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Der Goal-Check: So lief die Saison für Werder Bremen

Eine schlimme Saison ist für die Bremer vorüber, der Klassenerhalt wurde geschafft, aber es ist viel zu tun - wir schauen genau hin, was bleibt nach der Spielzeit 2012/13.

ANALYSE
Von John C. Brandi

Verein: Werder Bremen
Bundesliga: Platz 14
DFB-Pokal: 1. Runde

Zielsetzung: Werder startete zum Anfang der Saison einen Neuanfang, musste einige Leistungsträger ersetzen und war daher im Formulieren von Saisonzielen vorsichtig gewesen, doch man schielte nach zweijähriger Absenz schon mit anderthalb Augen auf die internationalen Plätze, hoffte im Pokal weit zu kommen und eeine gewisse Rolle im oberen Tabellendrittel spielen zu können.

LIGA & POKAL

Die Saison begann mit einem Rückschlag: Das sicherlich nicht leichte Auswärtsspiel in Münster in der ersten Pokalrunde verlor man trotz Führung (durch das einzige Saisontor von Elia) noch in der Verlängerung mit 2:4, danach holte man sich nach achtbarer Leistung beim Auftakt gegen den BVB Lob ab, gewann das Nordderby gegen den HSV, doch früh verfestigte sich der Eindruck mangelnder Effektivität und schludriger Abwehrarbeit, die die Bremer immer wieder um den Lohn brachte.

Spätestens in der Rückrunde ging dann der Blick immer mehr nach unten und die letzten Hoffnungen auf die Europa League dahin, die Mannschaft spielte immer verunsicherter, schließlich geriet man sogar in Abstiegsnot. Den am Ende dreizehn sieglosen Spielen zum Trotz schaffte man mit Auch und Krach zwar den Klassenerhalt, doch die spielerische Einfallslosigkeit und der fehlende Erfolg brachte zum Schluss sogar das Denkmal Schaaf ins Wanken. Es fiel: Einen Spieltag vor Ende war die Ära des Urgesteins tatsächlich beendet, was nach dem Abschied von Thomas Allofs in der Saison mehr als einen Schnitt für Werder Bremen bedeutet

Goal-Fazit: Viel schlimmer hätte es eigentlich kaum laufen können: Die Spirale des Misserfolgs brachte Werder Bremen an den Rand der Zweitklassigkeit. Der Abstieg konnte verhindert werden, doch nach dem Ende der Schaaf-Ägide ist in Bremen die Angst groß, auf längere Sicht aus dem oberen Drittel der Tabelle zu verschwinden und vor allem den Wiedererkennungswert als spielfreudige Mannschaft mit kreativen Lösungen und spektakulärem Angriffsfußball zu verlieren. Die Aufgabe, genau das zu verhindern, wird auf der Liste des neuen Trainers (derzeit sieht es nach Robin Dutt aus) ganz oben stehen.


Dieses Duo ist Geschichte in Bremen: Allofs und Schaaf

UNTERHALTUNG

Tja, wie unterhaltsam war der Fußball der Grün-Weißen? In drei Spiele konnte man zeigen, was möglich ist: Gegen Gladbach, den VfB Stuttgart und Hoffenheim gab es starke Auftritte und hohe Siege, ansonsten war man oft genug Sparringspartner und gerne auch Punching Ball für die Großen - das 1:6 gegen Bayern und das 0:5 gegen den BVB, jeweils in der Rückrunde, war sicherlich unterhaltsam, aber nicht für Fans des SV Werder. Darüber hinaus war der Fußball Marke Werder Bremen nicht wirklich ansehnlich in dieser Spielzeit; Fehler, Einbrüche und mangelnde Durchschlagskraft prägten viele Auftritte, mit einer Ausnahme: Leihgabe Kevin de Bruyne wusste oft zu gefallen und zu überzeugen, doch genau deshalb verlässt er den Verein jetzt auch.

Goal-Fazit: Es muss viel passieren, damit die Bremer wieder zum teils begeisternden Fußball der Vergangenheit zurückfinden - im Augenblick sind echte Spektakel eher selten.

