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Trotz "Rotem Samstag": Schiedsrichter-Bosse sehen keinen Trend

Sieben Platzverweise, vier Elfmeter und eine Menge Diskussionsstoff: Der 50. Geburtstag der Fußball-Bundesliga war einer der meistdiskutierten Spieltage der Bundesliga-Geschichte.

Frankfurt/Main. Den unrühmlichen Rot-Rekord hatten sich die Spieler und die Schiedsrichter ausgerechnet für den 50. Geburtstag der Bundesliga aufgehoben: Sieben Profis wurden am Samstag des Feldes verwiesen - so viele Kicker wurden noch nie am ersten Tag des Wochenendes vorzeitig zum Duschen geschickt. Zudem sorgten vier Elfmeter für Zündstoff. Die Bosse der Unparteiischen können die Kritik an ihren Schützlingen aber nur zu einem kleinen Teil nachvollziehen und wollen (noch) nichts von raueren Sitten in der Eliteklasse wissen.

Ein Platzverweis sorgt für Diskussion

"Es hat auch in der Vergangenheit immer wieder Spieltage mit außergewöhnlich vielen Roten Karten gegeben. Einen Trend will ich aus den Vorkommnissen vom Samstag nicht ableiten. Dafür ist die Saison ja auch noch viel zu jung", sagte Hellmut Krug, der Schiedsrichter-Beauftragte der Deutschen Fußball Liga (DFL), dem Sport-Informations-Dienst (SID): "In unserer Analyse sind wir zu dem Schluss gekommen, dass nur ein Platzverweis am Samstag überzogen war. Das war die Gelb-Rote Karte beim Spiel in Hoffenheim."

Eben jener ungerechtfertigte Platzverweis durch Tobias Stieler (Hamburg) beim badischen Derby zwischen 1899 Hoffenheim und dem SC Freiburg (3:3) gegen den Freiburger Francis Coquelin (41.) brachte SC-Coach Christian Streich derart auf die Palme, dass er auf die Tribüne verbannt wurde und auch weit nach Schlusspfiff noch völlig außer sich war.

"Es wurde uns genommen, 80 Minuten mit elf gegen zehn zu spielen. Und mir wurde es genommen, weiter mit der Mannschaft zu arbeiten. Das ist Wahnsinn", wütete der Kult-Trainer: "Das war ein fairer Zweikampf mit der Konsequenz, dass der Spieler vom Feld und ich auf die Tribüne muss. Fehlentscheidungen passieren, der Schiedsrichter hat den schwersten Job von allen. Aber da fehlt jede Verhältnismäßigkeit. Das haut dich um."

Rückendeckung erhielt Streich von seinem Chef. "Das Feuer brachten nicht die Mannschaften ins Spiel, sondern der Schiedsrichter. Jeder hat mal einen guten und einen schlechten Tag. Diesmal hatte der Schiedsrichter nicht seinen besten", sagte SC-Präsident Fritz Keller: "Als Beteiligter verlierst du bei so einem Spiel zwei Jahre deines Lebens."

"Katastrophal, unfair, verrückt"

Ähnlich fühlte sich Trainer Lucien Favre von Borussia Mönchengladbach. Nach dem 2:4 bei Bayer Leverkusen kritisierte der Coach die Regelauslegung bei Handspielen im Strafraum. "Diese Regel ist katastrophal, unfair, verrückt", sagte der Schweizer. Auslöser für Favres Kritik war ein von Felix Brych (München) gegebener Elfmeter, nachdem Ömer Toprak dem Gladbacher Juan Arango von hinten an den Arm geköpft hatte.

Der Gladbacher Sportchef Max Eberl forderte nach der Szene eine Änderung der Regel. "Das große Problem der Schiedsrichter ist, dass sie nicht alles gleich bewerten. Der Elfer gegen uns war Hand, okay, aber dann hätten wir auch einen kriegen müssen", äußerte der Ex-Profi: "Dann wissen alle, auch wenn die Situation noch so komisch war: Hand im Strafraum ist Elfmeter. Dann ist auch egal, aus welcher Entfernung. Und angeschossen gibt es nicht."

Eberls Kollege Dirk Dufner von Hannover 96 stellte nach dem Spiel gegen Schalke 04 (2:1) mit drei von Bastian Dankert (Rostock) ausgeprochenen Platzverweisen ebenfalls grundsätzliche Fragen. "Mittlerweile ist das eine bedenkliche Entwicklung bei den Roten Karten", sagte Dufner: "Vielleicht muss man nicht immer gleich Rot geben, wenn man Rot geben kann. Vielleicht tut es auch mal Gelb, sonst enden die Spiele künftig immer mit neun Mann gegen acht."

Dieser Argumentation kann Krug allerdings nicht folgen. "Die Roten Karten sind ja nur die Reaktion des Schiedsrichters auf das, was auf dem Spielfeld stattfindet. Sie sind eine Konsequenz dessen, was passiert", sagte der frühere FIFA-Referee.

Kein Verständnis hat Krug sicher auch für die Äußerung von Schalkes Torwart Timo Hildebrand, dem nach seiner völlig überzogenen Kritik an Dankert ("Man muss sich überlegen, ob so jemand dem Druck in der Bundesliga gewachsen ist") vielleicht sogar Ärger vom Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) droht.

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