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Ein deutsches Champions-League-Finale in London - die Fußballwelt verneigt sich vor Bayern München und Borussia Dortmund. Doch die Bundesliga ist dadurch nicht stärker geworden.

München/Dortmund. Bayern München und Borussia Dortmund treffen im Finale der Champions League 2012/13 aufeinander. Ein Statement an die europäische Konkurrenz, doch die Europa League und die aktuelle Tabelle der Bundesliga zeigen: Der FCB-BVB-Höhenflug ist keinesfalls ein Zeichen dafür, dass die gesamte Liga stärker wird.

Beim deutschen Rekordmeister sind über Jahre hinweg finanziell und sportlich die Grundsteine für eine neue Ära gelegt worden. Auch Borussia Dortmund bleibt seit vielen Saisons seinem Konzept treu und hat sich als stärkster Konkurrent etabliert. Beide Vereine haben sich nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa zur Elite gemausert. Kein Wunder, dass auch die Bundesliga dadurch einen Image-Gewinn verbucht, der aber bei genauerem Hinsehen Flecken besitzt. Einstige "Aushängeschilder" der Liga wackeln, kränkeln und kriseln gewaltig und das eben nicht erst seit dieser Saison.



Sparfüchse blenden die Liga

Über den VfB Stuttgart staunten die Experten nicht schlecht als 2006/07 die Meisterschale und der DFB-Pokal in die Luft gehoben wurden. Es folgten mehrere Plätze auf internationalen Rängen. Doch in der Champions League und in der Europa League kamen die Schwaben nie über das Achtelfinale hinaus. Akteure wie Mario Gomez oder Sami Khedira hinterließen Lücken, die nie gestopft wurden. Zwar konnte der VfB dank seiner Jugendarbeit einiges auffangen, doch die Transferpolitik ließ häufig zu wünschen übrig. Zwar haben die Sparfüchse der Liga durch die Pokalfinal-Teilnahme Euro-Gelder sicher, ob die aber reichen um den VfB in Europa konkurrenzfähig zu machen bleibt offen. Tabellenplatz zwölf lässt an der aktuellen Kader-Qualität jedenfalls zweifeln.

Fazit: Ohne das Pokalfinale wäre Stuttgart in der Versenkung gelandet. Der Verein darf nicht den Fehler machen sich diesen Erfolg schöner zu reden, als er ist. Es fehlen echte Typen für dauerhaften Europa-Aufenthalt.

Der leise Abschied einer deutschen Hoffnung

2003/2004 wurde Werder Bremen zuletzt deutscher Meister. In den folgenden sechs Jahren kamen zwei Pokalsiege, zwei Vizemeisterschaften und drei dritte Plätze hinzu. 2008/09 spielte Werder im letzten UEFA-Cup-Endspiel und verlor gegen Donezk 1:2 nach Verlängerung. Seit mehr als drei Jahren ist von der grün-weißen Spielfreude aber nicht mehr viel übrig. Auf Umbruch folgt Umbruch. Das Geld fehlt chronisch. Um Spieler wie Pizarro, Diego, Özil oder Naldo zu ersetzen  wurden aus der Not heraus charakterschwache Namen wie Eljero Elia oder Marco Arnautovic verpflichtet. Das Resultat: Aktuell im Abstiegskampf und wohl für die nächsten Jahre keine Option für den internationalen Wettbewerb.

Fazit: Das Geld fehlte schon immer und ist keine Ausrede mehr. Thomas Eichin ist als Manager gefragt, aber auch schwer einzuschätzen. Werder hat ein Einstellungsproblem, dass nur in einer Sommerpause nicht zu beheben sein wird.



Graue Maus statt bissiger Wolf

Niemals wird der Meistertitel des VfL Wolfsburg aus der Saison 2008/09 vergessen sein, dieses freche Tor von Grafite gegen Bayern. Danach wurden allerdings nur noch zweimal Platz acht und einmal sogar Platz 15 erreicht. Die "Wölfe" haben ihren Biss seit Jahren verloren. Knapp 159 Millionen Euro wurden seit der Meisterschaft in Spieler investiert, mehr als der aktuelle Platz elf war trotzdem nicht drin. Mit Manager Klaus Allofs (Bremen) und Trainer Dieter Hecking (Nürnberg) sind zwar neue Gesichter mit Potenzial am Schalthebel, beide haben aber nur Erfahrung mit Klubs, wo Geld Mangelware war. Können sie mit soviel Scheinen und Diven wie Diego oder Helmes langfristig umgehen?

Fazit: Wolfsburg hat das Geld sich den Erfolg irgendwann zurückzukaufen. Das war aber schon in den letzten Jahren der Fall. Hecking muss wieder Mentalität ins Team bringen, Allofs muss Fingerspitzengefühl bei Transfers zeigen.

Mission: Failed!

Als die TSG Hoffenheim in die Bundesliga aufstieg war sie danke ihres Mäzen Dietmar Hopp und dem Jugendkonzept der kontroverseste Shooting-Star der Liga. Marvin Compper, Tobias Weis und Andreas Beck avancierten zu Nationalspielern, die Herbstmeisterschaft 2008 wurde gesichert. Dann der Absturz: Platz sieben und dreimal Platz elf waren die Zwischenstationen zum heutigen Abstiegskampf. Bei nur noch drei Spieltagen liegt die TSG - trotz Transferausgaben von über 25 Millionen Euro - mit drei Zählern Rückstand hinter dem Relegationsplatz auf Platz 17. Kommt der Abstieg wird 1899 in naher Zukunft so oder so keine Rolle dabei spielen, die Bundesliga stärker werden zu lassen.

