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Vor dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig zeigen sich beim bisher sieglosen Club erste Anzeichen einer Krise. Die Hoffnungen ruhen nun vor allem auf einem Neuzugang aus Wolfsburg.

Nürnberg. Der Mann, der beim 1. FC Nürnberg in die Rolle eines Heilsbringers schlüpfen soll, hat seine eigenen Vorstellungen vom Weg zum Erfolg. Vor zwei Jahren veröffentlichte Makoto Hasebe darüber sogar ein Buch mit dem Titel: "Die Ordnung der Seele - 56 Gewohnheiten, um den Sieg zu erringen." In seiner Heimat Japan hat der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler davon zwei Millionen Exemplare verkauft - und den Erlös von etwa 1,8 Millionen Euro für die Opfer der Reaktorkatastrophe von Fukushima gespendet.

Hasebe steht jede Nacht auf, um dann eine halbe Stunde lang zu meditieren - er bereitet sich unter anderem auf das Schlechte vor. Hasebe ist damit bestens gewappnet für den 1. FC Nürnberg, bei dem das Scheitern selbst auf die undenkbarste Art in der Vereinssatzung verankert zu sein scheint. Beim Club hoffen sie außerdem inständig, dass der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft das fehlende Teil eines Puzzles ist, das sie bislang nicht zusammensetzen konnten. "Er wird uns besser machen", sagt Trainer Michael Wiesinger.

Nur zwei Punkte in vier Spielen

Nicht nur aus Sicht von Wiesinger ist das dringend vonnöten. In vier Saisonspielen gelangen dem 1. FC Nürnberg nur zwei Punkte - am Sonntag geht es nun zum sogar punktlosen Aufsteiger Eintracht Braunschweig: Weil der Club bekanntermaßen ein ziemlicher Depp ist, würde es nicht wundern, gelänge der Eintracht ihr erster Sieg in der Bundesliga seit dem 1. Juni 1985. Für die Situation in Nürnberg wäre das, als schüttete jemand Spiritus auf einen bereits brennenden Grill.

Nervosität. Ungeduld. Noch eine Niederlage, und der Weltuntergang steht kurz bevor. Die Routiniers Raphael Schäfer und Hanno Balitsch haben nach dem 0:1 gegen den FC Augsburg die Mitspieler angegriffen, auch Wiesinger schimpfte. Der Trainer hat mehr Probleme, als ihm lieb sein kann. Seiner Mannschaft, vor allem im Sturm verstärkt, fehlt die Struktur - und noch mehr.

"Ich vermisse das Wir-Gefühl", erklärte Kapitän Schäfer. Und Balitsch forderte ein wenig umständlich jene "Einstellung" und jene "Werte" von den Mitspielern ein, "die für uns elementar wichtig sind, um erfolgreich zu sein, um Geschlossenheit und Disziplin auf dem Platz und außerhalb zu haben". Das hört sich nach einer ganzen Menge internem Zündstoff an.



Hasebe soll Führungsrolle übernehmen

Wohl nicht ganz zufällig betonte der Nürnberger Sportvorstand Martin Bader bei der Vorstellung von Hasebe am Donnerstag auch den Charakter des designierten neuen Führungsspielers. Hasebe, 2009 mit dem VfL Wolfsburg deutscher Meister geworden, werde den Mitspielern "Wege zeigen, wie ein profihaftes Verhalten auf und neben dem Platz aussieht". In diesem Zusammenhang: Hasebe trinkt keinen Alkohol, er raucht nicht, er flucht nicht, und er liest Nietzsche oder Goethe, weil er findet, dass ihm all das sportlich weiterhilft.

Hasebe soll beim Club eine Art Eier legende Wollmilchsau sein. Vorgesehen ist, dass er als Sechser oder Achter Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff ist, dass er dem Spiel der Franken eine Struktur gibt, Impulse nach vorne und den Mitspielern Halt. Insbesondere soll er auf Landsmann Hiroshi Kiyotake einwirken, vergangene Saison eine Art Lebensversicherung für den 1. FC Nürnberg. Derzeit aber gibt er eine unmotivierte Diva, und Wiesinger sagte, der 23-Jährige müsse gefälligst bereit sein, "sich in das große Ganze einzuordnen."

Von seinen 56 Gewohnheiten, den Sieg zu erringen, sollte Hasebe also schnellstmöglich ein paar anwenden. Der Neue wird, so erhofft es sich Wiesinger jedenfalls, "die Mannschaft an der Hand nehmen". Die Zeit drängt. "Es muss uns bewusst sein", sagt Bader, "dass wir relativ zügig Ergebnisse brauchen." Sprich: Siege.

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