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Ex-Boss Udo Bandow: "Bald 100 Millionen Schulden: Sehe HSV auf eine Wand zufahren"

Der Ex-Aufsichtsratschef prognostiziert dem HSV eine schwere Zukunft. Der Verein habe hohe Schulden und eine schlechte Struktur. Für Ex-Sportchef Arnesen gibt es heftige Kritik.

Hamburg. Der ehemalige Aufsichtsratschef des Hamburger SV, Udo Bandow, sieht schwere Zeiten auf den HSV zukommen. Der 81-Jährige träumt von Oliver Bierhoff,  übt heftige Kritik an Ex-Sportchef Frank Arnesen und prophezeit seinem Verein große finanzielle Schwierigkeiten.

"Ich befürchte, dass der HSV zum 30. Juni 100 Millionen Euro Schulden ausweisen wird. Das ganze Budget, die Spielergehälter sind auf internationalen Wettbewerb ausgelegt. Ich sehe den HSV auf eine Wand zufahren, wenn wir nächstes Jahr nicht sportlich erfolgreich sind", mahnte Bandow im Interview mit der Sport Bild.

In der abgelaufenen Saison hatte der HSV trotz eines Darlehens von Milliardär Klaus-Michael Kühne für den Kauf von Rafael van der Vaart sowie einer Anleihe über 17,5 Millionen Euro das internationale Geschäft verpasst. Für Bandow ein schwerer Schlag, immerhin lebe der Klub derzeit auf Pump: "Der HSV macht mir große Sorgen. Die Aufwärtsentwicklung ist zum Stillstand gekommen. Eigentlich nicht nur das: Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale."

Fehlende Kompetenz im Aufsichtsrat

Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung sieht der ehemalige Aufsichtsratschef im aktuellen Aufsichtsrat. Hier seien in den vergangenen Jahren "gravierende Fehler gemacht worden. Im vierten Jahr sind wir nicht europäisch vertreten, die Verluste steigen. Beides muss man dort festmachen". Es fehle, so Bandow weiter, im Aufsichtsrat einfach an Kompetenz.

Daher betrachte er die Verpflichtung des neuen Sportchefs Oliver Kreuzer auch als zweiseitige Medaille: "Ich kenne Oliver Kreuzer nicht persönlich, aber ich habe Positives über ihn gehört. Dennoch: Ich konnte weder ein klares Anforderungsprofil an den neuen Sportchef erkennen. Noch halte ich die Verhandlungsführung für nachvollziehbar."

Der HSV habe sich "in eine Situation gebracht, in der man Ablöse für Kreuzer an den KSC zahlen musste. Die erste Frage, die ich mir bei einer Suche stelle, ist doch die nach der Verfügbarkeit. Der Aufsichtsrat hat Schritt zwei vor Schritt eins gemacht". Rund 650.000 Euro sollen die Hanseaten Medienberichten zufolge für Kreuzer gezahlt haben, weitere Erfolgszahlungen von bis zu 300.000 Euro könnten folgen.
Ausschuss soll Aufsichtsrat unterstützen

Um derartiges künftig zu verhindern hat Bandow bereits eine Idee, damit der Aufsichtsrat gestärkt wird: "Ich schlage vor, einen Ausschuss zu bilden, der den Vorstand und den Aufsichtsrat in Sportfragen unterstützt und eine Empfehlung für die Aufsichtsrats-Wahl abgibt."

Als Mitglieder sollten dafür ehemalige HSV-Profis mit sportlicher Kompetenz, wie etwa Uwe Seeler, Horst Hrubesch und Frank Rost, sowie ehemalige Präsidenten des Klubs rekrutiert werden: "Alt-HSVer sollten in dieser Zeit unbedingt Flagge zeigen. Das hätte auch Signalwirkung auf die enttäuschten Anhänger."
Langfristig wäre außerdem, was die Struktur im Verein angeht, eine Ausgliederung der Profi-Abteilung "unendlich wichtig. Der Vorstand muss darauf hinarbeiten. Ohne sie bekommt man den Verein nicht so gestaltet, dass er funktionieren würde".

Bandow hofft auf Oliver Bierhoff

Außerdem äußerte sich Bandow zu einzelnen Personalien. So bezeichnete er den derzeitigen DFB-Manager Oliver Bierhoff als Traumlösung für den Posten des HSV-Vorstandsvorsitzenden. Bereits 2002 habe er versucht, Bierhoff nach Hamburg zu lotsen. Der ehemalige Nationalspieler sei "einer der ganz wenigen, die für so eine Aufgabe infrage kämen".

Heftige Kritik gab es dagegen für den ehemaligen Sportchef Frank Arnesen, der nach nur zwei Jahren in Hamburg wieder entlassen wurde: "Seine Amtszeit, das waren für den HSV zwei verlorene Jahre. Er hat beispielsweise Joris Mathijsen für ein Butterbrot nach Málaga abgegeben, aber Bruma, Mancienne, Rajkovic und Scharner geholt, die nur vier kleine Mathijsens waren. Das war keine Konzeption."

Darüber hinaus sei Arnesen während den Verhandlungen mit Hannover 96 über einen Verkauf von Mittelfeldspieler Gojko Kacar "plötzlich ins Trainingslager gefahren. In der Transferperiode im Sommer 2012 war er TV-Experte bei der EM. Das hätte ich mir als Aufsichtsrat nicht gefallen lassen".

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