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Freiburgs Trainer Christian Streich prägt neue Positionsbezeichnungen

Taktik-Wirrwarr in der Bundesliga: Von echten, falschen und halben Neunern

Freiburgs Trainer Christian Streich prägt neue Positionsbezeichnungen

Bongarts

Seitdem Pep Guardiola beim FC Bayern ist, wird innerhalb der Fußball-Bundesliga so viel wie noch nie über Taktik und entsprechende Systeme diskutiert. Wer setzt auf welche Kniffe?

Köln. Christian Streich musste mal wieder einen drauf setzen: "Wir haben Neuneinhalber und Achteinhalber, aber keinen klassischen Zehner." Bitte was? Als wenn die System-Diskussionen um Pep Guardiola nicht schon genug wären, machte der kautzige Fußball-Lehrer des SC Freiburg kurzum das Taktik-Wirrwarr perfekt. Doch was zunächst kompliziert klingt, dürfte in der kommenden Saison nicht nur Taktik-Freaks begeistern: Die Fans blicken attraktivem Hochgeschwindigkeits-Fußball entgegen.

Echte Neuner, falsche Neuner - seit der Ankunft von Bayern Münchens neuem Trainer Guardiola fachsimpelt Fußball-Deutschland wie nie zuvor über Taktik. Kleine Nachhilfe für diejenigen, die noch nicht mitreden können: Im Gegensatz zur traditionellen Sturmspitze, der echten Neun, lassen sich falsche Neuner oder Neuneinhalber ins Mittelfeld fallen, um bestenfalls anschließend ohne Bewacher - mit oder ohne Ball - torgefährlich zu werden.

Gleichzeitig fördern diese Laufwege die "Fluidität" des Mannschaftsgefüges, also die Unberechenbarkeit des Teams durch Positionswechsel. Wie erfolgreich diese Spielweise sein kann, hat Weltfußballer Lionel Messi mit seinen 60 Pflichtspieltoren in der vergangenen Saison für den FC Barcelona bewiesen. Achteinhalber sind quasi das Gegenstück: Als nominelle Mittelfeldspieler nehmen sie situativ die (verwaiste) Stürmerposition ein.

Gladbach setzt weiter auf den klassischen Neuner

"Wir können mit einem echten Stürmer spielen - und wir können mit einem falschen Stürmer spielen", sagte Guardiola kürzlich. Doch längst nicht alle Bundesligisten springen auf diesen Zug auf. "Ich kann der Diskussion um das Fehlen eines Neuners nichts abgewinnen", stellte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl unverblümt klar: "Wir brauchen definitiv eine echte Nummer neun." Punkt. Aus. Und langweilig?

Nein. Für die Fans gibt es nichts besseres als Taktikvielfalt. Während sich ähnliche Systeme auf dem Platz oft neutralisieren, sorgen unterschiedliche Formationen theoretisch und erfahrungsgemäß für mehr Räume - und damit für Tempo und Tor-Möglichkeiten. Die kommende Bundesliga-Saison verspricht jede Menge Action.

An welchen Schrauben dreht Kloppo mit den Neuen?

Auch Champions-League-Finalist und Vizemeister Borussia Dortmund dürfte erneut dazu beitragen. Trainer Jürgen Klopp kündigte an, nach den Transfers der Offensivspieler Henrich Mchitarjan und Pierre-Emerick Aubameyang "am System ein bisschen zu schrauben". Möglicherweise stellt er das bisherige 4-2-3-1, das auch in der neuen Saison von den meisten Teams präferiert werden wird, in ein 4-3-3 um.

Mit dieser offensiven Ausrichtung hatte sich ausgerechnet der FC Augsburg vor dem Abstieg gerettet. Doch damit nicht genug: Trainer Markus Weinzierl ließ drei potentielle Zehner im Mittelfeld auflaufen und zog damit die alte Weisheit, der Klassenerhalt gehe einzig über den Kampf, geradezu ins Lächerliche. Nicht unwahrscheinlich, dass Dortmund oder andere Teams - selbst aus dem Tabellenkeller - der Idee folgen. Freiburg ganz bestimmt nicht, dort wird die Rückennummer 10 erst gar nicht vergeben. Und eine 9,5, die ist auf dem Trikot nicht erlaubt.

EURE MEINUNG: Falsche Neun oder doch ein klassischer Mittelstürmer? 

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