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Mit Blick in die Zukunft: DFL-Vorstand Christian Seifert

DLF-Boss Christian Seifert: "Lieber Optimum als Maximum" für die Bundesliga

Mit Blick in die Zukunft: DFL-Vorstand Christian Seifert

Der DFL-Chef sieht die Bundesliga vor ihrer 51. Saison bestens aufgestellt, warnt jedoch vor Größenwahn und appelliert an ein gesundes Wachstum.

Frankfurt am Main. Vor dem Start in die 51. Bundesligasaison ist DFL-Vorstand Christian Seifert hochzufrieden mit der Entwicklung der Liga. Gleichzeitig warnt der 44-Jährige aber vor finanziellem Größenwahn und appelliert an ein gesundes Wachstum der Vereine, von denen er mehr Initiative in der Auslandsvermarktung fordert.

Die höchste deutsche Spielklasse ist ganz klar im Aufwind. "Objektiv betrachtet haben sich noch nie mehr Menschen national wie international für die Bundesliga interessiert", zog Seifert im Interview mit der "Welt" ein positives Fazit zum 50. Geburtstag der Liga. "Sie hat noch nie in besseren, moderneren und sicheren Stadien gespielt. Sie hatte trotz moderater Ticketpreise noch nie mehr wirtschaftliche Möglichkeiten", führte der DFL-Vorstand aus.

Zugleich appellierte der Funktionär, der die Geschäftsführung des Ligaverbands seit 2007 leitet, an eine Fortsetzung des Wachstums in kleinen Schritten und erteilte einem Wettrüsten mit dem Ausland eine Absage: "Wenn ich dopen muss, um Platz eins zu kriegen, dann ist mir der zweite lieber. Durch den Einfluss externer Geldgeber haben sich in den europäischen Wettbewerben Gewichte verschoben. Das ist sicherlich nicht unser Weg", sagte Seifert mit Blick auf Klubs wie den FC Chelsea und Manchester City aus der Premier League sowie Paris St.-Germain und den AS Monaco aus der Ligue 1.

Namenssponsoring weiterhin kein Thema

Der 44-Jährige möchte die Liga vielmehr mit kontrolliertem Risiko nach vorne bringen: "Das Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Vernunft, sportlicher Leistungsfähigkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz zu halten, das ist die Herausforderung. Es wäre aber der falsche Ansatz, jetzt zu sagen, es geht exakt so weiter, denn die anderen Ligen schlafen nicht." Im Profifußball benötige man nun einmal Geld, um gewisse Dinge umzusetzen, so Seifert.

Dieses wolle er allerdings nicht um jeden Preis erzielen. So sei ein Namenssponsoring der Liga weiterhin keine Option: "Den Namen Bundesliga zu ändern, um 20 bis 30 Millionen Euro mehr zu generieren, ist angesichts des Gesamterlöses von 2,5 Milliarden Euro schlicht und ergreifend nicht sinnvoll."

TV-Gelder wie in England in Deutschland nicht zu erzielen

Von TV-Einnahmen im Bereich von zwei Milliarden Euro pro Saison, die in der englischen Premier League erzielt werden, sieht Seifert die Bundesliga weit entfernt – und hält eine solche Summe auf dem deutschen Markt auch nicht für realisierbar: "Sky hat in England zehn Millionen Kunden und macht einen Gewinn von einer Milliarde Euro. Aber in Deutschland können Sie zwei Milliarden Euro derzeit nicht refinanzieren."

Seine Maxime lautet: "Sich um das Optimum bemühen. Und das ist nicht immer das Maximum."

Auslandsvermarktung: Klubs sollen mehr reisen

Luft nach oben sieht Seifert jedoch in der Auslandsvermarktung der Liga: "Der weltweite Pressehype, der zuletzt um den deutschen Fußball und die vermeintliche Wachablösung kreiert wurde, zeigt, wie wichtig die Champions League für die internationale Wahrnehmung von erfolgreichem Fußball geworden ist. Insofern war das eine sehr, sehr gute Unterstützung für die neuen TV-Auslandsverträge."

Es sei nun die Aufgabe der Vereine, dem Vorbild der internationalen Klubs zu folgen und vermehrt Trainingslager und Freundschaftsspiele in Übersee abzuhalten: "Kein einziger Verein mit Ausnahme des FC Bayern in manchen Jahren unternimmt auch nur im Ansatz die Anstrengungen englischer oder spanischer Klubs, um sich in Asien, den USA oder anderswo bekannter zu machen." Durch derartige Maßnahmen könne man den bisherigen jährlichen Erlös von rund 72 Millionen Euro aus der Auslandsvermarktung leicht  auf "100 bis 150 Millionen Euro jährlich" ausbauen.

3. Liga bleibt wohl unter dem Dach des DFB

Einer Eingliederung der 3. Liga in die Deutsche Fußball-Liga erteilte Seifert indirekt eine Absage. Die Unterschiede von der 3. Liga zur 2. Liga seoie, doch "bereits die 2. Liga wird stark von der Bundesliga subventioniert. Ab sofort erhalten die Vereine dort 120 Millionen Euro jährlich. Wenn Sie die Rechte der Zweiten Liga isoliert betrachten, sind diese gemäß der letzten Ausschreibung aber nur etwa 50 Millionen Euro wert." Eine zusätzliche Subventionierung der 3. Liga würde das Oberhaus daher deutlich schwächen.

Stattdessen appellierte Seifert an eine Bündelung der Kräfte, um auch in zehn Jahren noch zu den besten drei Ligen Europas zu gehören: "Wir wollen international wachsen. Und wenn wir auch 2023 so gut dastehen wollen, brauchen wir weiter den Solidargedanken." Es solle ebenso Weltstars geben wie Überraschungsteams. Und: "Menschen aus allen Schichten sollen sich auch dann ein Ticket leisten können."

 

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