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Der Freiburger Trainer warnt davor, dass das Spiel sein Gesicht verliert, erneuert seine Kritik an der Beraterbranche und relativiert seinen eigenen Status als Star.

Freiburg. Freiburgs Erfolgstrainer Christian Streich hat für einen gesunden Umgang mit dem Showgeschäft Bundesliga plädiert. Der 48-Jährige erneuerte seine Kritik an der Beraterbranche und warnte eindringlich davor, dass der Kommerz eines Tages den Fußball zerstören könne.

"Dass das Spiel bisher überlebt hat und so viele Millionen Menschen begeistert, ist fast ein Wunder", sagte Streich im Interview mit dem kicker. Der SC-Coach fürchtet, dass potenzielle Entwicklungen wie "Spielunterbrechungen wegen Werbeminuten" oder "Kameras in die hintersten Kabinenwinkel" den Fußball zerstören könnten.

Bereits im Status quo sieht der Badener eine große Bedrohung. Besonders in der Beraterbranche, die er bereits im vergangenen Frühjahr mit "Viehhändlern" verglichen hatte, sieht Streich "eine unendliche Grauzone", in der gearbeitet werde. "Ganz viele Leute haben wenig Interesse an den Menschen, sondern denken vor allem an das Geldverdienen", so Streich. "Sobald Geld der Antrieb ist und nicht das menschliche Miteinander, gibt es viele Komplikationen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen."

Spielerberater: Altersgrenze eine Option

Um dem Wettbieten der Berater um Talente Einhalt zu gebiete, ist Streich offen für eine Altersbegrenzung: "Darüber sollte man sich Gedanken machen, das muss aber politisch geregelt werden." Er selber hoffe, "dass die Eltern ihren Bub so erziehen, dass er fragt: 'Was rätst du mir, Papa?'"

Darüber hinaus empfiehlt der langjährige Freiburger Jugendtrainer talentierten Nachwuchsspielern wie auch deren Eltern, sich folgende Frage zu stellen: "Warum kommt plötzlich ein Mann zu einem 15-Jährigen und hat ein gesteigertes Interesse an ihm? Welche Gründe könnte das haben?"

"Ich lebe im totalen Luxus"

Dass er selbst finanziell von den Mechanismen des Profisports profitiert, möchte der 48-Jährige dabei gar nicht leugnen: "Zum Verein sage ich nicht: 'Gebt mir viel weniger Geld.' Ich nenne aber auch keine Summe, bei der die Leute sagen: 'Um Gottes Willen, wie sollen wir das bewältigen?'"

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Für sein eigenes Empfinden lebe er "im totalen Luxus". Sich selbst habe er eine gesunde Distanz zum "Geschäft Profifußball" verordnet und führe neben dem Fußball ein normales Leben: "Ich gehe nach Hause und esse zu Abend. Dann schaue ich mir vielleicht noch ein Spiel an oder rede mit meiner Familie und Freunden. Danach gehe ich ins Bett."

Persönliche Distanz zum Business

Dass ihn seine ungewöhnliche Art mittlerweile zu einer medialen Kultfigur gemacht hat, ist für ihn nicht von Bedeutung: "Ich versuche mich nicht so sehr damit zu beschäftigen. Das sind nun mal die Rahmenbedingungen."

Eine Episode des Medienhypes um seine Person ist dem 48-Jährigen aber in besonderer Erinnerung geblieben: "Zu meiner Anfangszeit wurde viel berichtet. Zum Beispiel darüber, dass ich mich warm gemacht habe, als ich fror. Aber das ist mir egal. Wenn ich friere, bewege ich mich. Und glauben Sie mir, 95 Prozent der Leute interessiert es auch nicht. Die meisten sagen wahrscheinlich sogar, der macht das, weil er friert."

Streich hatte im Januar 2012 das Amt des Cheftrainers beim SC Freiburg übernommen. Unter seiner Ägide hielt der Klub in der Saison 2011/12 souverän die Klasse und qualifizierte sich in der darauffolgenden Spielzeit als Tabellenfünfter für die Europa League.

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