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Bayerische Meistersause als Ouvertüre für Krönung in Wembley

Der weitgehend schalen Ouvertüre beim 3:0 gegen Augsburg folgte eine ausgelassene, aber doch auch irgendwie gebremste Meistersause. Bayern München hat jetzt nur noch eins im Kopf.

München. Seit Samstag, 17.39 Uhr, steht die Schale wieder "dahoam" - doch ein Erdbeben hat das in München nicht ausgelöst. Der FC Bayern feierte sich und die "Salatschüssel" nach dem weitgehend schalen 3:0 (0:0) gegen den FC Augsburg noch auf dem Rasen mit den obligatorischen Bierduschen und Konfettiregen. Doch schon nach gut 30 Minuten war die Meistersause in der Arena vorbei. "Wir sind noch nicht am Ende", sagte Kapitän Philipp Lahm nach der ausgelassenen, aber doch irgendwie gebremsten Feier-Ouvertüre, "wir wollen in zwei und dann in drei Wochen unsere Saison krönen."

In zwei Wochen, am 25. Mai, treten die Bayern in London im Finale der Champions League gegen Dauer-Rivale Borussia Dortmund an, am 1. Juni folgt das Endspiel im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart. Erst danach und dann mit dem Triple soll die große Fete steigen.

"Jetzt haben wir noch zwei schöne Spiele vor uns", sagte Arjen Robben und vergaß dabei, dass am kommenden Samstag ja noch das letzte Spiel in der Bundesliga ansteht. Bei all der Gier nach dem Henkelpott geht das fast unter. "Wir waren in der Vergangenheit nah dran", erinnerte Lahm an die Final-Niederlagen 2010 und 2012. Da passte es, dass die Feier am Samstagabend mit 500 Gästen im Postpalast stattfand - dort, wo nach dem "Drama dahoam" vor einem Jahr getrauert wurde.

Zuvor ließen sich die Bayern bereits vor dem Spiel gegen den FCA in der Arena feiern. Unter dem Motto "Mia san boarisch" ging es ab 14.00 Uhr zünftig zu. Um 15.05 Uhr brandete erstmals großer Jubel auf, als die Schale mit dramatischer Musik am Rand des Rasens präsentiert wurde. "Sie ist immer noch gleich schwer, fühlt sich aber sehr gut an", sagte Thomas Müller später über die Trophäe, die die Bayern vor drei Jahren letztmals hochhalten durften. Was die Spieler dieses Mal dabei fühlten, umschrieb Müller so: "Scheiße, ist das geil!"

Vor der Übergabe der Meisterschale durch Liga- und BVB-Präsident Reinhard Rauball, der von den Bayern-Fans ausgepfiffen wurde, mühte sich der neue Meister zum 28. Saisonsieg. Müller (69.) sowie die "Joker" Xherdan Shaqiri (82.) und Luiz Gustavo (87.) trafen, doch die Bayern hatten auch Glück. Augsburg beschwerte sich zu Recht über zwei elfmeterreife Szenen, die Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) nicht ahndete.

Den Bayern war's spätestens egal, als einer ihrer Sponsoren nach der offiziellen Meister-Zeremonie die übergroßen Weißbiergläser auf den Platz tragen ließ. Regelrechte Jagdszenen spielten sich ab, das erste "Opfer" war Jupp Heynckes. Anatoli Timoschtschuk stellte den flüchtenden Trainer und bescherte ihm die erwartete Bierdusche.

"Da muss man flinke Beine haben, aber die habe ich nicht mehr", sagte Heynckes, "da habe ich lieber die Bierdusche genommen, als dass ich mir einen Muskelfaserriss zuziehe." Sein letztes Heimspiel, bei dem ihn der Verein als "Vater des Erfolges" mit Blumen verabschiedete, genoss er "eher still, als dass ein Vulkan aus mir herausgebrochen ist". Es passte zur allgemeinen Stimmung.



"Wir haben noch zwei ganz große Aufgaben vor uns, das haben wir alle in den Köpfen", sagte Heynckes noch. Nach etwa zehn Minuten war auch der letzte Betreuer "geduscht" und die Bayern begaben sich noch auf eine kleine Ehrenrunde. Dann, rund 25 Minuten nach der Übergabe der Schale, war die erste Feier zu Ende.

In der Kabine ging es unter den Augen der Vereinsbosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß mit Champagner weiter. Rummenigge würdigte dort die "großartige Leistung von Mannschaft und Trainer". Die Souveränität der Bayern, die auf dem Weg zur 23. Meisterschaft zahlreiche Rekorde brachen, habe es "in 50 Jahren Bundesliga noch nicht gegeben", sagte Lahm.

Für eine "Saison, die in die Annalen eingehen wird" (Heynckes), ließen sich die Bayern nach dem Autokorso durch die Innenstadt und auf dem Rathausbalkon von mehreren Zehntausend Fans feiern. Daniel van Buyten präsentierte den rund 20.000 Anhängern um 21.12 Uhr stolz die Meisterschale. Anschließend wurden auch die anderen Spieler einzeln auf den Balkon gerufen. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge gab für die Party-Nacht folgendes Motto aus: "Ich gebe Vollgas, die Mannschaft bitte mit angezogener Handbremse."

Lahm sprach von einem "besonderen Erlebnis", fügte jedoch mit ernster Stimme an: "Wir müssen nun wieder in den Rhythmus kommen, für in zwei Wochen." Das wollten an diesem Abend aber nicht alle so ernst sehen. Wembley und das große Finale gegen die Borussia, das sei doch "erst in zwei Wochen", sagte Müller: "Da haben wir genug Zeit, uns zu erholen..."

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