TRANSFERMARKT

Die Abgänge von Claudio Pizarro, Naldo sowie Marko Marin (mit Abstrichen) galt es unter anderem zu kompensieren, da war die viel gerühmte Nase der Bremer auf dem Transfermarkt gefragt. Mit Eljero Elia kam ein Kreativer, der auch schon mit Arnautovic zusammengespielt hatte, dazu lieh man den treffsicheren Stürmer Petersen aus München, der sich dort nicht hatte durchsetzen können. Zudem die Leihe von Kevin de Bruyne vom FC Chelsea - dieser Schritt sollte sich als der effektivste herausstellen, doch eine Kaufoption war von Beginn an nicht vorgesehen gewesen.

Dazu kamen der bei der EM positiv aufgefallene Theodor Gebre Selassie und Assani Lukimya aus Düsseldorf für die Verteidigung, Joseph Akpala vom FC Brügge sollte im Sturm eine Alternative darstellen. Unterm Strich bleibt Petersen, der mit elf Treffern und sechs Vorlagen nicht enttäuschte, aber lange Durststrecken durchlebte, dazu Kevin de Bruyne, der alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllte, aber nun schon wieder Geschichte an der Weser ist.

Elia und Lukimya müssen als Flops gewertet werden, besonders der Niederländer blieb einen Beleg für seine Fähigkeiten dauerhaft schuldig und fiel zwischendurch komplett aus dem Team. Lukimya wusste seine vielen Gelegenheiten in der Stammelf selten zu nutzen und zeigte teils haarsträubende Patzer. Gebre Selassie hatte ebenfalls seine Probleme und konnte die Baustelle Außenverteidigung auf seiner Seite nicht schließen. Damit wartet die Hintermannschaft Werders weiter auf Konstanz. Sokratis, der noch die besten Leistungen hier zeigte, wurde zwar vor Saisonbeginn fest verpflichtet, doch er hat größere Ziele und ist trotz Vertrag auf dem Sprung.

Goal-Fazit: Der Plan der Verantwortlichen, weiland noch Allofs und Schaaf, mit geringerem Budget ein ebenso schlagkräftiges Team aufzustellen, darf vorerst als gescheitert angesehen werden. Es gilt, mit dem neuem Personal gutes neues Personal zu finden und damit den Mythos von den Transferkünstlern wiederzubeleben.


Sollte die Offensive beleben, fiel aber erst aus dem Team und dann bei einer nächtlichen Tour auf: Elia

TRAINER & UMFELD

Ein spezielles Thema: Thomas Schaaf wurde nach 14 Jahren als Trainer und über 40 Jahren im Verein geschasst, der Grund, die Nibelungentreue aufzukündigen, war wohl die in den letzten drei Jahren stetig nach unten gehende Leistungskurve des Teams, das er am Ende nicht mehr richtig pushen konnte.

Die Fans, die lange gemurrt hatten, rafften sich am Ende zwar zu einer beispiellosen Unterstützung bei den Spielen auf, doch mehrheitlich war irgendwann wohl auch die Ablösung befürwortet worden. Die vielen Stimmen, die auf fehlende Entwicklung im Team hinwiesen, wurden schließlich erhört - auch der Umstand, dass mit Thomas Eichin jemand von außen zum Entscheidungsträger gekürt worden war, hatte den Abschied sicher begünstigt.

Goal-Fazit: Es muss nun etwas Neues wachsen. Der Umstand der Trennung von Schaaf wäre bei anderen Vereinen sicher nichts so Besonderes, hier ist das anders. Folgerichtig war die Entlassung sicherlich, was das ruhige Bremen nun nicht zu einem Minenfeld machen wird, doch bedenkt man, wie schwer der Übergang nach Rehagels Entlassung fiel, werden die nächsten Monate sicher entscheidend und der neue Coach besonders im Fokus sein.


DER GARANT
DER FLOP
DAS ENDE


GOAL-FAZIT

Die Frage ist, ob die neuen starken Männer, die Allofs und Schaaf beerbten oder beerben werden, in der Lage sind, den Verein in eine neue und bessere Zukunft zu führen. Die Aufgabe ist sicher keine leichte, ist das Geld doch nicht mehr geworden und die Handlungsfähigkeit dadurch eingeschränkt. Die nächste Saison wird einen Fingerzeig geben, ob der Doublesieger von 2004 bald graue Maus oder wettbewerbsfähiger Herausforderer in der Liga sein kann.

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