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„Ich bin bereit“ – Pep Guardiola und sein gelungener Start in das Abenteuer FC Bayern

Pep Guardiola soll aus der aktuell besten Mannschaft Europas die dauerhaft beste Mannschaft formen. Wie gut, dass ihm dieses Kunststück schon einmal gelungen ist.

ANALYSE
Von Philipp Nagel

Vorneweg: Pep Guardiola ist nicht in die Allianz-Arena geschwebt. Er ließ sich fahren und das sogar von Sport-Vorstand Matthias Sammer. Daraus aber schon jetzt eine Rollenverteilung abzuleiten – wäre falsch und vor allem zu früh.

Vielmehr ist es als Geste zu verstehen. Sammers größter Wunsch ist es, das sich Guardiola samt seiner Familie schnell einlebt und in München wohlfühlt. Helfen soll dabei der ganze Verein. Dazu passt, dass sich extra eine Bayern-Mitarbeiterin nach Informationen von Goal um die richtige Immobilie für den Spanier und seine Familie gekümmert hat.

Seine Familie, das ist seit gestern zwar auch die große Bayern-Familie, in erster Linie ist es aber seine Frau und Jugendliebe Cristina und die drei gemeinsamen Kinder: Marius (11), Maria (9) und Valentina (4).

Begleitet wurde Guardiola gestern aber erst einmal von seiner Frau und Tochter Maria, die mitten im proppenvollen Presseraum der Arena Platz nahmen.

Grenzenloser Hype in München

Der Hype um den neuen Bayern-Coach trug in den letzten Tagen in der Tat seltsame Blüten. Man konnte meinen, der „Leibhaftige“ selbst trainiere in Zukunft den FC Bayern. Seine Ankunft in München wurde wie ein Staatsereignis gefeiert.



Rein medial betrachtet spielt Guardiola aber tatsächlich in einer Liga mit US-Präsident Barack Obama. Dessen Rede vor dem Brandenburger Tor vergangene Woche zeigten 4 deutsche TV-Sender live – genau so viele waren es auch gestern bei Guardiola! Insgesamt waren mehr als 240 Journalisten aus 11 Ländern anwesend. Auch in Mexiko und Japan wollte man die Ankunft des Wundertrainers hautnah verfolgen.

Ein Hauch von James Bond

Um Punkt 12.05 war es dann soweit.

Mit federnden Schritten, braun gebrannt, erholt und mit einem Lächeln auf den Lippen betrat der 1,80 Meter große Guardiola nach einem Jahr Pause wieder die Fußballbühne und hatte sogleich den ersten Titel sicher. Und zwar den des bestgekleideten Bayern Trainers aller Zeiten.
AUS SPANISCHER SICHT
Der erste Eindruck ist sehr positiv: Pep ist ausgeruht, hat die Akkus aufgeladen und ist bereit für sein neues Abenteuer. Der katalanische Coach beeindruckte das Publikum mit seinen Deutschkenntnissen und schwärmte von seinem neuen Projekt. Er wird sich Bayern anpassen und nicht umgekehrt.

Er versprach Angriffsfußball und er versprach Verbesserungen. So ist Pep. Er entschuldigte sich für sein Deutsch, obwohl er es bemerkenswert gut sprach. Außerdem beantwortete er Fragen auf Spanisch, Katalan und Italienisch. So ist er: Er ist besessen, ein Perfektionist. Die Bayern gewannen 2012/13 das historische Triple. Pep hat angekündigt, dass es schwierig sei, das zu wiederholen. Er hat aber auch klargestellt, dass er genau daran anknüpfen will. Wie Uli Hoeneß anmerkte: Dies könnte perfekt zusammenpassen.


- Ben Hayward | Spanien-Experte

Ein perfekt sitzender dunkelgrauer Dreiteiler, kombiniert mit einer weinroten Krawatte und weißem Einstecktuch ließen einen Hauch von James Bond in der Allianz-Arena wehen.

Doch anders als der britische Geheimagent überzeugte der Spanier gestern vor allem mit vornehmlicher Zurückhaltung – die man auch als eine Art Demut umschreiben kann.

Wie bescheiden Guardiola in München auftrat – das verdeutlicht eine Szene während der Pressekonferenz.
Als auf einer überdimensionalen LED-Wand eine Art „Begrüßungs-Video“ gezeigt wird, blickte Guardiola immer wieder verstohlen nach unten. Fast schon so, als sei es ihm peinlich so gelobt und gefeiert zu werden.
Während dieser drei Minuten schaute er lieber auf sein Handy, als sich noch mal an seinen größten Triumphen zu ergötzen.

Pep Guardiola schaut nicht nach hinten – er schaut nach vorne. Wer allerdings gedacht hat, dass Guardiola beim FC Bayern jetzt keinen Stein auf dem anderen lässt und ein zweites Barcelona kreieren möchte – der irrt.

„Der Fußball gehört den Spielern, nicht dem Trainer“

Zwar ging der Spanier kaum auf sportliche Details ein – doch neben diesen blieb ein weiterer Satz hängen: „Wenn eine Mannschaft 4 Titel gewonnen hat, muss man wenige Wechsel vollziehen. Ich glaube diese Mannschaft ist sehr gut“.

Ein beachtlicher Satz und das nicht nur weil er ihn wie fast alle Antworten auf Deutsch sagte, sondern weil er tief blicken lässt. Guardiola setzt auf das vorhandene Bayern-Fundament. Weitere kostspielige Transfers wie den von Mario Götze wird es wohl nicht geben. Eher setzt Guardiola wie erwartet auf den eigenen Nachwuchs. „Ich bin mir sicher, dass Bayern München gute junge Spieler hat“. Sätze die Patrick Weihrauch und Pierre Emile Højbjerg sicher gerne hören.

Die Liebe zur Attacke

Ansonsten war vom angeblich besten Trainer der Welt wenig Konkretes in Sachen Taktik, System oder Zielen zu hören. Er brauche Zeit – Zeit um die Bundesliga und vor allem seine Spieler jetzt erst einmal kennenzulernen.

Nur sein letzter Satz ließ dann noch mal wieder alle aufhorchen: „Ich liebe es anzugreifen“ – gemeint war damit seine Idee vom Fußball. Gelassen und unaufgeregt mag Guardiola nur abseits des Platzes. Auf dem Rasen mag er es offensiv. Hier liebt er das Spektakel.

Guardiola nimmt die Herausforderung an

Angesprochen auf das schwere Erbe, welches Jupp Heynckes ihm mit dem Triple hinterlassen hat, antwortete Guardiola nur: „Ich muss den Vergleich akzeptieren und in der Lage sein, damit zu leben. Ich habe hier viel Druck und bin mir dessen bewusst – aber ich nehme diese riesen Herausforderung an – deshalb bin ich Trainer.“

Trotzdem: Es scheint so, als gebe auch der FC Bayern seinem Wunschtrainer die Zeit, die er selber fordert. Rummenigge wäre schon mit der Meisterschaft zufrieden, die für ihn das Maß aller Dinge sei. Ein Kopier-Befehl der letzten Saison hört sich anders an.

Viel besser hätte für Guardiola sein Auslandsabenteuer nicht starten können.

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