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Auch einem überragenden Manuel Neuer hatte Bayern München den Triumph in der Champions League zu verdanken. Doch für Teile der Fangemeinde bleibt der frühere Schalker ein Feindbild

Berlin. Es war vor drei Wochen, Fußball-Rekordmeister Bayern München feierte ausgelassen die 23. Meisterschaft, da hatte Torwart Manuel Neuer ein Déjà-vu der unangenehmen Art. Beim Autokorso durch die Münchner Innenstadt wurde der 27-Jährige von Mitgliedern der Ultra-Gruppierung "Schickeria" aufs Übelste beschimpft. Diese "Fans" akzeptieren den früheren Schalker noch immer nicht als einen der Ihren. Immerhin: Körperlich angegangen wurde Neuer diesmal nicht.

Ohrfeige zum Abschied

Am 22. Mai 2011 war das anders gewesen. In seinem letzten Pflichtspiel für Schalke 04 war Neuer einen Tag zuvor DFB-Pokalsieger geworden, beim Autokorso durch Gelsenkirchen jubelten die Fans dem künftigen Münchner zu. Ein paar wenige allerdings feindeten ihn an, und einer schlug zu. Mit einer Ohrfeige verabschiedete der aufgebrachte "Fan" das einstige Idol der königsblauen Anhängerschar nach München. Für Neuer begann der ewige Kampf um die Zuneigung des Publikums.

Und Neuer steht dabei auf verlorenem Posten. In München hielten sie ihm von Anfang an Plakate mit dem Spruch "Koan Neuer" entgegen. Ende vergangener Saison gab es in Madrid erstmals Neuer-Sprechchöre, das Verhältnis schien sich langsam zu entspannen - ein Trugschluss, wie am 12. Mai klar wurde. Dabei hat der Nationaltorwart im Klub nur Fürsprecher. Präsident Uli Hoeneß legte sich prompt mit den Ultras an, schimpfte: "Irgendwann haben wir die Schnauze voll. Der Tag ist nicht mehr fern."

Neuer Welttorhüter?

Sportlich ist Neuer trotz mancher Wackler in den beiden Jahren im Bayern-Dress ebenso unumstritten wie beim DFB. Für den scheidenden Coach Jupp Heynckes ist Neuer "ein Ausnahmetorhüter". Im Weltfußball stehe nur Iker Casillas "auf einem ähnlichen Level". Der spanische Nationaltorhüter, in den vergangenen fünf (!) Jahren Welttorhüter, wurde aber bei Real Madrid zur Nummer zwei degradiert. Diesmal scheint Neuer die logische Nummer eins der allerdings umstrittenen Wahl.

Doch Neuer polarisiert, nicht nur bei den Bayern-Fans. Beim 1:1 bei Borussia Dortmund Anfang Mai flogen Dutzende Bananen auf sein Tor. Dass die BVB-Fans den Schalker nicht mögen, überrascht nicht. Doch was sich Ende März in Nürnberg abspielte, schockierte viele. Beim 4:1 im Länderspiel gegen Kasachstan pfiffen Teile des Publikums Neuer, der das Gegentor verschuldete, bei jedem Ballkontakt aus.

Keine Stilumstellung

Kurz darauf kritisierte Oliver Kahn seinen Nachfolger. "Torhüter entscheiden Spiele, aber nicht dadurch, dass sie fußballerisch brillieren, sondern mit Reflexen und Paraden", sagte er. Neuer müsse "das richtige Maß finden". Bundestrainer Joachim Löw widersprach dem Experten, Neuer solle seinen Stil "auf keinen Fall umstellen".

Und das tat Neuer auch nicht. Er spielt mit, oft weit vor seinem Tor, fängt gegnerische Angriffe ab, leitet eigene ein. Das macht ihn stark - und verschaffte ihm späte Genugtuung. Mit nur 18 Gegentoren unterbot er in der abgelaufenen Saison Kahns Bundesliga-Rekord. Er spielte 18-mal zu null, auch das gab es noch nie. Was ihm die Marke bedeute, wurde Neuer kürzlich gefragt. "Das bedeutet, dass die ganze Mannschaft gute Arbeit geleistet hat", sagte er bescheiden.

In der Champions League musste er in Viertel- und Halbfinale kein Gegentor hinnehmen. Und im Finale gegen den BVB hielt er die Bayern mit Weltklasseparaden im Spiel. "Überragend", schwärmte Heynckes von seinem Führungsspieler. Neuer brachte Schalke 04 mit seinen Erfolgen übrigens eine Transfer-Nachzahlung von fünf Millionen Euro ein. Die enttäuschten Schalker wird das jedoch ebenso wenig versöhnen wie all die Paraden die ewigen Pöbler von München.

Eure Meinung: Wie seht Ihr Neuers Entwicklung beim FC Bayern - und was haltet Ihr vom Umgang mit dem Keeper?

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