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In den ersten Bundesliga-Spielen unter Pep Guardiola ließ Bayern München eine ungewohnt hohe Zahl gegnerischer Torchancen zu. Fehlt ein zweiter Sechser? Nicht zwangsläufig.

Köln/München. Es dauerte exakt 90 Bundesliga-Minuten, bis Pep Guardiolas neues System beim FC Bayern München erstmals ernsthaft auf den Prüfstand gestellt wurde. Und nach dem zeitweise erneut wackligen Auftritt des Triple-Gewinners am Wochenende in Frankfurt diskutieren Fans und Experten weiter: Reicht ein Sechser, wie es in Guardiolas 4-1-4-1/4-3-3-Formation üblich ist? Selbst die Spieler äußerten in den vergangenen Wochen zumindest indirekt ihre Bedenken.

"Einfach falsch" gestanden

In den ersten Bundesliga-Spielen unter Guardiola ließen die Bayern eine ungewohnt hohe Zahl gegnerischer Torchancen zu - doch das Problem liegt nicht zwangsläufig im defensiven Mittelfeld, es keimt weiter vorne. Trotz nur eines Sechsers "haben wir nicht zu offensiv gestanden, sondern einfach falsch", behauptete Nationalverteidiger Jérome Boateng nach dem Auftaktspiel gegen Borussia Mönchengladbach (3:1). Und lag damit richtig.

Die vielen Situationen, in denen Schweinsteiger im wichtigen Raum vor der Abwehr allein gelassen wurde, entstanden vor allem durch taktische Fehler der Münchner Offensivabteilung - insbesondere im Umschaltspiel. Nach Guardiolas Plan werden die gegnerischen Angriffe noch früher als unter Ex-Trainer Jupp Heynckes abgefangen. Dafür braucht der Spanier keinen zweiten Sechser, sondern einen "höher" postierten Spieler als zusätzlichen Balljäger.

Das Ziel: ein Pressingmonster

Klappt im System alles, sprich: sind die Defensiv-Bewegungen in vorderster Front perfekt aufeinander abgestimmt, dann entsteht ein Pressingmonster wie der FC Barcelona, den Guardiola zu 14 Titeln in vier Jahren geführt hatte. Misslingen auch nur Kleinigkeiten, wackelt das Konstrukt bedenklich, da eine zweite Absicherung im Mittelfeld fehlt.

Guardiola weiß um dieses Problem: "Wir brauchen Zeit. Es ist schwierig, es wird nicht einfach", sagte er mit faltiger Stirn vor knapp zwei Wochen. Hinsichtlich des Spiels am Samstag bei Eintracht Frankfurt (1:0) zeigte sich er "zufrieden mit unserer Spielkontrolle", man habe die Begegnung "besser" als vor einer Woche beherrscht. Dennoch war der Rekordmeister im Glück angesichts eines nicht gegebenen Elfmeters für die Eintracht. Daher kritisierte Sportverstand Matthias Sammer: "Wir haben das eine oder andere zugelassen, das sollten wir nicht tun. Wir haben uns gesteigert, zufrieden sind wir mit der Gesamtorganisation aber nicht."

Bereit mich "meinen Spielern anzupassen"

Eine entscheidende Frage wird sein, inwieweit die teils sichtbar verunsicherten Spieler (Beispiel Gladbach-Eigentorschütze Dante) Guardiola folgen und Negativerlebnisse in Kauf nehmen. Kapitän Philipp Lahm, der außergewöhnlich viel beschäftigte Torhüter Manuel Neuer und Flügelspieler Franck Ribéry bemängelten in den vergangenen Wochen, dass die Automatismen vor allem in der Defensive noch längst nicht greifen. "Wenn die Mannschaft jahrelang was anderes gemacht hat, ist es schwierig, das Neue sofort reinzubekommen", sagte Lahm. Auch der bekennende Guardiola-Fan befindet sich in einer Anpassungsphase.

Wenig verwunderlich, räumte doch noch im vergangenen Jahr das Defensiv-Duo Schweinsteiger/Javi Martínez selbst auf internationaler Bühne nahezu alles ab. Gewieft nahm Guardiola der Sechser-Diskussion unmittelbar nach dem Gladbach-Spiel die Schärfe und versicherte, dass er "kein Problem" damit hätte, sich "in Zukunft meinen Spielern anzupassen" und zwei defensive Mittelfeldakteure auflaufen zu lassen. Vermutlich jedoch - wenn überhaupt - als kurzfristige Übergangslösung. Denn anschließend stellte Guardiola noch klar: "Mit einem Sechser gefällt es mir besser."

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