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Die Entscheidung des Aufsichtsrats, Uli Hoeneß trotz der Steueraffäre im Amt zu belassen, haben Freude und Erleichterung ausgelöst. Heftige Kritik kam dagegen aus der Politik.

Köln. Erst mal bleibt alles beim Alten: Uli Hoeneß bleibt Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München. Die Mitglieder des Gremiums lehnten sein Angebot ab, das Amt ruhen zu lassen. Die Debatte ist erneut aufgeflammt. Spieler und Funktionäre des Rekordmeisters begrüßen die Entscheidung des Aufsichtsrats. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge bewertet das Ergebnis als wichtiges Signal vor dem Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund. Heftige Kritik kommt dagegen aus der Politik. Goal.com hat die Stimmen zum Fall "Hoeneß" zusammengetragen.

Rummenigge: "Ich glaube, Uli war sehr erleichtert"


Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender des FC Bayern zur Nachrichtenagentur dpa): "Ich glaube, Uli war sehr erleichtert, dass der Aufsichtsrat ihm das Vertrauen geschenkt hat. Vor den zwei extrem wichtigen Endspielen gegen Dortmund und im Pokal gegen den VfB Stuttgart ist es von großer Bedeutung, dass der Verein Geschlossenheit demonstriert. Es war ein Zeichen an die Mannschaft, die Fans und die Mitglieder."

Sammer: "Verein ist wieder stark zusammengerückt"

Matthias Sammer (Sportvorstand Bayern München bei Sky Sport News HD): "Mich freut es persönlich sehr, wie sich das im Moment darstellt. Ich hoffe auch, dass es weiter so bleiben wird. Alles andere gehört heute nicht hier her. Wir sollten das Thema jetzt ruhig halten. Uli Hoeneß wusste, dass er immer die volle Unterstützung des Vorstandes hatte. Der Verein ist wieder ganz stark zusammengerückt und hat das gestern wieder bewiesen."

Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer Leverkusen auf SID-Anfrage): "Mir steht es nicht zu, die Entscheidung eines Klub-Gremiums eines anderen Bundesliga-Klubs zu kommentieren. Man sollte dies als Partner in der Liga akzeptieren."

Beckenbauer: "Ein toller Vertrauensbeweis für Uli"

Toni Kroos (verletzter Mittelfeldspieler von Bayern München): "Natürlich begrüßen wir die Entscheidung des Aufsichtsrates. Uli Hoeneß gehört zum Bayern München. Auf den sportlichen Bereich und auf die Leistungen der Mannschaft hat der Fall Hoeneß allerdings keinen Einfluss. Jeder Spieler denkt, dass Uli Hoeneß zu uns und zum FC Bayern gehört. Deshalb war die Entscheidung richtig."

Franz Beckenbauer (Bayern-Ehrenpräsident in der Bild): "Es spricht für Uli, dass der Aufsichtsrat sein Angebot abgelehnt hat. Ein toller Vertrauensbeweis für Uli. Jetzt kann ich nur hoffen, dass er möglichst gut aus der Steueraffäre herauskommt."

Die Stimmen aus der Politik sind deutlich kritischer

Viola von Cramon (Sprecherin der Grünen im Sportausschuss des Deutschen Bundestages): "Das ist keine saubere Lösung. Der FC Bayern hat weltweit eine Vorbild-Funktion und hat mit dieser Entscheidung ein verheerendes Signal gesetzt. Die Botschaft ist doch: Steuersünder mach weiter so. Für alle Leute, die brav ihre Steuern zahlen, ist das ein Affront. Ich hätte erwartet, dass die Vertreter der Dax-Unternehmen da genauer hinsehen und nicht so milde agieren. Ich kann verstehen, dass der FC Bayern Uli Hoeneß gerne halten will. Doch wenn er schon selbst sein Amt anbietet, hätte man eine saubere Lösung finden müssen."

Klaus Riegert (Obmann der CDU im Sportauschuss des Deutschen Bundestages): "Ich halte die Entscheidung für nachvollziehbar, dass man einen so verdienten Mann wie Uli Hoeneß nicht sofort fallen lässt. Es ist ja nicht so, dass er jetzt freigesprochen ist. Er wird für sein Steuerdelikt, wenn es denn eins gibt, bestraft. Ich befürchte jetzt keinen politischen Zündstoff durch den Fall Hoeneß, schließlich ist er Aufsichtsratschef der FC Bayern AG und kein politischer Mandatsträger."

Professor Dr. Dr. Manuel Rene Theisen (Wirtschaftsexperte der RP Online): "Die Entscheidung ist nicht nachvollziehbar, sie ist aktienrechtlich vollkommen unverständlich. Man kann sie nur so erklären, dass es eine Entscheidung für den Fußballverein ist, weil man glaubt, dass die Mehrheit noch hinter Uli Hoeneß steht, aber sie hat mit einer Führungsentscheidung gar nichts zu tun. In einer Aktien-Gesellschaft wäre so etwas unvorstellbar, dass ein Aufsichtsratsvorsitzender seinen Rücktritt anbietet und die Mehrheit des Aufsichtsrats es dann besser weiß. Ich halte das, was jetzt passiert ist, für den fast größtmöglichen Schaden, der eintreten kann - auch für den Verein. Der kommt weiter nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus."

Steinbrück: "Die Entscheidung ist falsch"

Peer Steinrück (SPD-Kanzlerkandidat bei einer Podiumsdiskussion in Düsseldorf): "Die Entscheidung ist falsch. Die Aufsichtsräte müssen die Verhaltensregeln, die sie ihren Unternehmen auferlegen, auch auf das Fußball-Unternehmen Bayern München übertragen. Hoeneß hätte sein Mandat wenigstens ruhen lassen müssen. Der Aufsichtsrat hat die Pflicht, ihm dies nahezubringen."

Horst Seehofer (Bayerns Ministerpräsident in der Münchner Abendzeitung): "Es ist in meinen Augen vertretbar, wenn Uli Hoeneß bis zur vorläufigen Klärung der Angelegenheit durch die Staatsanwaltschaft als Präsident im Amt bleibt. Dafür hätte ich Verständnis. Er muss nicht vorher zurücktreten, ehe die Behörden abschließend ermittelt haben. Dafür gibt es die Rechtsstaatlichkeit."

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