thumbnail Hallo,
Joel Matip spricht exklusiv über die Konkurrenz im Team und die nicht immer schöne Zeit bei Schalke

Joel Matip zu den Schalker Saisonzielen: "Jeder Spieler will Titel"

Joel Matip spricht exklusiv über die Konkurrenz im Team und die nicht immer schöne Zeit bei Schalke

Bongarts

Der Kameruner im Dress von Königsblau ist guter Dinge und freut sich auf die Saison. Goal sprach mit dem 21-Jährigen über seinen Klub, die Innenverteidigung und Einiges mehr.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Mittlerweile geht Joel Matip in die fünfte Spielzeit als Profi des FC Schalke 04. Kaum ein aktueller Kicker des Revierklubs kennt den Verein so gut wie der 1,93 Meter große Innenverteidiger. Seit 2000 schnürt der 21-Jährige für den Kult-Klub die Stiefel.

Goal bat den sympathischen Rechtsfuß zum Gespräch. Im großen Interview sprach Joel Matip über die Vorbereitung, seinen Konkurrenten Felipe Santana, prägende Erfahrungen, ein noch unerfülltes Pflichtprogramm der Neuzugänge und vieles mehr.

Herr Matip, die Vorbereitung war sehr hart und anstrengend. Welches Fazit ziehen Sie?

Matip:Das ist das normale Prozedere. Die Vorbereitung war gut und jetzt gehen wir mit Optimismus in die neue Saison. Wir hoffen, dass wir direkt gut starten.

Sie haben in den zahlreichen Testspielen auch neben Ihrem neuen Mannschaftskollegen Felipe Santana gespielt.

Matip: Wir haben in der Verteidigung alle Kombinationen durchgespielt.



"Es gehen Leute, es kommen Neue. Konkurrenz gehört einfach zum Fußballgeschäft dazu. Den Kampf nehme ich an!"


- Joel Matip

Welchen Eindruck macht er auf Sie?

Matip: Er ist ein guter Zweikämpfer. Ein guter Innenverteidiger, der uns weiterhilft. Sein Transfer gibt der Mannschaft noch mehr Qualität.

Er wird zu Beginn Ihr härtester Konkurrent im Kampf um einen Stammplatz sein. Haben Sie Sorge, dass er Sie verdrängt?

Matip: Es gehen Leute, es kommen Neue. Konkurrenz gehört einfach zum Fußballgeschäft dazu. Den Kampf nehme ich an!

Sie könnten auch mit Santana zusammenspielen.

Matip: Ich verstehe mich gut mit Ihm, das wäre gar kein Problem.

In unserer großen Goal-Analyse setzen Sie sich gegen Felipe Santana durch. Wortwörtlich heißt es: "Der Kameruner lässt sich nicht verdrängen!" Würden Sie das unterschreiben?

Matip: (lacht) Klar hoffe ich, dass ich wieder meine Spielanteile bekomme. Man wird sehen.

Felipe Santana ist allerdings nicht der einzige Neuzugang. Leon Goretzka, Adam Szalai und Christian Clemens verstärkten ebenfalls das Team.

Matip: Sie haben sich direkt gut eingefügt und sofort gezeigt, was sie können. Ich finde das sehr gut, wir haben uns sehr gut verstärkt.

Gibt es für neue Spieler in der Mannschaft eine Art Aufnahmeritual?

Matip: (lacht) Ja! Die müssen alle noch singen, es kam leider noch nicht dazu. Wir haben es versucht, bis jetzt gab es allerdings noch nicht die Möglichkeit. Da freue ich mich auch schon drauf. Das ist immer ein Highlight und sehr lustig.

Wird das nachgeholt?

Matip: Das wird auf jeden Fall noch nachgeholt! Da hänge ich mich auch noch dran und kümmere mich persönlich darum.

Jens Keller ist mittlerweile Ihr vierter Trainer. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Matip: Unser Trainer ist freundlich und sachlich. Er kann aber auch den härteren Ton treffen, wenn es sein muss. Er ist fachlich sehr kompetent und wir arbeiten sehr gerne mit ihm.

Gibt es etwas, das ihn auszeichnet oder vielleicht besonders macht?

Matip: Er redet viel mit den Spielern, gibt ihnen Tipps. Er nimmt einen auch oft an die Seite. Jens Keller ist zwar ein noch junger Trainer, trotzdem bringt er schon sehr viel an Erfahrung mit und das kann einem schon helfen.

