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Borussia Dortmunds Ilkay Gündogan über die Champions League: "Wir haben Blut geleckt"

lkay Gündogan betätigt sich aktuell als deutsch-türkischer Kulturbotschafter. In seinem Heimatdorf sprach er über seine persönliche Entwicklung und die Gründe seiner Stärke.

Balikesir. In seiner Funktion als "ehrenamtlicher Tourismus- und Kulturbotschafter der Türkei" fühlt sich Ilkay Gündogan sichtlich wohl. Der Nationalspieler verbindet gerade seinen Urlaub mit dem sozialen Engagement und gab im Interview aus seinem Heimatland Einblicke in seine Entwicklung bei Borussia Dortmund, in seine Familie und die Konkurrenz zum FC Bayern München.

Da ging ein Traum in Erfüllung

Dem verlorenen Champions-League-Finale trauert der Deutsch-Türke nur bedingt nach: "Da ging ein Traum in Erfüllung. Ich hatte mir immer gewünscht, als Zuschauer im Stadion so ein Spiel erleben zu dürfen. Und jetzt stand ich auf dem Feld und habe um den Pott gespielt! Emotionaler hatte ich es noch nie. Es war definitiv kein Albtraum. Mit etwas Abstand habe ich erkannt: Wir haben zwar nicht den Pott geholt, aber viele mit unserem Fußball begeistert. Das ist auch schon ein Gewinn."

Gleichzeitig betont er aber auch, dass "wenn man in so einem Finale steht, es natürlich auch gewinnen will. Mein großer Traum lebt weiter. Wir werden hart arbeiten, um bald wieder in diesem Endspiel zu stehen, dann holen wir das Ding. Wir haben Blut geleckt."

Das Potenzial für den ganz großen Wurf ist da

Trotz des feststehende Abgangs von Mario Götze und dem eventuellen von Robert Lewandowski glaubt Gündogan an die Stärke des BVB: "Im Fußball ist es nun mal so, dass man Spieler auch mal gehen lassen und dafür neue holen muss. Dass wir wichtige Abgänge kompensieren können, haben wir in der Vergangenheit bewiesen, auch als Team."

Die Saison ohne Titel empfand er zwar als eine Bestätigung, richtete seinen Blick aber direkt auf zukünftige Aufgaben: "Viertelfinale im Pokal, Zweiter in der Liga, das Finale der Champions League – das ist gar nicht mal so übel. Und es zeigt: Die vorherigen zwei Jahre sind nicht aus gut Glück entstanden. Wir werden diese Saison wieder voll angreifen. Ich bin im Verein sehr, sehr glücklich. Wir haben eine tolle Entwicklung genommen und ich glaube, ja, ich weiß, dass sie noch weitergehen, es noch besser werden kann."



Kulturelle Vielfalt als Stärke erleben

Als Vermittler der deutschen und türkischen Kultur beweist Gündogan, dass man auch als Fußballer nicht jegliche Bodenhaftung verlieren muss, sondern seiner sozialen Verantwortung gerecht werden kann. Im Augenblick "arbeitet" er als Tourismus- und Kulturbotschafter der Türkei", und besucht gleichzeitig "das Heimatdorf seiner Eltern: "Man hat Wasser, etwas Strom, und das ist es schon fast. Es tut da auch mal gut, solche Erfahrungen zu machen. Dann weiß man zu schätzen, was man hat."

Gündogan hat es geschafft das Positive beider Kulturen zu vereinen. Auf der sozialen Ebene erklärte er: "Von der türkischen Seite her brauche ich die Nähe zu Familie und Freunden, dafür nehme ich mir auch meine Auszeiten. Diese Wurzeln kann und will ich nicht leugnen. Von der deutschen Seite sind es Tugenden wie Disziplin, Eigenständigkeit, Ehrgeiz, auch so Sachen wie Pünktlichkeit. Wenn das fehlt, ärgert mich das. Ich empfinde es als enorm wichtig, dass man eine gewisse Ordnung im Leben hat."

In Bezug auf den spielerischen Aspekt sagte Gündogan: "Die Türken gelten als ballverliebt. Auch ich will den Ball so oft es geht am Fuß haben, versuche dabei aber, nie den Moment des Abspiels zu verpassen. Und taktisch muss man so gereift sein, dass man die Mannschaftsdisziplin in keinem Moment vernachlässigt. Das ist wohl typisch deutsch. Diese Kombination ist nicht so übel, es schlagen zwei Herzen in meiner Brust."

Schweini, Großkreutz und die Bayern

In der akutellen Rangliste des Kicker wird Gündogan, knapp hinter Bastian Schweinsteiger, im defensiven Mittelfeld in der Kategorie "weltklasse" eingestuft. Trotzdem bleibt der Deutsch-Türke auch hier bescheiden: "Er hatte in dieser Triple-Mannschaft eine zentrale Rolle, deshalb ist da kein Neid, sondern Anerkennung. Es freut mich, dass ich mit ihm in dieser Kategorie geführt werde."

Der gebürtige Gelsenkirchener Gündogan war 2011 vom 1. FC Nürnberg zu den Borussen gewechselt und gab nun zu, "ein bisschen Angst" vor dem Dortmunder Eigengewächs Kevin Großkreutz gehabt zu haben. Gleichzeitig erzählte er aber auch, wie er den ersten Schritt auf ihn zugemacht hatte: "Wir hatten uns morgens erstmals getroffen, es gab eine Etage höher Frühstück. Ich als neuer Spieler wusste nicht wo, er (Großkreutz, d.Red.) kam und hat gefragt, ob ich nicht mit hoch will. Es war zwar nur ein kleiner, aber ein überraschender Schritt. Ich versuche ihn jetzt immer in meine Geburtsstadt einzuladen, aber irgendwie will er nicht so."

Bin beim BVB gereift

Die schwierige Anfangszeit beim BVB hat Gündogan jedenfalls erfolgreich überwunden: "Es hat sich in eineinhalb Jahren vieles entwickelt, mein Spiel, meine Rolle im Team. Ich habe mir das Selbstvertrauen erarbeitet, um Bälle zu erobern und das Spiel nach vorne anzutreiben; vor zwei Jahren hätte ich mich gar nicht erst getraut, den Gegner anzugreifen. Da hat der Trainer seinen Beitrag dazu geleistet, die Mitspieler, die Fans, das Umfeld."

Seinen Trainingsauftakt beginnt der Vorzeigeprofi mit Fitnesscoach Oliver Schmitdlein eine Woche früher: "Ich habe das früher schon gemacht, arbeite mit ihm wieder an möglichen Dysbalancen. Das tut meinem Körper für die neue Saison gut."

Mit Bayern auf Augenhöhe

Die "perfekte Vorbereitung" wird Gündogan angesichts der Stärke der Bayern auch dringend brauchen: "Es war schon immer brutal schwer, sie zu schlagen, aber wir haben oft genug gezeigt, dass wir mithalten können. Das sollte weiterhin unser Anspruch sein. Wir müssen uns nicht kleinreden."

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