thumbnail Hallo,

Berti Vogts: "Jupp Heynckes wurde viel zu schnell vergessen"

Der ehemalige Bundestrainer kritisiert, dass die Verdienste von Heynckes im Zuge der Guardiola-Manie zu schnell verblasst sind.

Berlin. Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts kritisiert, dass im Zuge der Pep-Manie beim FC Bayern München die Verdienste von Jupp Heynckes zu schnell vergessen wurden. Der 66-Jährige erwartet, dass der Meistertitel auch in der kommenden Saison unter den Bayern und Borussia Dortmund ausgespielt wird.

"Ich fand es schade, dass eine Woche, nachdem die Bayern die Champions League und den Pokal gewonnen haben, nur noch über Guardiola gesprochen wurde", sagte Vogts im Interview mit der Rheinischen Post.

Den neuen Bayern-Coach spricht der Weltmeister von 1974 dabei allerdings von jeglicher Schuld frei: "Er selbst kann nichts dafür, er ist ein bescheidener Mann. Aber Jupp Heynckes wurde viel zu schnell vergessen."

"Guardiola wünsche ich alles Gute"

Insgesamt findet Vogts nur positive Worte für den Nachfolger seines Freundes Heynckes: "Dass ein Trainer wie Guardiola sich entschieden hat, als erster spanischer Trainer in die Bundesliga zu kommen, spricht für die Qualität des deutschen Fußballs."

Jedoch glaubt der frühere Bundestrainer nicht, dass sich bei Bayern unter dem 42-Jährigen allzu viel verändern wird: "Vielleicht wird sich der Ballbesitz noch erhöhen. Aber das schnelle Umschalten von der Defensive auf die Offensive ist der Schlüssel."

Dortmund härtester Konkurrent, Schalke Außenseiter

In Vizemeister und Champions-League-Finalist Borussia Dortmund sieht Vogts den einzigen ernsthaften Widersacher der Münchner auf nationaler Ebene. Er ist sich sicher, dass es "wieder einen Zweikampf um den Titel zwischen den Bayern und Borussia Dortmund" geben wird.

Überraschungspotenzial schreibt Vogts allenfalls dem FC Schalke 04 zu: "Mit Peter Herrmann haben sie jetzt einen Mann im Trainerstab, der die Bundesliga kennt und weiß, wie man Meister wird. Er ist für mich die wichtigste Verpflichtung der Schalker." Weiterhin sieht Vogts in seinem Ex-Verein Bayer Leverkusen, bei dem er in der Saison 2000/01 auf der Trainerbank saß, die klare Nummer vier im Lande.

Enger Kampf um die Europa League

Hinter diesem Quartett erwartet Vogts ein spannendes Rennen. Der 66-Jährige traut Fast-Absteiger Hoffenheim dabei sogar den fünften Platz zu: "Wenn da im Klub Ruhe ist und die Spieler passen, dann kann das gelingen."

Eine Wundertüte ist der Hamburger SV für den Europameistertrainer von 1996: "Das ist von Platz fünf bis 15 alles drin. Der HSV hat gute Spieler und Rafael van der Vaart. Er ist für mich einer der letzten Spielmacher der alten Schule."

Schweinsteiger ein moderner Zehner

In dem 30-jährigen Niederländer sieht Vogts eine aussterbende Spezies, weil sich das Anforderungsprofil für einen Spielmacher in den letzten Jahren stark verändert habe: "Van der Vaart ist ein Dirigent und organisiert das Spiel mit seiner Kreativität. Bastian Schweinsteiger ist ein moderner Zehner, der aus der Tiefe kommt. Er macht das Spiel mit viel Laufarbeit, ist ein ständiger Antreiber."

Mario Götze, Julian Draxler oder Diego sieht Vogts in keiner dieser Kategorien. Das Trio gehört für ihn vielmehr zu den "spielentscheidenden Spielern". Vogts erläuterte: "Sie müssen in Szene gesetzt werden, brauchen also Zuarbeiter. Dann schlagen sie zu."

Vogts spielte von 1965 bis 1979 für Borussia Mönchengladbach. Er gewann mit der Elf vom Niederrhein fünf Meisterschaften und zweimal den UEFA-Cup. Als Bundestrainer (1990 bis 1998) sicherte der 66-Jährige der deutschen Nationalmannschaft mit dem Gewinn der EM 1996 bis heute den letzten Titel. Seit 2008 ist Vogts Nationaltrainer von Aserbaidschan.

EURE MEINUNG: Was kann der FC Bayern in der kommenden Spielzeit erreichen?

Dazugehörig