Ihr ehemaliger Chef Felix Magath soll damals wenig mit den Spielern gesprochen haben. Wie wichtig ist intensive Kommunikation für Sie?

Matip: Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil, das hat immer Vor- und Nachteile. Ich will nicht sagen, dass alles schlecht war. Das ist auch nicht meine Art. Mit Jens Keller komme ich gut klar und er ist auch gut für mich.

Sie haben Magath Ihr Bundesligadebüt zu verdanken. Sie spielten 2009 ausgerechnet beim FC Bayern und erzielten auch noch ein Tor. Wie war das damals für Sie als 18-jähriger Frischling?

Matip: Davon kann man mit 18 Jahren nur träumen. Dass es dann auch wirklich passiert, ist wie ein Traum, der in Erfüllung geht. Ich konnte es erst gar nicht fassen.

Sicherlich etwas, was Sie nie wieder vergessen werden.

Matip: Das ist das Highlight! Daran werde ich mich wahrscheinlich mein ganzes Leben lang erinnern. Das sind Momente, die vergisst man nicht. Die prägen einen für das ganze Leben. Daran werde ich mich auch in 40 Jahren noch erinnern.

Bist Du ein echter Bundesliga-Experte? Dann mach jetzt beim Hyundai-Bundesliga-Tippspiel mit!

Bei Ihnen hat man dennoch das Gefühl, dass Ihre guten Leistungen mehr als bei anderen Spielern vom Selbstvertrauen abhängen. Hinterfragen Sie sich und Ihre Leistung vielleicht zu oft?

Matip: Klar hinterfrage ich mich, das gehört zu meinem Naturell. Ich übe Selbstkritik, das gehört auch zu meiner Person. Manchmal ist das gut, aber es gibt auch Zeiten, in denen das hinderlich ist. Ich weiß nicht, ob ich das abstellen sollte. Denn, wie gesagt, manchmal hilft es, manchmal eben nicht.

Es gab Zeiten, da wurden Sie von Schalker Fans nach Unkonzentriertheiten ausgepfiffen. Hat Sie das belastet oder noch stärker gemacht?

Matip: Es hat mich schon stärker gemacht, auch wenn diese Zeiten für mich nicht einfach waren. Es ist wie bei jedem anderen auch: Wenn es auf der Arbeit nicht läuft, dann merkt man das. Ich versuche das aus dem Privatleben herauszuhalten, das klappt aber nicht immer. Ich habe viel daraus gelernt und versuche, solche Dinge von mir fernzuhalten.

Fühlten Sie sich im Vergleich zu anderen Spielern ungerecht behandelt?

Matip: Ich habe mich nicht mit anderen verglichen. Ich habe versucht, meine Fehler abzustellen, das hat nicht auf Anhieb geklappt. Dann auf andere zu schauen und sich dadurch ein Alibi zu verschaffen, ist nicht meine Art. Ich habe meine Dinge selbst geregelt und habe nicht gesagt: "Was macht der denn da?" So bin ich nicht.

Herr Matip, erinnern Sie sich noch an den 8. März 2012?

Matip: 8. März 2012? (überlegt lange…)

Sie hatten ein besonderes Spiel, welches Sie nicht beendeten.

Matip: Ah. Das Highlight in Holland.

Sie können sich also doch noch daran erinnern.

Matip: (lacht) Ich habe es verdrängt. Das war ein Erlebnis, was mir hoffentlich nie wieder passiert. Es hat ja dann noch ein gutes Ende gehabt.

Im Europa-League-Spiel gegen Twente Enschede erhielten Sie nach einem angeblichen Foul an Luuk de Jong die Rote Karte und es gab Elfmeter, obwohl das "Foul" außerhalb des Strafraums war.

Matip: Das war mein erster Platzverweis. Als ich vom Feld musste, habe ich die Welt nicht mehr verstanden.

In dieser Situation wäre so mancher Spieler wutentbrannt auf das Schiedsrichtergespann losgestürmt. Warum blieben Sie trotzdem so ruhig?

Matip: Man weiß erstmal nicht, was man denken soll. Man macht nichts und plötzlich fliegt man runter – verkehrte Welt! Dann gibt es noch Elfmeter und deine Mannschaft, die 90 Minuten kämpft, verliert.

