thumbnail Hallo,

Leon Andreasen hat eine Verletzungshistorie, die für manchen Fußballer wohl das Karriere-Aus bedeutet hätte. Umso beeindruckender, dass der Däne sich nun erneut rangekämpft hat.

Hannover. Sie seien vor dem Spiel "in der Kabine alle total aufgeregt" gewesen, "alle waren die ganze Woche sehr gespannt", hatte Leon Andreasen nach dem 2:0-Sieg von Hannover 96 über den VfL Wolfsburg verraten. Nach einer langen Vorbereitung war man bei den "Roten" heiß auf den Bundesliga-Betrieb - das galt auch und im Besonderen für den Dänen.

Andreasen musste nach einem Kreuzbandriss fast ein Jahr lang aussetzen, die letzten elf Minuten der vergangenen Saison ausgenommen. Wohlgemerkt hatte er sich vor seiner neuerlichen Langzeitverletzung gerade erst wieder rangekämpft und zu einem echten Leistungsträger entwickelt, nachdem er zuvor aufgrund von Leisten- und Schambeinproblemen unglaubliche 28 Monate zum Zuschauen verdammt war.

Startelf-Comeback nach elf Monaten

Zu Anfang der letzten Saison aber blieb Andreasen während eines Spiels gegen den 1. FC Nürnberg im Rasen hängen, riss sich dabei das Kreuzband. Erneut musste er an seinem Comeback arbeiten, erneut gegen eine schwerwiegende Verletzung ankämpfen. Elf Monate lang stand Andreasen in der Bundesliga nicht mehr in der Startelf, die Rückkehr erfolgte schließlich am Samstag gegen Wolfsburg - und es hätte besser kaum laufen können.

17 Minuten waren gespielt, als der 30-Jährige den Ball im Mittelfeld gegen Diego eroberte, nach einem Zusammenspiel mit dem von Stoke City umworbenen Mame Diouf schließlich frei vor dem VfL-Tor auftauchte und durch die Hosenträger von Gäste-Keeper Diego Benaglio einnetzte.

Was technisch einwandfrei aussah, war für den Torschützen alles andere als das: "Ich hatte beim Tor ein bisschen Glück, da habe ich denn Ball erst schlecht angenommen", so ein bescheidener Andreasen. Ohnehin sei ihm "egal, wer das Tor macht. Hauptsache drei Punkte."

Kind begeistert

Während der Sechser sein Licht ein wenig unter den Scheffel stellte, zeigte sich 96-Präsident Martin Kind begeistert vom erneuten Comeback des Skandinaviers: "Schon das zweite Mal. Er zeigt auch immer gleich zu Beginn beeindruckend, wie motiviert und wichtig er ist. Er ist ein toller Typ, das macht immer wieder Spaß."

Spaß hatten letztlich auch die 96-Fans, nach Hannovers Führungstreffer dezimierte sich die Mannschaft aus der Autostadt gleich doppelt, mit Maximilian Arnold und Timm Klose wurden zwei Wolfsburger vom Platz gestellt. Gegen neun Mann tat sich Hannover nach starker erster Halbzeit dann schwer, konnte zahlreiche Chancen nicht nutzen und musste kurzzeitig sogar zittern, ehe Szabolcs Huszti in der 84. Minute den Sack zumachte und den 2:0-Endstand herstellte.

Selbstkritik trotz Sieg

"In Überzahl ist es eigentlich nie so richtig einfach", erklärte Andreasen. "Wir kamen am Anfang überhaupt nicht damit zurecht. Wir hatten zwar gute Möglichkeiten, aber die hatte Wolfsburg auch. Die hatten beim Stand von 1:0 einen Lattenschuss, das muss eigentlich nicht sein. Das wissen wir auch." Unter dem Strich konnte das Team aus Hannover aber mit seinem Auftritt zufrieden sein. Das galt natürlich erst recht für Andreasen, der nicht nur aufgrund seines Tores ein starkes Spiel zeigte.

Sein Partner im defensiven Mittelfeld, Lars Stindl, war ebenfalls voll des Lobes für seinen Nebenmann: "Für Leon freut es mich ungemein. Er war in der letzten Saison nach zweieinhalb Jahren zurück mit einem riesen Comeback, reißt sich das Kreuzband - um dann diese Motivation, diesen Elan noch einmal rauszuholen und sich noch einmal ranzukämpfen", schwärmte der 24-Jährige. "Dann macht er so ein Spiel und schießt das 1:0. Jeder im Stadion hat sich riesig gefreut."

Sprechchöre und Standing Ovations

Das war auch in der 79. Minute deutlich zu spüren, als Andreasen bei seiner Auswechslung mit enthusiastischen Sprechchören und Standing Ovations gefeiert wurde. Die Anhänger spürten: Diese Willensleistung, sich nach derart vielen Rückschlägen noch einmal in den Vordergrund zu spielen, verdient allerhöchste Anerkennung.

Einen kleinen Wehmutstropfen gab es dann allerdings doch noch für den gefeierten Helden. "Ich habe einen Schlag genau an die Stelle bekommen, an der die OP war. Das tat schon ein bisschen weh, aber ich hoffe, das ist nichts Schlimmes. Ich habe aber Angst, dass es vielleicht nicht mit der Nationalmannschaft klappt." Zu der soll er am Sonntag reisen, am Mittwoch spielt Dänemark in Polen. Ein Ausfall wäre sicherlich ärgerlich - aber wenn jemand mit Rückschlagen umgehen kann, ist es Leon Andreasen.  

Folge Claas Philipp auf

EURE MEINUNG: Wird Andreasen in dieser Saison eine Schlüsselfigur bei 96?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig