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Die Nervosität steigt, die Fingernägel werden kürzer: Die Bundesliga startet in ihre neue Saison und wir machen den Check! Wie gut ist der Hamburger SV gerüstet?

Hamburg. Es hätte ein ruhiger Sommer werden können, doch er begann mit einem Paukenschlag. Zwar verdichteten sich die Anzeichen auf eine vorzeitige Trennung mit Sportchef Frank Arnesen bereits vor einem Jahr, der Zeitpunkt für seinen endgültigen Rausschmiss hätte dennoch unpassender nicht sein können. Dieser war eine Folge der andauernden Indiskretionen im Aufsichtsrat des Hamburger SV, der, so hieß es, erst im Spätherbst über die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Dänen entscheiden wollte. Mitten in der Planung der neuen Saison übernahm Oliver Kreuzer – und führte seine Arbeit fort.

FORM & VORBEREITUNG

Die einen sagen, dass man Testspiele nicht überbewerten darf. Andere meinen, dass sie ein Indiz für den Leistungsstand einer Mannschaft sind. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen. Fakt ist, dass sich der HSV in der Vorbereitung nicht mit Ruhm bekleckert hat. Von zwölf Spielen gewann das Team von Thorsten Fink sechs, darunter gegen drei unterklassige Gegner. Einzig in den Begegnungen mit dem FC Kopenhagen und RSC Anderlecht wussten die Rothosen teilweise zu überzeugen. Niederlagen gegen den FC Wacker-Innsbruck (0:2) oder Dynamo Dresden (0:4) haben derweil für viel Unmut gesorgt. Auch der 2:0-Sieg gegen Landesligist TSV Etelsen am vergangenen Dienstag trübt die Vorfreude auf den Bundesligastart.

Deshalb ist eine Aussage über die derzeitige Form der Mannschaft schwierig. Gegen kleine Teams fehlt den Spielern um Kapitän Rafael van der Vaart offenbar der Reiz, mit Teams wie Inter Mailand misst man sich hingegen lieber. Auch im DFB-Pokal war der HSV noch weit von dem entfernt, was man von ihm erwarten dürfte. Dennoch ist das Weiterkommen geglückt, wenngleich der Oberligist SV Schott Jena 70 Minuten tapfer das 0:0 verteidigen konnte.

TRANSFERS

Von den fünf Neuverpflichtungen gehen vier auf das Konto von Arnesen – außer bei Jacques Zoua hat Oliver Kreuzer bislang nur finalisiert, was sein Vorgänger vorbereitet hat. Auf der anderen Seite haben Marcus Berg (ablösefrei), Jacopo Sala (100.000 Euro) Heung-Min Son (7,5 Millionen Euro) und Jeffrey Bruma (Leihe ausgelaufen) den Verein verlassen. Von Sofortverstärkungen kann bisher kaum die Rede sein: Lasse Sobiech wirkt noch zu nervös, Kerem Demirbay und Hakan Calhanoglu zeigen gute Ansätze, sollen aber langsam an die Bundesliga herangeführt werden, Johan Djourou laboriert an den Folgen einer Leisten-OP und konnte sein Können noch nicht unter Beweis stellen, während Jacques Zoua erst im DFB-Pokal seine erste Duftmarke gesetzt hat.

Der HSV braucht dringend noch einen Stürmer, der nicht nur das Tor treffen kann, sondern auch als Anspielstation in der Offensive fungiert. Zoua und Rudnevs fehlt diese Kombination, wenngleich es sich als überlegenswert erweist, beide gleichzeitig aufzustellen. Ebenso wichtig ist es, die degradierten Spieler Robert Tesche, Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic, Michael Mancienne und Paul Scharner von der Gehaltsliste zu streichen. Letzterer könnte Oliver Kreuzer noch jede Menge Kopfschmerzen bereiten.

Langer Lenker Läufer


GEWINNER & VERLIERER DER VORBEREITUNG

+ Kerem Demirbay: Hat in einigen Tests bewiesen, dass er eine ernsthafte Alternative als "Achter" darstellen kann. Nichtsdestotrotz darf Thorsten Fink den 19-Jährigen nicht zu früh ins kalte Becken springen lassen. Wird sich insbesondere im physischen Bereich noch steigern müssen.

+ Jonathan Tah: Scheint die Ruhe selbst zu sein. Trotz seines Alters wirkt das Nachwuchstalent abgeklärt, folgt den Anweisungen des Trainers und bringt den Ball sicher zum Mitspieler. Tah ist ohne Zweifel mit seinen 1,92 Metern schon jetzt ein ganz Großer.

+ Jaroslav Drobny: Ist der beste Ersatzkeeper der Bundesliga, vielleicht sogar in ganz Europa. Durfte Rene Adler in den Tests vertreten und überzeugte mit erstklassigen Paraden. Die Vertragsverlängerung wird niemand bereuen. Beim Publikum ein absoluter Liebling.

- Dennis Aogo: Scheint den Anschluss zu verlieren. Aogo hatte mit Verletzungen zu kämpfen, Jiracek übernahm seinen Part im linken Mittelfeld. Doch weder der eine, noch der andere wussten zu überzeugen. Der Tscheche dürfte aufgrund Aogos Trainingsrückstand trotzdem die Nase vorn haben.

- Paul Scharner: Droht dem HSV mit Krieg. Der Österreicher fühlt sich betrogen, weil er keine ernsthafte Chance bekommt. Unvorstellbar, dass Scharner sich ohne Murren in die U23-Mannschaft abschieben lässt. Schadet mit seinen öffentlichen Kommentaren nicht nur dem Verein, sondern sich selbst.

ZIELSETZUNG

Damit tun sich die Hamburger schwer. Mal hieß es, dass ein europäischer Wettbewerb das Ziel sein muss. Jetzt ist es nur noch wünschenswert. Insgeheim wird der HSV auf die Europa League spekulieren, muss trotzdem aufpassen, dass es er nicht in den Abstiegskampf gezogen wird. Die Mannschaft ist bislang nicht stärker als in der Vorsaison, hat aber mit Heun-Min Son einen Torjäger abgegeben, für den noch Ersatz gesucht wird. Über den sechsten Tabellenplatz würde man sich an der Elbe am Ende der Saison nicht beklagen.

GOAL-PROGNOSE

Zwischen Platz fünf und 15 ist alles drin. Vergeigt der HSV erneut den Saisonstart, dürften die Tage von Thorsten Fink gezählt sein. Der Trainer gerät zunehmend in die Kritik, während Sportchef Kreuzer, zumindest medial, gefeiert wird. Dieser hat nämlich ein Mentalitätsproblem ausgemacht und scheut sich nicht, seine Spieler öffentlich zu kritisieren. Das hat sein Vorgänger etwas anders gehandhabt, womit er in der Medienlandschaft und bei Teilen der HSV-Fans auf Unverständnis gestoßen ist. Klartext reden ist angesagt. Deshalb gilt in der Kabine der Rothosen ab sofort: Weniger Gucci, mehr Fussi.

EURE MEINUNG: Was erwartet Ihr vom HSV in dieser Saison?

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