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Aufbruchstimmung am Rhein: Einen Monat nach dem Abstieg aus der Bundesliga blickt Fortuna Düsseldorf wieder optimistisch in die Zukunft. Der Wiederaufstieg ist das Ziel.

KOMMENTAR
Von Tim Röhn

Der Herzschmerz war gewaltig, als sich Fortuna Düsseldorf vor einem Monat aus der Bundesliga verabschiedete. 15 Jahre hatte sich der Klub fernab der Eliteklasse aufgehalten, und nun war das Abenteuer schon nach einer Saison wieder vorbei. Erst gab es einen beispiellosen sportlichen Absturz in der Rückrunde, dann ein tagelanges Hickhack um die Zukunft von Norbert Meier. Nicht nur der Trainer selbst war nach seiner Demission der Meinung, dass er zuvor Protagonist in einer unwürdigen Posse war.

Es waren also traurige wie chaotische Tage in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt, aber nun schöpfen sie bei und rund um die Fortuna wieder neuen Mut. Mit Mike Büskens wurde ein ehemaliger Düsseldorfer Spieler als Meier-Nachfolger verpflichtet, allein diese Personalie hat Fortunas Anhängerschaft nach einer trüben Zeit wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. In Düsseldorf sind sie der Meinung, dass Büskens der richtige Mann ist – obwohl er sich in der Vorsaison nach dem Aufstieg mit Greuther Fürth ebenfalls nicht in der Liga halten konnte.

Ein schöner Nebeneffekt bei dieser Personalie war, dass Büskens zuvor dem rheinischen Rivalen 1. FC Köln abgesagt hatte. 1:0 für Fortuna, schrieb der Boulevard. Der neue Cheftrainer hat einen Vertrag bis zum 30. Juni 2015 unterschrieben, in der Zwischenzeit soll die Rückkehr in die Bundesliga gelingen. Büskens ist nicht gezwungen, diesen Erfolg gleich im ersten Jahr zu schaffen, aber ausgeschlossen ist das nicht.

"Wir müssen den Fans einiges wiedergeben"

Der Trainer selbst formuliert die Zielsetzung so, dass viel Interpretationsspielraum bleibt: „Wir müssen den Fans einiges wiedergeben für das, was Fortuna in den vergangenen Jahren von ihnen empfangen hat.“ Der neue Torhüter wird da deutlicher. „Ich persönlich will unbedingt sofort wieder aufsteigen", sagte der Ex-Leverkusener Michael Rensing: „Dieser Verein mit seinem tollen Stadion und seinen großartigen Fans ist einfach Kult. Er hat Tradition und gehört in die Erste Liga.“

Rensing ist Fortunas prominentester Zugang für die neue Saison – und gilt als Favorit auf den Stammplatz im Tor. Fabian Giefer patzte nach gutem Saisonstart in der Rückrunde mehrfach und ist nun in der Rolle des Herausforderers.

Es mutet überraschend an, dass die Düsseldorfer Entscheidungsträger angesichts von Rensings Klasse überhaupt an Giefer festhalten. Schon im Frühjahr lag dem Klub ein Angebot über drei Millionen Euro von Schalke 04 für den Keeper vor, das abgelehnt wurde. Giefer und seine Berater sind davon ausgegangen, dass der Spieler nach der Saison – erst recht nach dem Abstieg – gehen darf – auch weil Fortuna so Einnahmen erzielen könnte.

Bislang aber verbietet Manager Wolf Werner den Giefer-Beratern Verhandlungen mit anderen Vereinen, die Devise lautet: Wir gehen mit zwei starken Torhütern in die Zweitliga-Saison.

Giefer auf die Bank?

Es ist ein Entschluss, der zeigt, wie gut Düsseldorf mittlerweile finanziell aufgestellt ist. Nach Jahren am Abgrund und dem mühsamen Weg zurück in die Bundesliga ist die Fortuna schuldenfrei und steht wirtschaftlich so gut da wie seit Jahrzehnten nicht. Möglicherweise sogar so gut wie nie zuvor. Da kann es sich der Klub leisten, einen wie Giefer, durch dessen Verkauf ein siebenstelliger Euro-Erlös generiert werden könnte, zu behalten und sogar auf die Ersatzbank zu setzen.

Für Zweitliga-Verhältnisse ist die Qualität des Kaders enorm hoch, selbst wenn Spieler wie Robbie Kruse (Bayer Leverkusen) und Johannes van den Bergh (Hertha BSC) nicht gehalten werden konnten. Dafür sind mit Heinrich Schmidtgal (Greuther Fürth) und Giannis Gianniotas (Aris Thessaloniki) zwei hoffnungsvolle Leute an den Rhein gekommen. Mit Oliver Reck wurde zudem ein prominenter Torwarttrainer engagiert, der Manfred Gloger abgelöst hat.

Als Fortunas Kicker zum Trainingsauftakt in der vergangenen Woche aus der Kabine marschierten,  applaudierten 200 Fans und jubelten ihren Lieblingen zu. Es sah nicht aus wie ein Empfang für Absteiger. Es war der Empfang für ein Team, auf das sich Düsseldorf freut.

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