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Fortuna Düsseldorfs bitterer Gang in die zweite Liga: "Einfach leer im Kopf"

Fußball kann so grausam sein: Düsseldorf steht als direkter Absteiger fest – die Enttäuschung ist riesig. Vor allem nach dem Schlusspfiff wurde es in Hannover dramatisch.

Hannover. Nach einem Interview war Adam Bodzek nicht zumute. "Ach komm, hör doch auf! Was soll der Scheiß?!", raunzte er in den Katakomben der AWD-Arena einen Journalisten an, der ihn freundlich darum bat, einige Fragen zu beantworten. Der Frust des Innenverteidigers von Fortuna Düsseldorf war nur allzu verständlich. Sein Team hatte soeben bei Hannover 96 mit 0:3 verloren – eine Niederlage mit schweren Folgen: Die Rheinländer stehen nun als direkter Bundesliga-Absteiger fest.

Keine Dortmunder Schützenhilfe

Nicht alle Fortunen trugen ihre Enttäuschung in der Art und Weise nach außen, wie es Adam Bodzek tat. Niedergeschlagen waren sie freilich alle, bei mehreren Spielern flossen Tränen. In den 90 Minuten zuvor kassierten sie eine hochverdiente Niederlage, wirklich dramatisch aber wurde es erst nach Abpfiff. Die Ausgangslage war klar: Wenn die TSG Hoffenheim das Parallelspiel gegen Borussia Dortmund nicht gewinnt, hätte Düsseldorf trotz der Niederlage zumindest den Relegationsplatz sicher.

So richtete sich die Aufmerksamkeit nach Ablauf der Spielzeit in Richtung Signal Iduna Park, von wo aus man bereits die Hiobsbotschaft erhalten hatte, dass die TSG völlig überraschenderweise mit 2:1 führt, als plötzlich die Nachricht vom Dortmunder Ausgleich die Runde machte. Hoffnung keimte auf, der Relegationsplatz schien gesichert – Hoffnung, die sogleich wieder zerschmettert wurde: Dem Dortmunder Treffer wurde nach langer Diskussion die Gültigkeit abgesprochen, Hoffenheim fuhr letztlich den Dreier ein.

Absteiger der Herzen?

Eine Achterbahn der Gefühle ohne Happy End, die Erinnerungen an den Meister der Herzen wach werden ließ: "Es war so, wie man es aus dem Fernsehen kennt, wie man es bei Schalke damals gesehen hat. Das war wie im schlechten Film", erklärte Düsseldorfs Rechtsverteidiger Christian Weber seine Gefühlslage.

"Man hofft natürlich", so Weber weiter über die Minuten nach dem Abpfiff, "dann kam die Nachricht vom 2:2, man sieht die Fans jubeln – dann erzählten uns aber die hannoverschen Spieler, dass das Tor nicht gezählt hat. Dann hofft man, dass das Spiel noch ein, zwei Minuten geht, dass noch was passieren kann. Wenn dann die Nachricht kommt, dass das Spiel definitiv zu Ende ist, ist man einfach leer im Kopf."

Der Blick auf die Anzeigetafel

Dabei schien in Dortmund zunächst alles nach Plan zu laufen, der BVB ging früh in Front – nicht unbemerkt von den Düsseldorfer Spielern: "Sicherlich schielt man immer mit einem Auge auf die Anzeigetafel", verriet Weber.

Auch Düsseldorfs Präsident Peter Frymuth war das Dortmunder Tor nicht entgangen: "Nach der Dortmunder Führung hatte unsere Mannschaft die eine oder andere Chance, das 1:0 zu machen – dann kann das Spiel vielleicht auch anders laufen. Aber dann nutzt Hannover mit der überragenden Qualität im Sturm die erste Situation eiskalt aus und geht 1:0 in Führung." In der Folge kam von der Fortuna wenig bis nichts, die hohe Niederlage war die logische Folge.

Frymuth und der Informationsfluss

"Vorher haben wir gehört, dass Fürth beim Stande von 0:0 einen Elfmeter verschossen hat", fügte Frymuth an, "im Prinzip war das in 90 Minuten so viel Informationsfluss, den man im Fußball eigentlich nur hat, wenn man ganz entspannt zu Hause sitzt und die Konferenz guckt."

Entspannt war es für die Düsseldorfer aber mit Sicherheit nicht. Als Hoffenheim das Spiel schließlich in der Schlussphase noch drehte, zog sich die Schlinge endgültig um den Fortuna-Hals zu.

Dabei hatte wie Frymuth auch Weber damit gerechnet, "dass Dortmund gegen Hoffenheim gewinnt und das ein klares Spiel wird. Aber Dortmund hat sich mit Sicherheit auch ein bisschen geschont und einen Gang weniger eingelegt, und dementsprechend ist das Ergebnis dann ausgefallen."

"Hatten es selbst in der Hand"

Ob er sauer auf den BVB ist? "Ja, eigentlich schon." Zu allererst müssen sich die Fortunen aber an ihre eigene Nase fassen. Auch Weber hat das erkannt: "Wir hatten am 25. Spieltag noch viele Punkte Vorsprung. Wir hatten es das ganze Jahr über selbst in der Hand. Den größten Vorwurf müssen wir uns selbst machen."

Ähnlich klingt das bei Frymuth: "Ich will es nicht an Borussia Dortmund festmachen, das wäre völlig unfair. Man kann nicht sagen, dass Borussia Dortmund für unseren Platz 17 verantwortlich ist. Da müssen wir in den nächsten Tagen und Wochen selbstkritisch gucken, was dazu geführt hat, dass wir in der Rückrunde nur neun Punkte geholt haben."

Was wird aus Meier?

Ohnehin war es im Grunde Glück im Unglück, dass die Fortuna überhaupt noch Chancen auf den Klassenerhalt hatte: "Man muss auch ganz ehrlich sagen", so Frymuth, "dass man mit 30 Punkten noch ernsthaft den Klassenerhalt schaffen kann, ist schon eine hochungewöhnliche Situation. Deswegen wollten wir natürlich auch die Chance nutzen."

Genau das gelang jedoch nicht, und nun muss man wohl oder übel für die zweite Liga planen. Vorerst aber wollen die Fortunen sich "zwei, drei Tage" Zeit lassen, "um die Enttäuschung sacken zu lassen". Bis dahin wird auch die Trainer-Frage ungeklärt bleiben. "Norbert Meier hat einen Vertrag bis 2014", so Frymuths branchenübliche Aussage zu dieser Thematik. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Vertrag tatsächlich erfüllt wird.

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