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Jubilar Stefan Kießling genervt: "WM interessiert mich einen feuchten Käse"

Drei Spiele, drei Siege, ein Jubiläum und ein Rekord: Stefan Kießling war eigentlich prächtig gelaunt. Doch dann kam die verbotene Frage...

Leverkusen. Nach dem nächsten Bundesliga-Rekord für Bayer Leverkusen und dem nächsten Jubiläum lief Stefan Kießling freudestrahlend mit seinen Kindern Tayler-Joel (5) und Hailey-Milu (1) durch die Katakomben. Die Miene des 29-Jährigen gefror jedoch schlagartig, als die "verbotene Frage" kam.

Ob es ihn interessiere, dass Bundestrainer Joachim Löw seine erneute Gala beim 4:2 (2:0) von Bayer gegen Borussia Mönchengladbach im Stadion verfolgte? "Nein", sagte Kießling energisch und mit einem Schlag sichtlich genervt.

Löw statt Kießling fragen

Das Thema war damit aber nicht abgehakt. Ob er überhaupt gewusst habe, dass Löw im Stadion gewesen sei. "Ich habe es mitbekommen", antwortete Kießling. Und als er schließlich auch noch beantworten musste, ob er auf eine Nominierung am Donnerstag für die WM-Qualifikationsspiele gegen Österreich und die Färöer hoffe, riss dem Stürmer der Geduldsfaden. "Die Frage müssen sie jemand anderem stellen", schimpfte er: "Ich habe letztes Jahr ein klares Statement abgegeben. Es ist nicht meine Aufgabe, das jedes Mal zu kommentieren. Im Moment interessiert mich die WM einen feuchten Käse."

Starke Leistungen schuld an Diskussion

Die Diskussion über ein Comeback des zuletzt 2010 berücksichtigten Bundesliga-Torschützenkönigs in der Nationalelf kann sowohl in Leverkusen, als auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) niemand mehr hören. Kießling hatte das Thema bereits offiziell für abgehakt erklärt. Löw hatte durch die Blume zu erkennen gegeben, dass Kießling nahezu keine Chance besitzt.

Nach einem solch starken Spiel des Stürmers - er erzielte per Handelfmeter (23.) sein 100. Bundesliga-Tor für Bayer, bereitete zwei weitere Tore vor, traf den Pfosten und war an zahlreichen weiteren Aktionen beteiligt - vor den Augen des Bundestrainers poppte es aber automatisch wieder hoch.

Bayer-Sportchef und Löw-Vorvorgänger Rudi Völler erklärte, er habe Kießling und den zweifachen Torschützen Sidney Sam (28./61.) "sehr stark" gesehen. Dann nahm er schnell Reißaus, bevor die Nachfragen kommen konnten. Leverkusens Coach Sami Hyypiä gab dagegen wieder den Stoiker und erklärte nur: "Herr Löw trifft seine Entscheidung. Wenn ich jetzt meinen Kollegen kritisiere, wäre das unfair. Was für mich wichtig ist, dass Kießling für uns gut spielt und trifft."

Auch Sam macht Werbung in eigener Sache

Das tut Kießling auch in dieser Saison, ebenso wie Sam, der nach seinem Nationalmannschaftsdebüt bei der US-Reise sichtlich aufblüht. Im Gegensatz zu "Kieß" darf er sich zumindest Hoffnungen machen, am Donnerstag von Löw nominiert zu werden. "Das müssen sie den Bundestrainer fragen", sagte der 25-Jährige: "Ich versuche, meine Leistung zu bringen und dann sehe ich, was passiert. Aber ich bin topfit und schaffe es, endlich mal, das auch in den Spielen rüberzubringen."

Fünf Treffer und vier Vorlagen hat Sam, der auch das 4:2 von Gonzalo Castro (72.) vorbereitete, nach vier Pflichtspielen auf dem Konto. Und ist damit wie Kießling einer der Garanten für Bayers Saisonstart mit drei Siegen und dem Vereinsrekord von saisonübergreifend acht Liga-Siegen in Folge.

"Dass wir auf Mannschaften wie Wolfsburg oder Schalke schon ein kleines Polster haben, ist sehr gut", sagte Mittelfeldspieler Stefan Reinartz: "Wir haben nur gehofft, dass die Bayern und Dortmund nicht von Anfang an mitmarschieren."

Gladbach noch nicht im Konzert der Großen

Mithalten mit den großen Drei der Liga kann die Borussia noch nicht, das zeigte sich eine Woche nach dem starken 3:0 gegen Hannover 96 ähnlich deutlich wie beim 1:3 bei den Bayern. "Wir haben auswärts keinen Sonderpunkt geholt und ein überragendes Heimspiel geliefert. Insgesamt war der Saisonstart normal", sagte Sportdirektor Max Eberl.

In Leverkusen kam die Borussia nach einem 0:2 durch Tore von Martin Stranzl (54.) und Juan Arango (57.) zurück. Der folgende Einbruch sorgte aber ebenso für Frust wie der umstrittene Handelfmeter, als Arango der Ball von hinten an den Arm flog. "Die Bundesliga ist fantastisch, alles ist perfekt, aber diese Regel ist katastrophal", schimpfte Trainer Lucien Favre: "Ich kann nichts ändern, der Schiedsrichter kann nichts ändern. Ich weiß auch nicht, wo diese Regel herkommt. Ich weiß nicht, wie die Schiedsrichter schlafen, wenn sie daran denken."

 

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