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Nach der verkorksten Vorsaison mit dem äußerst glücklichen Ende, sollte man sich in Hoffenheim eigentlich zurückhalten. Mittlerweile träumt man aber wieder vom Europapokal.

Sinsheim. Kampfansagen und markige Sprüche sollten bei 1899 Hoffenheim nach der vergangenen Horror-Saison eigentlich der Vergangenheit angehören. Doch nach nur zwei Ligaspielen und dem beeindruckenden 5:1-Sieg beim Hamburger SV wagt sich der erste aus der Deckung. Defensivspieler Fabian Johnson redet jedenfalls schon wieder von der Qualifikation für den internationalen Wettbewerb.

"Eine Frage der Mentalität"

"Von unserer Qualität her ist das sicher möglich. Das war es auch letztes Jahr, aber da haben wir es nicht auf die Reihe gekriegt. Es ist eben auch eine Frage der Mentalität", sagte der US-Nationalspieler auf eine entsprechende Frage des Fachmagazins kicker.

Solche Aussagen werden im Kraichgau ungern gesehen, seit die mit forschen Ambitionen gestarteten Hoffenheimer im Vorjahr erfuhren, wie schmal der Grad zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung sein kann. Auch deshalb lenkte Alexander Rosen, Leiter Profifußball bei 1899, umgehend ein. Man fühle "sich hier leider nicht korrekt wiedergegeben", sagte der 43-Jährige dem SID. "Der Spieler hat vorrangig gesagt, dass wir nach den Erfahrungen der Vergangenheit derzeit über diese Dinge nicht nachdenken, geschweige denn, hochtrabende Ziele formulieren." Das primäre Ziel sei es nämlich, sich über den Fußball zu definieren, "und nicht über Sprüche."

Gisdol musste lachen

Dass Johnson die betreffenden Aussagen getätigt hat, wurde vom Verein jedoch nicht dementiert. "Als ich das gelesen habe, musste ich wirklich lachen", sagte Trainer Markus Gisdol, "da ist Fabian wohl in eine kleine Falle getappt. Aber wir wissen, wo wir herkommen".

Wie Gisdol wirbt auch Rosen seit Wochen um Zurückhaltung. Er agiert im Hintergrund, verzichtet auf ähnlich spektakuläre Transfers wie seine Vorgänger und gesteht der jungen Mannschaft genau die Zeit zu, die sie für ihre Entwicklung benötigt. "Die Jungs kriegen viel Zeit zur Eingewöhnung und dürfen sich bei uns ohne Druck entwickeln", sagte Rosen der Rhein-Neckar-Zeitung.

Johnson verspricht Besserung

Zu präsent sind die bösen Erinnerungen an die abgelaufene Saison, in der sich die Kraichgauer nahezu die gesamte Spielzeit im Tabellenkeller befanden und erst in allerletzter Minute durch den Rettungsanker Relegation die Klasse hielten. "Schlechter als letzte Saison", verspricht Johnson deshalb, "wird es sicherlich nicht laufen. Dafür kann ich meine Hand ins Feuer legen."

Nach der Ernüchterung zum Bundesligastart gegen den 1. FC Nürnberg (2:2) und dem rauschhaften Sieg an der Elbe (5:1) ist die Partie am Samstag gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr) so etwas wie ein Gradmesser und Wegweiser für die junge Mannschaft von Trainer Markus Gisdol. Mit einem Sieg könnte sich Hoffenheim im oberen Tabellendrittel festsetzen, Punktverluste sind zumindest bei Johnson nicht einkalkuliert. "Erfolgserlebnisse machen stärker. Wir werden unser Ding wieder durchziehen und das Spiel erfolgreich gestalten", sagte der 25-Jährige.

Kader soll ausgemistet werden

Sein "Ding" will und muss unterdessen auch Rosen vor allem mit Blick auf den aufgeblähten Kader der Hoffenheimer durchziehen. Die viel beachtete "Trainingsgruppe 2" um prominente Profis wie Tim Wiese, Eren Derdiyok oder Matthieu Delpierre soll möglichst schnell ausgedünnt werden.

Da überrascht es ein wenig, dass am Donnerstagabend die Verpflichtung des 18-jährigen Brasilianers Bruno Nazario perfekt gemacht wurde. Der Mittelfeldspieler erhält einen Vierjahresvertrag bis Juni 2017.

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