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Die humane Seite von Pep Guardiola

Am Montag wird Pep Guardiola als neuer Bayern-Trainer vorgestellt. Zu diesem interessanten Zeitgenossen gehört aber auch eine menschliche Seite, der Philosoph und Menschenfreund.

München/Barcelona. "Es gibt nichts Gefährlicheres, als nichts zu riskieren". Nur einer von vielen prägnanten Sätzen, die Pep Guardiola während seiner vier Jahre auf der Trainerbank des FC Barcelona hinterließ. Worte eines Trainers, aber sie kamen auch von dem Menschen Guardiola, der wie jeder andere in bestimmten Situationen Angst verspürt. Allerdings war Angst für den Menschen und Trainer Pep nie ein Hindernis.

Schon 'Ibra' wusste: Pep ist ein Philosoph

Seine Anwesenheit in einem Pressesaal, einem Stadion oder Restaurant kann im ersten Moment fast jeden versteinern lassen. Seine Worte haben Gewicht wie nur bei wenigen. Zlatan Ibrahimovic lag nicht daneben, als er einmal feststellte, Pep sei ein Philosoph. Das ist er wirklich ein Stück weit. Mit seinem hunderten von traffenden Vergleichen hat der Mann aus Santpedor uns einiges an philosophischem Gedankengut überlassen, sei es über den Fussball oder das Leben. Hinter dem Trainer, der über Taktik und Aufstellung referierte, stand immer auch der Mensch Pep, der seine Worte stets mit einem Lächeln und festem Blick begleitete.

 "Talent bekommt man, aber über den Einsatz entscheidet jeder selbst"

Beide, Trainer und der Mensch, sind ohnehin nur schwer auseinanderzuhalten. Pep kann seine Gemütslage nur selten verbergen, es genügt, dass er eine Pressekonferenz betritt, um zu erahnen, welche Art von Nachrichten man ein paar Minuten später hören wird. Deswegen bestimmt er ganz genau, wer etwas erfährt und wer nicht. Auf den Schutz seiner Intimität legt Guardiola seit jeher allergrößten Wert. Die Welt kennt ihn sensibel und charismatisch, aber seine Doppelrolle erfodert immer wieder auch eine kühle und kalkulative Seite von ihm.

"Ich glaube auch dort, wo man etwas anführt...."

Pep Guardiola gibt kaum Interviews, was neben seiner Privatsphäre auch daran liegt, dass Ruhm ihm ebensowenig bedeutet wie die vielen Schmeichler und Einflüsterer, denen man auf seinem Weg begegnet. Selbstzweifel sind dem überzeugten Katalanen ohnehin fremd: Nicht Gott dominiert sein Weltbild, sondern sein Land Katalonien. Und sein Leben gehört dem Fussball. Selbst Niederlagen sind für ihn nur ein Teil des erfolgreichen großen Ganzen.

"...muss man immer auch mit der Möglichkeit rechnen, morgen schon wieder zu gehen"

Dennoch gibt es Momente, in denen sich sowas wie ein Zwiespalt bei ihm abzeichnet: Dann, wenn er mit sich selbst ringt, Herz gegen Verstand kämpft. "Ein Teil von mir will beim Fussball bleiben, ein anderer will weg", sagte er einmal. Und tat es dann auch, als er sich ein Jahr lang zum Sabbatical in New York aufhielt. Aber mit wiederaufgelandenen Batterien und frischen Kräften wird er sich fraglos voll und ganz seinem neuen Ziel verschreiben, dem vielleicht wichtigsten seiner professionellen und auch privaten Karriere: Dem FC Bayern München.

Pep, der Philanthrop

Der Mensch und Trainer Guardiola lebt von Tag zu Tag. Der größte Fehler läge in der Einschätzung, dass dieser genialisch Veranlagte lange plant: "Ich bin unfähig, etwas länger als ein halbes Jahr im Voraus zu planen. Es macht mich müde. Es ist unmöglich für mich." Wahrscheinlich rührt vieles, was an Pep fasziniert, daher: Ein spontaner und philosophierender Feingeist, der mit beiden Füßen auf der Erde steht.

Und ganz fest an das Menschliche glaubt: "Ich bin der größte Verfechter der menschlichen Natur - und ich glaube sehr an sie!"

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