11:30 Uhr zur Pressekonferenz, dann werden auch die Verantwortlichen die erste offizielle Stellungnahme liefern.

Van der Vaart hatte damit keineswegs gerechnet, wie er der Bild zu verstehen gab: "Ich bin total schockiert. Ich dachte, dass er gegen Werder auf der Trainerbank sitzt."

15 Gegentreffer in fünf Spielen

Noch am Montagvormittag hatte Vorstandschef Carl Jarchow auf Zeit gespielt. "Ich habe grundsätzlich einen langen Atem. Im Vorstand erwarten wir aber, dass gewisse Dinge umgesetzt werden. In Dortmund hat sich das Debakel von Hoffenheim wiederholt - die Defensive ist unser Schwachpunkt, diese Fehler müssen wir umgehend abstellen", sagte Jarchow.

Doch 15 Gegentreffer in fünf Spielen waren am Ende wohl zu viel. Das 2:6 am Samstag beim BVB war nach dem 1:5 im eigenen Stadion gegen 1899 Hoffenheim bereits die zweite Klatsche für den Bundesliga-Dino in der noch jungen Saison. In der momentanen Verfassung droht dem HSV sogar der Abstiegskampf.

"Teams wie Bremen oder Eintracht Braunschweig, die mit Sicherheit unsere Kragenweite sein müssen, haben es uns vorgemacht und in Dortmund weit weniger Gegentreffer bekommen", betonte Jarchow zerknirscht. Aufsteiger Braunschweig kassierte beim Vizemeister zwei, Bremen lediglich einen Treffer.

Nach fünf Spielen fehlt dem Hamburger Spiel eine klare Linie, ein Korsett, an dem sich Spieler orientieren können. Mit seinen taktischen Varianten schien Fink, der gegen den Vize-Meister bereits mit dem vierten Systemwechsel im fünften Spiel überraschte, seine Profis zu überfordern.

"Wir haben eine große Teilschuld"

Gerade einmal 20 Minuten waren bei der Borussia gespielt, bis Fink von der unorthodoxen Dreier-Kette wieder auf das gewohnte System mit vier Verteidigern umstellte. "Vielleicht war es ein kleines Risiko, mit Dreier-Kette zu spielen", analysierte Sportchef Oliver Kreuzer mit finsterer Miene.

Van der Vaart gab nach der Entlassung zu verstehen: "Wir haben als Mannschaft eine große Teilschuld an der Misere. Unsere zahlreichen Klatschen haben den Trainer den Job gekostet." Fink attestierte er immer gebrannt zu haben.

Die teilweise unterirdischen Auftritte der Hamburger waren nicht die einzigen Dinge, die in der Hansestadt übel aufstießen. Neben der Spiel- wurde zunehmend die Mannschaftsführung des gebürtigen Dortmunders kritisiert. So flog Fink nach einem Gespräch mit Kreuzer am Sonntagvormittag zur Familie nach München, anstatt das Auslaufen der Mannschaft zu betreuen.

Chaos pur

"Das ist ziemlich unglücklich zu dem Zeitpunkt, das werden wir nochmal besprechen", sagte Kreuzer bei Sky Sport News HD. Bereits nach dem Hoffenheim-Spiel hatte Fink den Unmut des Vorstands auf sich gezogen, als er seinen Spielern zwei Tage frei gab.

Und dann war da ja noch die Posse um die aussortierten Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne, die die Position des Trainers nicht unbedingt gestärkt hat. Der Begnadigung der beiden Innenverteidiger durch Fink folgte am Wochenende das Machtwort von Kreuzer ("Beide machen kein Spiel mehr").

Und so wird Fink schon im Nordderby am kommenden Samstag gegen Werder Bremen nicht mehr auf der Bank sitzen. "Gegen Werder geht es um alles", hatte Rafael van der Vaart zuletzt gesagt. Für Fink gilt das nach fast zwei Jahren in Hamburg nicht mehr.

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