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Mahner Matthias Sammer schlägt Alarm: "Raus aus der Komfortzone"

Sammer ist - fast wie gewohnt - auch mit Siegen nicht unbedingt zufrieden. Für den Pefektionisten kommt es auf das Wie an, wenn man Matches gewinnt.

München. Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer hat trotz eines 2:0 (0:0) gegen Hannover 96 Alarm geschlagen. Der Sportdirektor äußerte vor dem Champions-League-Auftakt grundlegende Kritik an der Mannschaft.

Matthias Sammer hatte keinen hochroten Kopf, er fuhr auch nicht aus der Haut. Aber die im Ton sehr ruhigen Worte des Sportvorstands von Bayern München hatten große Sprengkraft. "Wir spielen ohne Emotion Fußball, wir machen Dienst nach Vorschrift. Wir müssen raus aus der Komfortzone", sagte der Erfolgsbesessene nach dem mittelprächtigen 2:0 (0:0) gegen Hannover 96 in seiner Paraderolle als Mahner - und er schickte den Vorwurf hinterher, das Starensemble des Rekordmeisters verstecke sich hinter seinem Star-Trainer Pep Guardiola.

Es gehe nicht um die Einstellung, "Käse" sei jede Diskussion darüber. Es gehe um den Guardiola-Hype. "Pep hin, Pep her, Pep hoch, Pep runter - dafür kann er nichts. Aber dadurch fühlen sich alle etwas weniger in der Verantwortung", monierte Sammer.

Drei Tage vor dem Champions-League-Auftakt gegen ZSKA Moskau schlug der 46-Jährige Alarm. Als Guardiolas Elf den Start in die "Vollgas-Wochen" mit angezogener Handbremse absolviert hatte, rüttelte er den seiner Meinung nach etwas dahindämmernden Triple-Gewinner kräftig auf.

Die Mannschaft, so seine Analyse, ruhe sich auf den Titeln und der grandiosen Vorsaison aus. Der durch den Trainerwechsel von Jupp Heynckes auf den Spanier beabsichtigte Effekt, Spannung im Team zu halten, greift offenbar nicht hinreichend. Auch die Niederlage im Supercup gegen den Rivalen Borussia Dortmund oder das Remis in Freiburg haben nicht gereicht, Gier oder Galligkeit - auch das sind Wörter, die Sammer gerne benutzt - zurückzubringen.

Pep muss Brandreden halten

Guardiola müsse viel Energie aufwenden, um die Münchner vor den Spielen in den richtigen Modus zu bringen. Zu viel nach Sammers Ansicht. "Der Trainer muss jedes Mal eine Brandrede halten, dass wir in die Gänge kommen", sagte Sammer, der "die letzten zwei, drei Prozent" herauskitzeln will. "Wir befinden uns an einem Zeitpunkt der Saison, wo Dortmund letztes Jahr alles verschenkt hat." Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte das unter der Woche schon angemahnt. Der BVB solle "eine Warnung" sein.

Keine Emotionen, nicht genug Antrieb, zu wenig Wille, die hoch dekorierten Kicker würden laut Sammer "nur auf Impulse von außen warten", wie am Dienstag, wenn die Titelverteidigung in der Champions League beginnt. Die Debatten um das veränderte System, um Positionsverschiebungen - für Sammer ohne Bedeutung. "Alles Alibi-Käse", sagt er. Seine Kritik ist grundlegend und zielt auf die "Basiselemente".

Kader mit individueller Klasse

Wenn auch nicht zu Sammers Zufriedenheit und ebenso keineswegs im Vollgas-Modus, den Präsident Uli Hoeneß für die kommenden Wochen gefordert hatte - der FC Bayern hat doch recht ungefährdet gewonnen und seine Serie auf jetzt 30 Bundesliga-Spiele ohne Niederlage ausgebaut. Bei den Toren von Mario Mandzukic (51.) und Franck Ribery (64.) blitzte auch die individuelle Klasse des Luxuskaders auf.

Guardiola führte den phasenweise mühevoll aussehenden Auftritt auf den fehlenden Rhythmus durch die Länderspielunterbrechung zurück. Mit öffentlicher Kritik an seiner Mannschaft hielt er sich zurück. Auch Kapitän Philipp Lahm schob die Schwerfälligkeit "ganz klar" auf die internationalen Pflichten.

Und solche Verletzungen wie von Mario Götze, Javi Martínez und Thiago könne auch der FC Bayern "nicht immer so einfach verkraften". Dazu verblieb Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger nach seiner auskurierten Verletzung 90 Minuten auf der Bank.

Hannover gelang es dennoch nur vereinzelt, an den Lederhosen der Bayern zu zupfen. Auszuziehen vermochte die Elf von Mirko Slomka das erstmals vorgeführte Outfit im Oktoberfeststil nicht. Als Dämpfer nach dem bisher besten Start der Vereinsgeschichte wollte 96-Präsident Martin Kind das Spiel gleichwohl nicht werten. "Die Mannschaft war sehr engagiert, wir fahren nicht unzufrieden aus München zurück." Immerhin hatte es nicht wie im Vorjahr eine Klatsche gesetzt. "Wir waren couragiert und haben es insgesamt ordentlich gemacht", sagte Trainer Slomka: "Um hier mehr zu holen, muss man aber ein Tor erzielen." So reichte ein Bayern-Motor auf niedrigen Touren.

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