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Die JHV des Revierklubs war laut, verstimmt und offenbarte den puren Hass der Mitglieder auf den Ticketanbieter "Viagogo". Clemens Tönnies konnte sich kaum beherrschen.

SPECIAL REPORT
Aus Gelsenkirchen berichtet Hassan Talib Haji

Er drohte mit Rückzug, er wurde laut und er wehrte sich im Namen des FC Schalke 04. Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt, eine durch viel Missstimmung geprägte Jahreshauptversammlung fand spät ein Ende.

Eine Wand des Zorns

Dass es bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 hitzig zugehen würde, war jedem bewusst, der sich die letzte Zeit mit dem Thema "Viagogo auf Schalke" auseinandersetzte. Doch diese Wucht des Protestes erwartete wohl niemand. Besonders Marketingvorstand Alexander Jobst konnte seine Rede auf dem Podium nur schwer zu einem Ende bringen. Immer wieder wurde er von den zahlreichen "ViaNOgo-Aktivisten" unterbrochen, diese brachten ihren Zorn gegenüber dem Vertrag mit dem umstrittenen Tickethändler lautstark zum Ausdruck.

"Wir sind Schalker und Ihr nicht", hallte es aus dem weiten Rund der Veltins Arena in Richtung der aufgebauten Bühne, wo die Verantwortlichen vom Vorstand und Aufsichtsrat ihre Plätze hatten. Bei jeder Ansprache zu diesem Thema wurde gepfiffen und die Wut zum Ausdruck gebracht. Ein einziges Thema reißt Vorstand und Mitglieder auseinander.

Rehberg schlichtete - Tönnies in Rage

Gerd Rehberg (Ehrenpräsidium des FC Schalke 04) konnte kaum schlichten. Diverse Redner auf dem Podium sprachen unter anderem auch über die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates. Rehberg versuchte zu schlichten: "Wisst Ihr eigentlich was es bedeutet den Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten? Wollt' ihr diesen Verein ins Chaos stürzen?" Die Stimmung kochte, jedoch wurden beide Parteien entlastet.

Immer wieder brachte Clemens Tönnies zum Ausdruck, dass er "mit jedem" sprechen will, der Gesprächsbedarf hat. Er prangerte an, dass zu diesem leidigen Thema keiner der Aktivisten "auf mich zugekommen ist." Tönnies "will die Gräben zuschütten - und wenn ich dafür den größten Bulldozer der Welt anschaffen muss!" Der Aufsichtsratsvorsitzende konnte sich mitunter kaum beherrschen, was seiner Emotionalität geschuldet war.

So platzte es gegen Ende aus ihm heraus: "Wenn das der Umgang ist, den wir in Zukunft pflegen, dann verspreche ich, dass das meine letzte Wahl war. Ich habe das erste Mal das Gefühl erlebt wie ein Spieler, der ausgepfiffen wird." Tönnies redete sich in Rage, dem Fleischfabrikanten war anzusehen, dass er sich im Zaum halten musste.

Mitglieder zeigen Viagogo die Rote Karte

Gegen Ende folgte eine "rechtsfolgenlose" Abstimmung über den Viagogo-Vertrag und nahezu einstimmig wurde dieser von der Mitgliedschaft abgelehnt. Mit dieser Jahreshauptversammlung hat das Thema "Viagogo auf Schalke" allerdings kein Ende gefunden. Die Aktivisten kündigten auf der Veranstaltung an, weiterkämpfen zu wollen.

Auf Schalke wurde wieder einmal deutlich, dass dieser Verein ein mündiges Volk hat. Schalke lebt durch Emotion und Leidenschaft für die Region. Das ist den handelnden Personen durchaus bewusst, doch in deren Reaktionen war zu erkennen, dass die Härte der Ablehnung bei ihnen Eindruck hinterließ. Mehrfach betonten Jobst und Tönnies, dass die Botschaft "bei uns angekommen ist."

Das ist auch kein Wunder, denn noch deutlicher konnte man diese kaum vermitteln …

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