Wie sind Ihre Team-Kollegen mit Ihnen umgegangen?

Matip: Die haben mich aufgebaut, ich habe immer das Vertrauen von ihnen gespürt. Das fand ich gut und das hat mir auch sehr geholfen. Aber, in dem Moment will man eigentlich auch mit fast niemandem etwas zu tun haben, sondern lieber allein für sich sein.

Horst Heldt ist im Anschluss daran vor sämtlichen TV-Kameras fast explodiert und stellte sich komplett hinter Sie. Was hat Ihnen das bedeutet?

Matip: Das ist natürlich sehr schön und es gibt einem auch Kraft für die Spiele, wenn man merkt, dass die Verantwortlichen hinter einem stehen.

Sie sind mit Ihren 21 Jahren noch jung. Trotzdem haben Sie in der Bundesliga, der Champions League und in der Nationalmannschaft Kameruns sehr viel Erfahrung gesammelt. Geben Sie die bereits an die noch jüngeren Spieler im Kader weiter?

Matip: Zu den ganz, ganz Jungen gehöre ich nicht mehr, das ist richtig. Ich versuche, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der Weg soll irgendwann dahin gehen, dass ich die anderen auch mal führen kann.

Sie sehen sich also als angehenden Führungsspieler?

Matip: Ich arbeite darauf hin. Irgendwann möchte man auch selbst solche Aufgaben übernehmen.

Sie kommen generell in der Öffentlichkeit etwas schüchtern daher, Herr Matip. Wie ist das innerhalb des Teams, sind Sie da auch mal laut?

Matip: Klar, von Zeit zu Zeit gehe ich auch mal aus mir raus. Es ist schon richtig, dass ich zurückhaltend bin. Es gibt aber auch Momente, da werde ich etwas lauter. Das sind aber eher die seltenen Momente.

Sie haben in Ihrer ersten Bundesligasaison 2009/2010 mit einem Schalker Idol zusammengespielt – Marcelo Bordon. Wie war das für Sie als jungen Burschen?

Matip: Die Zeit mit ihm war ein Erlebnis, man konnte sehr viel von Ihm lernen. Er ist ein super Fußballer und ein toller Mensch. Es war eine Ehre für mich, mit ihm zusammengespielt zu haben.

Ihre erste Zeit als Profi verbrachten Sie im defensiven Mittelfeld. Sie sind allerdings gelernter Innenverteidiger.

Matip: Ich habe das damals angenommen, ich könnte es auch immer noch spielen. Aber ich fühle mich in der Innenverteidigung am wohlsten und dort kann ich meiner Mannschaft auch am besten helfen.

JOEL MATIP | Innenverteidigung, 21 Jahre

KARRIERE
Bundesligaspiele 108
Tore 9
Vorlagen 5
SPIELERAKTE
Vertrag bis 2016
Marktwert ca. 11 Millionen Euro
Spitzname Jimmy

Was haben Sie aus dem Jahr vor der Abwehr für sich mitgenommen?

Matip: Ich denke, man kann von jeder Position etwas mitnehmen, was man für seine eigentliche Position gebrauchen kann. Ich war im Mittelfeld ja ein sehr defensiver Spieler und habe vor der Abwehr den Abräumer gemacht. Die Erfahrung, dass dort die Gegenspieler überall sind, hilft einem und man lernt daraus. Das verbessert letztlich auch das Spiel auf der Innenverteidiger-Position.

Ihre Entwicklung ist selbstverständlich noch nicht am Ende. In welchem Bereich können Sie sich noch steigern?

Matip: Es gibt viele Bereiche, in denen ich mich noch verbessern kann. Es ist ein breites Feld, es gibt immer etwas. Ich freu' mich drauf und bin guter Dinge, dass ich mich noch verbessern werde.

Ihr Klub möchte sich auch noch verbessern. Es soll mehr Konstanz ins Spiel. Welche Chancen rechnen Sie sich für die Bundesliga aus?

Matip: Wenn wir unsere Konstanz über die Saison halten, dann ist schon was möglich. Mit Dortmund und Bayern gibt es da allerdings auch zwei Kaliber. In Einzelspielen ist immer viel drin, wir brauchen aber Konstanz – daran arbeiten wir. Wir werden versuchen, uns im oberen Bereich festzusetzen.

