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Die Führungsspieler schlagen Alarm, die Aussortierten klagen: Beim Hamburger SV brodelt es vor dem Saisonstart. Ihre Ladenhüter werden die Hanseaten einfach nicht los.

Hamburg. René Adler knöpft sich die Kollegen vor, Rafael van der Vaart sieht die Saisonziele in Gefahr, der ausgemusterte Paul Scharner droht dem Verein offen mit "Krieg": Der Hamburger SV gleicht kurz vor dem Ligastart gegen Schalke 04 am Sonntag einem Pulverfass. Nach dem schwachen Auftritt im letzten Test gegen den Landesligisten TSV Etelsen (2:0) schrillen beim Bundesliga-Dino mal wieder die Alarmglocken.

"Jeder Spieler muss alles geben"

"Ich erwarte in einem solchen Spiel vollen Einsatz, egal, wer auf dem Platz steht. Das können B-Jugendliche sein", sagte Adler bei Sky Sport News HD. Der zuletzt lange verletzte Nationaltorhüter, der nach seiner Startelf-Rückkehr grünes Licht für einen Einsatz am kommenden Wochenende gegen die Königsblauen gab, ärgerte sich maßlos über die Vorstellung seiner Vorderleute gegen den Sechstligisten. "Viele Spieler wollen in die Mannschaft, da verstehe ich so etwas nicht. Egal, gegen wen es geht, jeder Spieler muss alles geben."

"Viel zu wenig"

Der blutleere Auftritt in der Nähe von Bremen nährt die Zweifel an der Qualität der Hamburger Mannschaft, die sich trotz einer schwachen Vorbereitung das Ziel Europacup auf die Fahnen geschrieben hat. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte HSV-Trainer Thorsten Fink der Bild-Zeitung: "Das war viel zu wenig, wenn man sich für die Startelf anbieten will, Sonntag auf Schalke spielen will."

Auch van der Vaart lässt Frust raus

Adler ist beim HSV nicht der erste Führungsspieler, der bereits vor dem ersten Ligaspiel Alarm schlägt. Vor ihm hatte schon Kapitän Rafael van der Vaart Dampf abgelassen. "Wir wissen, dass wir es können, aber wir können es nicht in jedem Spiel umsetzen. Das muss sich ändern, sonst können wir von der Europa League sprechen, werden sie aber nicht erreichen", sagte der Niederländer der Welt am Sonntag.

Fragezeichen nach dem Dresden-Spiel

Der Spielmacher sei sich zwar "sicher, dass wir eine gute Saison spielen werden", aber: "Wenn wir solche Auftritte wie in Dresden nicht herausbekommen, sind wir am Ende möglicherweise auch nur 14. Es wäre eine Schande." Beim Zweitligisten Dynamo Dresden (0:4) hatte sich der HSV in der vergangenen Woche im Test blamiert, was Sportchef Oliver Kreuzer zu einer lautstarken zwölfminütigen Kabinenpredigt veranlasste ("Gucci hier, Gucci da!").

"In der Mannschaft kommt nach kurzfristigen Erfolgen zu schnell eine Selbstzufriedenheit auf. Sie muss noch mehr eine Winnermentalität verinnerlichen", sagte Kreuzer der Sport Bild.



Scharner droht mit "Krieg"

Doch auch abseits des Feldes rumort es bei den Hamburgern. Jüngstes Störfeuer ist die Personalie Paul Scharner. Weil Sportchef Oliver Kreuzer den österreichischen Nationalspieler lieber heute als morgen von der Gehaltsliste streichen würde und ihn nach einem Gespräch in die zweite Mannschaft beorderte, geht Scharner nun auf die Barrikaden, droht sogar öffentlich mit "Krieg".

"Horror" und "Erpressung"

"Das kann ich nicht akzeptieren", sagte Scharner Hamburger Medien: "Gespräche aus der Vergangenheit zählen nichts mehr. In Innsbruck wurde mir noch vor wenigen Wochen erzählt, dass ich nicht abgeschoben werde." Der Verteidiger, der die Situation beim HSV zuvor schon einmal als "Horror" bezeichnet hatte, sprach von "Erpressung" seitens des Vereins.

Abschiebung per SMS

Nach eigenen Angaben wurde Scharner bereits am Mittwoch per Handy-Kurzmitteilung von Kreuzer vom Profi-Training ausgeschlossen: "Ich soll sofort zur U23, zumindest laut der SMS von Oliver Kreuzer", sagte Scharner. Sein Berater Valentin Hobel attackierte die Verantwortlichen des Vereins scharf. "Sie wollen Paul keine Chance geben, aber ein Geschäft mit ihm machen. Da landen wir ja bald beim Menschenhandel. Das lasse ich mit meinem Spieler nicht machen", sagte Hobel der Hamburger Morgenpost.

Karriereende eine Option

Bislang sollte Scharner wie die beiden zuvor ausgemusterten Profis Robert Tesche und Gojko Kacar, der den Klub ebenfalls kritisiert hatte, ab der kommenden Woche mit der U23-Mannschaft trainieren. Doch wie bei Tesche und Kacar zeichnet sich auch beim 33-jährigen Scharner keine rasche Lösung ab - im Gegenteil: Ein Angebot des englischen Erstligisten Hull City lehnte Scharner, der in Hamburg noch einen Vertrag bis 2014 besitzt, ab. Er spricht sogar vom Karriereende: "Ich kann wechseln, ich kann zur U23 gehen, ich kann Krieg führen, oder ich kann aufhören. Auch das ist eine Option", sagte Scharner.

Um den Problemprofi noch in diesem Jahr loszuwerden, müssten die klammen Hamburger wohl eine saftige Abfindung zahlen.

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