Fazit: Zuviel Unruhe, zuviele "Stars" verbrannt, zuviel Fehler in der Personalpolitik. Das Projekt Hoffenheim darf vorerst als gescheitert betrachtet werden und dass die Kraichgauer kurzfristig wieder um Europa mitspielen wäre selbst beim Klassenerhalt eine Überraschung.



Stirbt der Dino bald ganz aus?

In den letzten zehn Saisons landete der Hamburger SV nur dreimal unter den Top Five der Liga. Zweimal Platz sieben und dreimal Platz acht zeigen an, dass der "Liga-Dino" tabellarisch stagniert. Beleg: Auch aktuell sind die Norddeutschen wieder auf Rang acht zu finden. Der dänische Sportchef Frank Arnesen sollte auch wegen seiner Karriere bei Chelsea für den Umschwung sorgen. Die wenig kreative Rückholaktion von Publikumsliebling Rafael van der Vaart und noch die unkreativeren Transfers von fünf Chelsea-Reservisten brachten nicht viel. Nur Rene Adler und Artjoms Rudnevs schlugen wirklich ein. Auch Trainer Thorsten Fink lässt kein Konzept durchblicken.

Fazit: Hamburg wird so weitermachen wie bisher und eine Menge Potenzial verschenken.

Ärgern ja, aber mehr nicht

Sind Mainz oder Freiburg also die neuen deutschen Hoffnungsträger? Nein, sie sind es nicht. Zwar wird die Leistung beider Klubs zu wenig wertgeschätzt, doch das Mainzer Aus in der Europa-League-Qualifikation gegen Gaz Metan 2011/12 war ein Zeichen dafür, dass es für diese Vereine zu früh wäre. Der SC Freiburg verscherbelt seine Leistungsträger ohnehin gerade wie auf dem Viehmarkt und würde zur kommenden Saison nackt nach Europa fahren. Mainz gefällt sich in der Rolle des sympathischen Underdogs auch besser. Unterm Strich fehlen den beiden Vereinen die Strukturen für Europa. Was ist nicht ist, darf aber gerne noch werden.

Fazit: Mainz und Freiburg sind wichtig, als Tritt in den Hintern der faulen großen Vereine – für Dreifachbelastung reicht das aber noch nicht. Zu schnell verlassen die Leistungsträger die Klubs, zu unvorhersehbar sind die Erfolge kommender Transfers.

Drei Lichter am Ende des Tunnels

Borussia Mönchengladbach verzeichnet enorm starke Umsätze und hat dank Lucien Favre schon vom europäischen Geschäft kosten dürfen. Zwar wurde der Kader nicht verstärkt, sondern die Abgänge von Reus, Dante und Neustädter kompensiert – aber mit mehr Geld kann aus diesem Kader langfristig etwas werden. Hannover 96 war zumindest in der Europa League schon so etwas wie der Geheimtipp der letzten zwei Jahre. Leider geriet die gute Arbeit von Trainer Slomka zuletzt immer wieder durch interne Unruhen in den Hintergrund. Sollten die Niedersachsen sich wieder auf ihre Stärken besinnen, ist in Zukunft wieder mehr drin. Mit Eintracht Frankfurt ist sogar ein Aufsteiger dabei wieder richtig Boden unter den Füßen zu bekommen. Die Eintracht hat die perfekte Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Profis.

Fazit: Geld ist vorhanden. Wenn das Sturmproblem gelöst wird, ist Eintracht keine Eintagsfliege. Trainer Armin Veh hat schon dem VfB Stuttgart die Klasse verpasst, die sich die Schwaben bis heute zurückwünschen. Gladbach hat ebenfalls wie Hannover gute Vorraussetzungen.

VIER PROBLEMKINDER DER BUNDESLIGA

BREMEN
STUTTGART HAMBURG WOLFSBURG
Die letzten drei Jahre
der Krisen-Klubs
Saison 2011/12
9.
6.
15.
8.
Saison 2010/11
13. 12. 8. 15.
Saison 2009/10 3.
6. 7.
8.
Transferausgaben von 2009/10
bis heute

52,1 Mio
44,8 Mio
83,5 Mio
159 Mio
Trainerwechsel
von 2009/10
bis heute

0
3 7
7

Kein Quantensprung der Bundesliga

Die aktuelle Tabelle der Liga symbolisiert den Gesamtzustand. Nach Bayern und Dortmund kommt lange nichts. Dann kommen Leverkusen und Schalke. Und dann wieder lange nichts. Die "Werkself" darf sich auf die Schulter klopfen, denn der Sieben-Punkte-Vorsprung auf die „Königsblauen“ ist ein Zeichen dafür, dass der Kopf frei ist. Bayer kennt Europa und hat Spieler, die gerne in Leverkusen spielen. Im Prinzip ist das auch auf Schalke so, auch wenn in Gelsenkirchen zu schnell Kritik und Unruhe aufkommen. Insgesamt aber bleibt der Bundesliga nur dieses Quartett.

Alle anderen Vereine sind zu schwach, zu unerfahren, zu überheblich oder schlichtweg nicht reich genug, um langfristig die Liga aufzuwerten. Hier fehlt es an nötigen Strukturen, da fehlt es an der nötigen Mentalität. Einzig Mönchengladbach und Frankfurt machen ein wenig Hoffnung auf Besserung.

Dass Bayern und der BVB so weit über den anderen stehen ist dennoch nicht den Krisen der anderen Klubs geschuldet – bei diesem Duo stimmt einfach alles. Und dass Freiburg und Mainz um Europa mitspielen ist in Relation zu den Möglichkeiten auch mehr als verdient. Bremen und Co müssen sich aber hinterfragen. Die Bundesliga bekommt mehr Aufmerksamkeit, mehr Wertschätzung – dieser muss sie aber auf europäischer Ebene erst noch gerecht werden.

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