Mit welchem Platz wären Sie zufrieden?

Matip: Champions League sollte das Ziel sein.

Glauben Sie, dass Schalke 04 in naher Zukunft den Meistertitel erringen kann?

Matip: Wir arbeiten daran, das wird wahrscheinlich auch noch dauern. Aber man weiß nie, wie sich eine Saison entwickelt. Man muss schauen, wie Spiele verlaufen. Träumen ist nicht verboten!

Haben Sie sich ein Saisonziel gesteckt?

Matip: Jeder Spieler möchte Titel, klar. Von Vereinsseite her möchte man Konstanz, die Champions League erreichen und wenn möglich, weit kommen.

Ihr Mitspieler Julian Draxler hat früh verkündet, dass er in seiner Karriere mal im Ausland spielen möchte. Würden Sie diese Erfahrung in Ihrer Laufbahn auch gerne machen?

Matip: Man soll ja nie nie sagen. Es kann gut sein, ich kann es mir auch vorstellen. Natürlich träumt man als kleines Kind, auch mal hier und dort zu spielen. Ich schaue, was die Zukunft bringt und lasse alles auf mich zukommen.

Joel Matip im Gespräch mit Goal-Korrespondent Hassan Talib Haji

Welche europäische Liga würde Sie reizen?

Matip: Die Klassiker. Spanien und England. Es wäre eine Ehre und Freude, dort mal zu spielen.

Beim Bundesligaauftakt des FC Schalke 04 kommt der Hamburger SV in die Veltins Arena. In der Rückrunde gewannen Sie 4:1. Was stimmt Sie zuversichtlich, ein ähnliches Ergebnis zu erzielen?

Matip: Wir haben eine gute Vorbereitung hinter uns. Ich denke, wir haben die Qualität, zu Hause die drei Punkte zu behalten.

Seit Wochen wird innerhalb der Liga über das Potenzial des FC Bayern München und dessen neuen Trainer Josep Guardiola gesprochen. Glauben Sie, dass dem Branchenprimus die Meisterschaft überhaupt zu nehmen ist?

Matip: Individuell sind die natürlich top besetzt. Auf den FC Bayern gucken wir aber nicht, wir schauen nur auf uns selbst und versuchen, unsere Spiele zu gewinnen.

Wie verfolgen Sie den Hype um Guardiola aus der Ferne?

Matip: Guardiola war ein super Spieler und ist ein super Trainer. Es ist schön, so eine Persönlichkeit in der Bundesliga zu haben.

In der WM-Qualifikation für das Turnier in Brasilien 2014 stehen Sie mit Kamerun an Platz eins Ihrer Gruppe. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie nach Südafrika 2010 Ihre zweite Weltmeisterschaft spielen werden?

Matip: Es ist erstmal die Gruppenphase, danach kommen ja noch die K.o.-Runden. Ich bin aber zuversichtlich, wir haben eine gute Mannschaft.

Wie bekannt ist die Bundesliga unter Ihren Teamkollegen?

Matip: Die Bundesliga ist natürlich bekannt. Wir haben auch viele, die in Frankreich spielen. Die kennen die Liga, klar. Bayern, Dortmund und Schalke sind da schon ein Begriff.

Sind Sie ab und zu in Kamerun und besuchen die Verwandtschaft?

Matip: Eher selten. Wenn ich mit der Nationalmannschaft in Kamerun bin, dann versuche ich, das zu verbinden. Wir haben dann zwischendurch auch mal ein, zwei Tage frei.

Eine letzte Sache noch. Ihr japanischer Mitspieler Atsuto Uchida hat sich bei der Saisoneröffnung auf der Bühne einen besonderen Dank an die Fans ausgedacht. Er sagte in bestem Deutsch: "Leck' mich am A…, Danke schön!" Das Gelächter war groß.

Matip: (lacht) Er hat das irgendwo mal gehört und wusste nicht mehr genau, was das heißt. Wenn man mit den Jungs unterwegs ist, hört man das eine oder andere. Den Grund habe ich nicht mitbekommen, vielleicht hat er eine Wette verloren. Er wusste wohl nicht so ganz, was er da gesagt hat.

EURE MEINUNG: Wird sich Joel Matip behaupten und seinen Stammplatz auf Schalke behalten?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig