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Saisoncheck: Borussia Mönchengladbach

Die Nervosität steigt, die Fingernägel werden kürzer: Die Bundesliga startet in ihre neue Saison und wir machen den Check! Wie gut ist Borussia Mönchengladbach gerüstet?

Mönchengladbach. Die so positive und hoffnungsfrohe Stimmung bei Borussia Mönchengladbach ist nach dem Pokal-Aus bei Darmstadt 98 erst mal dahin. Zuvor strahlte vor allem Lucien Favre einen ungewohnten Optimismus aus. Trauerte der Trainer vor der letzten Spielzeit noch den Abgängen hinterher, äußerte sich zurückhaltend über die damaligen Neuzugänge und stellte dem Kader allenfalls eine durchschnittliche Note aus, so ist er vor dieser Saison nicht wiederzuerkennen. Dies mag daran liegen, dass Sportdirektor Max Eberl mit den Neuzugängen Max Kruse, Raffael und Christoph Kramer ausnahmslos Wunschspieler des Trainers verpflichten konnte. Insgesamt geht man am Niederrhein mit einem in der Breite deutlich verstärkten Kader in die Bundesliga-Saison, der Favre vor allem in der Offensive mehr Handlungsspielraum ermöglicht.


FORM & VORBEREITUNG

"Es wird sehr, sehr schwer, die Mannschaft wieder aufzurichten", erklärte ein sichtlich niedergeschlagener Lucien Favre allerdings im Anschluss an die bittere Pokalschlappe am Böllenfalltor. "Da ist zu wenig Bewegung drin. Jetzt müssen wir trainieren, trainieren, trainieren", analysierte Borussias Abwehrchef Martin Stranzl anschließend. Wenn solche Worte nach dem Pflichtspielauftakt gesagt werden, kann auch die Vorbereitung nicht optimal gelaufen sein.

In der Testspielphase unterlag Gladbach gegen Ingolstadt (0:1) und kassierte beim Telekom Cup eine 1:5-Klatsche gegen den FC Bayern. Weitere fünf Partien konnte man erfolgreich gestalten, dabei gelangen Siege gegen die Ligakonkurrenz aus Nürnberg (3:0) und Dortmund (1:0). Im letzten Vorbereitungsspiel besiegte man eine B-Elf von Celtic Glasgow mit exakt dem Personal, das eine Woche später ohne Verve gegen Darmstadt verlor und damit viele positive Eindrücke zunichtemachte.

Lucien Favre legte in der Vorbereitung viel Wert auf die körperliche Komponente und brachte seine Profis mit Übungseinheiten von zwei Stunden und mehr bei teilweise tropischen Temperaturen an ihre Grenzen. Der Coach testete einige Nachwuchskicker wie den erst 17-jährigen Mahmoud Dahoud und verzichtete dafür lieber auf das Einspielen einer Stammformation. So tauschte er das Personal auf der "Doppel-Sechs" und in der Offensive munter durch, was dazu führte, dass zu Saisonbeginn noch nicht alle Mechanismen greifen, auch wenn sich die Mannschaft im schnellen Umschaltspiel, sowie bei Passsicherheit und Ballzirkulation gegenüber der Vorsaison verbessert zeigt.

TRANSFERS

Max Eberl hat seine Hausaufgaben gemacht, und auch wenn er den Transfermarkt weiterhin im Auge behält und die Borussia über eine gut gefüllte Kasse verfügt, sind keine weiteren Zugänge geplant. Der Kader wurde gegenüber der letzten Spielzeit deutlich verstärkt. Durch Max Kruse vom SC Freiburg und Raffael, mit dem Lucien Favre bereits zweimal zusammengearbeitet hatte, bekommt der Coach Akteure, die wie gewünscht für Flexibilität und Tempo im Offensivspiel stehen. So könnte es beispielsweise für Platzhirsch Juan Arango oder Millionen-Stürmer Luuk de Jong mit einer Position in der Startelf eng werden.

Zudem wurde Christoph Kramer für zwei Jahre auf Leihbasis verpflichtet. Der defensive Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen, der in der 2. Bundesliga zuletzt beim VfL Bochum zum Stamm gehörte, gilt als ernst zu nehmende Alternative für einen Platz in der Doppel-Sechs und soll Druck auf die etablierten Spieler ausüben. Dass sich Kramer, der ebenso wie die anderen beiden Neuzugänge im Pokal in der Startelf stand, über kurz oder lang einen Stammplatz erobert, scheint durchaus möglich zu sein.

Die prominentesten Abgänge sind Mike Hanke, der sich ablösefrei dem SC Freiburg anschloss und Igor de Camargo, der zuvor an Hoffenheim ausgeliehen war und nun für Ex-Klub Standard Lüttich auf Torejagd geht. Favre und Eberl wollten im Angriff etwas Neues probieren, weshalb die beiden Publikumslieblinge den Neuzugängen Kruse und Raffael weichen mussten, die völlig andere Spielertypen sind.

Zudem verließen mit Leckie, Zimmermann, Dams, Cigerci und Ring vier Borussen den Verein, die keine Perspektive mehr hatten und dem "Großreinemachen" bei der Borussia zum Opfer fielen. Weitere Abgänge sind zunächst nicht geplant, so schob Eberl auch einem möglichen Wechsel von Peniel Mlapa einen Riegel vor und erklärte die Aktivitäten auf dem Transfermarkt endgültig für abgeschlossen. Der Kader umfasst aktuell 26 Spieler.

Hoffnungsträger Goalgetter Fragezeichen



GEWINNER & VERLIERER DER VORBEREITUNG

+ Julian Korb – Das 21-jährige Eigengewächs sollte zunächst verliehen werden, glänzte jedoch in der Vorbereitung mit erfrischenden Auftritten und zwang so die Verantwortlichen zum Umdenken. Korb interpretiert die Rechtsverteidigerposition offensiver als der lange konkurrenzlose Tony Jantschke, durfte für diesen im DFB-Pokal gegen Darmstadt 98 ran und machte seine Sache ordentlich.

+ Granit Xhaka – Für den Schweizer Nationalspieler galt es seinen gegen Ende der abgelaufenen Spielzeit zurückeroberten Stammplatz zu festigen und die hohen Erwartungen an ihn zu erfüllen. Xhaka leistete sich zwar beim Telekom Cup gegen Bayern München einige seiner berüchtigten Aussetzer, überzeugte jedoch beim letzten Testspiel gegen Celtic Glasgow als Antreiber und Torschütze. Beim enormen Konkurrenzkampf um die beiden Plätze in der "Doppel-Sechs" scheint er im Moment die Nase vorn zu haben. So stand er auch im Pokal 120 Minuten auf dem Platz und gehörte noch zu den aktiveren Borussen.

- Peniel Mlapa – Kam nach einer durchwachsenen Vorsaison angeschlagen von der U21-EM, wurde bei Testspielen kaum berücksichtigt und konnte sich im Training nicht aufdrängen. Zudem hat sich die Konkurrenzsituation im Angriff deutlich verschärft. Einen Verkauf des bulligen Stürmers noch in der laufenden Transferperiode schloss Eberl allerdings aus.

- Luuk de Jong – Der Niederländer präsentierte sich in der Vorbereitung zwar topfit, bleibt aber für Favres System nur zweite Wahl. Der Trainer setzt in der Offensive lieber auf Flexibilität statt auf Effektivität und so muss sich de Jong langsam mit dem Gedanken anfreunden, dass man Max Kruse und Raffael nicht als Zuspieler, sondern als Alternative für ihn verpflichtet hat. Gegen Darmstadt wurde er eingewechselt, ging jedoch leer aus und verschoss überdies einen Elfmeter, womit er keine Werbung in eigener Sache betreiben konnte.

mit Begründung.


DAS TALENT


Als einer der Gewinner der Vorbereitung und kommender Star könnte natürlich der hoch talentierte 17-jährige Sechser Mahmoud Dahoud gelten. Allerdings lässt sich Trainer Lucien Favre beim Heranführen von Talenten Zeit und baut diese behutsam auf. So wird der Youngster zunächst in Gladbachs U19 zurückbeordert und vermutlich wenig bis gar keine Spielzeit bei den Profis bekommen. Dahoud gehört die Zukunft, aber noch nicht morgen.

Einen Schritt weiter ist Branimir Hrgota. Das Schweden-Schnäppchen kam im Vorjahr für 400.000 Euro von Jönköpings Södra IF und machte bei seinem Startelfdebüt gegen Mainz im Mai mit einem Dreierpack auf sich aufmerksam. Der 20-jährige Stürmer war mit vier Treffern Toptorschütze der Vorbereitung und scheint den 12-Millionen-Mann Luuk de Jong in der Hierarchie bereits überflügelt zu haben.



ZIELSETZUNG


Bei Borussia Mönchengladbach gibt man sich gewohnt zurückhaltend. So will man nach Aussagen von Max Eberl zum dritten Mal hintereinander einen einstelligen Tabellenplatz erreichen und sich auf diesem Niveau stabilisieren. Trainer Lucien Favre teilt diese Ansicht dankbar, im Spielerkreis fiel in der Vorbereitung allerdings häufiger das Wort "Europapokal". Am Niederrhein ist man sich bewusst, dass man sich hinter Bayern, Dortmund, Schalke und Leverkusen mit vielen Teams auf Augenhöhe befindet und letztlich Kleinigkeiten über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Die letzte Saison stellte dies eindrucksvoll unter Beweis.

GOAL-PROGNOSE

Der Kader von Borussia Mönchengladbach wurde noch einmal deutlich verstärkt. Die Neuzugänge aus dem Vorjahr, Luuk de Jong, Alvaro Dominguez und Granit Xhaka, könnten den nächsten Schritt machen. Die Mannschaft wirkte in der Vorbereitung ball- und kombinationssicherer als in der abgelaufenen Spielzeit und so strahlte Favre zumindest bis zum Ausscheiden im DFB-Pokal Optimismus aus. Sollten die Schlüsselspieler ihre normale Leistung abrufen und von Verletzungen verschont bleiben, lässt sich vielleicht nicht der vierte Tabellenplatz aus der Saison 2012/2013 wiederholen, das internationale Geschäft und damit mindestens Rang sechs ist jedoch in jedem Fall drin.

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