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Nicht nur die Steuerfälle von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sorgen dafür, dass Bayern München vor den Wochen der Wahrheit steht.

München. Als Uli Hoeneß am Samstag um kurz nach 18.00 Uhr in der Interview-Zone der Allianz Arena erschien, hielt sogar Matthias Sammer für einen Moment den Atem an. "Erst mal schauen, ob der Uli stehen bleibt", sagte der Vorstand Sport vom FC Bayern München, bevor er weiter über den 1:0-Sieg des deutschen Meisters gegen den SC Freiburg erzählte - was niemanden mehr so wirklich interessierte.

Hoeneß blieb nicht stehen. Der Präsident schüttelte nur den Kopf und ging weiter. Karl-Heinz Rummenigge tauchte nach dem Freiburg-Spiel entgegen jeder Gewohnheit erst gar nicht auf. Der Vorstandsvorsitzende des Klubs trug am Wochenende maßgeblich dazu bei, dass die Bayern vor den Wochen der Wahrheit mit dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League am Mittwoch beim FC Barcelona, dem wahrscheinlichen Einzug ins Endspiel in Wembley, dem Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart und dem Trainerwechsel von Jupp Heynckes zu Pep Guardiola mit unnötigen und unerwünschten Nebengeräuschen zu kämpfen hatten. "Wir wissen damit umzugehen und lassen uns davon nicht beeindrucken", sagte Heynckes.

Rummenigge hat Ärger mit dem Zoll. Der Vorstandsboss soll nach übereinstimmenden Berichten der Bild und des Nachrichtenmagazins Focus zwei Rolex-Uhren nicht verzollt haben, als er am 7. Februar aus Katar, dem WM-Gastgeberland von 2022, zurückkehrte. Nach Informationen des Focus führt das Hauptzollamt Augsburg ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Rummenigge, der leidenschaftlicher Uhrensammler ist, habe die vorgeschriebenen 19 Prozent Einfuhr-Umsatzsteuer nicht bezahlt. Der Bayern-Boss gab an, die Uhren geschenkt bekommen zu haben. Die zuständige Staatsanwaltschaft Landshut wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Laut Bild hat Rummenigge die fällige Summe mittlerweile bezahlt. Die Frage, wieso der Bayern-Boss, der auch Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA ist, teure Uhren als Geschenk annimmt, steht weiter im Raum.

Überstrahlt wird diese Affäre vom Fall Hoeneß, mit dem sich auch bald, Gerüchten zufolge am Montag, der Aufsichtsrat des Klubs beschäftigen wird. In dem Gremium sitzen mächtige Männer, die auch gehörigen Einfluss auf die finanziellen Verhältnisse der Bayern nehmen könnten: Etwa adidas-Chef Herbert Hainer und Audi-Vorstand Rupert Stadler, die beiden Stellvertreter des Aufsichtsratsvorsitzenden Hoeneß. Die beiden deutschen Top-Unternehmen, die sie vertreten, sind mit jeweils 9,1 Prozent an der Bayern München AG beteiligt.

Stadler geht auf Distanz zu Hoeneß. "Audi ist der Überzeugung, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg nur sichergestellt werden kann, wenn Regeln und Normen konsequent befolgt werden. Wir stehen für ein achtbares, ehrliches und regelkonformes Verhalten im Geschäftsalltag", ließ Stadler der Bild am Sonntag auf Anfrage mitteilen.

Umfragen deuten einen bereits eingetretenen Imageschaden erheblichen Ausmaßes zumindest an. Laut einer Emnid-Umfrage für den Focus fehlt 82 Prozent der Bundesbürger jegliches Verständnis für Hoeneß' Steuerhinterziehung. In der Bild am Sonntag waren aber immerhin noch 52 Prozent der Befragten der Meinung, dass Hoeneß Präsident des FC Bayern bleiben solle.

Seine engsten Mitarbeiter sind offenbar derselben Meinung, am Samstag griff nach Franz Beckenbauer und Rummenigge auch Sammer unterstützend ein: "Ich werde immer an seiner Seite sein. Es steht der Mensch im Mittelpunkt. Er wird sich auf mich immer verlassen können."

Doch wie viel Dampf mittlerweile im Bayern-Kessel ist, lässt sich aus der Tatsache ableiten, dass sich Sammer außer zu sportlichen Belangen und dem Thema Hoeneß auch zu den wachsenden Unmutsbekenntnissen aus den Reihen der Ligakonkurrenten äußern musste. Und auf die Angriffe des Mainzer Managers Christian Heidel, das Transfergebaren der Münchner sei eines deutschen Meisters unwürdig, reagierte Sammer bemerkenswert dünnhäutig.

"Eines Meisters nicht würdig? Das kann er nicht beurteilen, weil er wahrscheinlich auch nie Meister werden wird!", sagte Sammer bei Liga total!: "Wenn er ein Problem hat, soll er mich anrufen. Von Stil zu reden und selbst in die Öffentlichkeit zu gehen, ist dann vielleicht auch schlechter Stil."

Nach dem Hickhack um die Verpflichtung von Mario Götze steht nun in den "Wochen der Wahrheit" in der Königsklasse mehr denn je der mögliche Transfer von Star-Stürmer Robert Lewandowski von Dortmund nach München im Mittelpunkt. Paul Breitner, offiziell "Berater" der Bayern, plauderte am Samstag im Sportstudio in Sachen Lewandowski munter drauflos. "Das wäre wunderbar, wenn der käme. Wir müssen die Besten aus der Bundesliga bekommen. Für das Spiel, das Dortmund und Bayern gerade betreiben, brauchst du so einen", sagte Breitner. Aber er umriss auch den ultimativen Bayern-Albtraum: Die ganze Saison würde "konterkariert" werden, sollte man das Champions-League-Finale in London gegen Borussia Dortmund verlieren: "Da könnte niemand mehr lachen beim FC Bayern." Keine Frage: Den Bayern stehen Wochen ins Haus, die ihnen - so oder so - emotional alles abverlangen werden.

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