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Bayerns Präsident zeigt sich privat sich schwer getroffen von seiner Steueraffäre und bittet Familie und Bundeskanzlerin um Verzeihung. Zum FC Bayern bestehe aber keine Verbindung.

München. Kein Gegenangriff, keine Schuldzuweisung, keine Selbstverteidigung. Uli Hoeneß äußert sich zum ersten Mal über seine Steueraffäre und gesteht schwere Fehler ein. In seinen Aussagen lässt er viel Reue erkennen. Der Präsident des FC Bayern München ist angeschlagen.

Am Donnerstag wird die Zeit in ihrer gedruckten Ausgabe ein umfangreiches Interview mit Uli Hoeneß veröffentlichen, in dem der Präsident des deutschen Rekordmeisters ausführlich Stellung zu den Vorwürfen des Steuerbetrugs bezieht.
 
Image-Schaden ein Problem für Hoeneß

Vor allem die öffentliche Degradierung vom Erfolgs-Manager zum fragwürdigen Betrüger trifft ihn persönlich schwer. "Das ist für mich ein ganz großes Problem. Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu. Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch."

Schlaflose Nächte und Verzweiflung

Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass der Bayern-Boss Probleme damit hat die aktuelle Situation zu verarbeiten. "Ich schlafe sehr schlecht, ich schwitze sehr viel in der Nacht, was ich eigentlich gar nicht kenne. Ich wälze mich und wälze mich. Und dann wälze ich mich nochmal. Und denke nach, denke nach und verzweifle", so Hoeneß, der ergänzt: "Ich bin morgens auch manchmal schon eine Stunde nach dem Aufstehen völlig fertig."

In einem für Hoeneß ungewöhnlich persönlichem Dialog dankt er seiner Familie für die Unterstützung und sagt selbstkritisch: "Ich denke Tag und Nacht an meinen Fehler und an das, was ich meiner Familie angetan habe." Auch die angeknackste Beziehung zu Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der er sich oft austauschte, macht ihm zu schaffen: "Ich würde mir wünschen, dass ich irgendwann die Gelegenheit bekäme, der Bundeskanzlerin in einem persönlichen Gespräch zu erklären, wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist."

"Am 20. März begann die Hölle für mich"

Dass seine Selbstanzeige publik wurde war ein Schock für Hoeneß. "Es gab bislang Tausende von Selbstanzeigen, ich hatte noch von keiner gehört, die öffentlich wurde", sagt der 61-Jährige und führt fort: "Am 20. März änderte sich dann mein Leben, morgens um sieben. Da läutete es an der Tür in meinem Haus am Tegernsee, ich war im Bademantel, und da stand die Staatsanwaltschaft vor der Tür. Da begann die Hölle für mich."

Wie konnte es so weit kommen?

Uli Hoeneß erhielt vom früheren Adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus einen Kredit. Damit fing er an, an der Börse zu spekulieren: "In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin."

Die Sucht nach der Börsen-Zockerei fing laut dem Bayern-Präsident aber schon weit früher an: "Mal 50.000 Dollar, das war es. Das wurde heftiger, als alle an der Börse spielten, zur Zeit der großen Internetblase. Als diese Blase dann platzte, fuhr ich schwere Verluste ein, ich war da richtig klamm. Das war der Moment, als Dreyfus mir anbot, lass uns was zusammen machen, er würde es finanzieren."



Hoeneß weiter: "So kamen die Millionen auf das Konto, es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes." Ein verhängnisvoller Fehler, der Hoeneß zu spät bewusst wurde. "Ich habe zu viele Verluste gemacht. Ich konnte nicht mehr so viel zocken. Und dann kam 2008 die Finanzkrise, und dann ging es endgültig in den Keller. Außerdem bin ich auch nicht mehr so wie früher auf der ständigen Suche nach dem großen Kick. Ich werde älter."

Keine Verbindung zu Bayern München

Nach eigener Aussage halte sich der 61-Jährige nicht für spielsüchtig oder "krank". Dass vor dem Gericht darauf abgezielt werden könnte, schließt er aus: "Sollte ich vor Gericht müssen, erscheine ich dort nicht als kranker Mann. Ein paar Jahre lang war ich wohl nah dran. Aber inzwischen halte ich mich für kuriert."

Der FC Bayern München spielt in Hoeneß' abenteuerlichen Börsenspekulationen aber keine Rolle: "Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeneß".

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