thumbnail Hallo,

Der FC Bayern hatte mit Zauberfußball für Furore gesorgt und sich in Deutschland Sympathien erarbeitet. Nach der Verpflichtung von Mario Götze hat es sich damit erledigt.

Köln. Der FC Bayern München war gerade auf dem Weg, vielen Neidern sympathisch zu werden. Weil der Rekordmeister seine Spiele nicht als "Dusel-Bayern" gewann, sondern mit spektakulärem Fußball. Weil er sympathische Lausbuben wie Dante oder Thomas Müller in seinem Kader hat. Und weil er sich auf der Hetzjagd von Rekord zu Rekord immer eine Spur Demut bewahrte.

Innerhalb von nur zwei Wochen haben sich die Bayern in der Außenwirkung vieles zerstört und Wasser auf die Mühlen all derer gossen, die sie seit Jahren für raffgierig und arrogant halten. Weil sie öffentlich von Solidarität sprechen und dann dem größten Konkurrenten Dortmund, heimlich still und leise, den besten Spieler wegkaufen. Weil sie die Irritationen um einen zusätzlichen Wechsel von BVB-Stürmer Robert Lewandowski genüsslich im Raum stehen lassen. Und weil die Steuer-Affäre um Präsident Uli Hoeneß und die verwunderliche Uhren-Geschichte um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Fragen aufwerfen.

Natürlich haben die Bayern das Recht, Mario Götze zu verpflichten, das größte Talent Europas und die ideale Ergänzung für das System des neuen Trainers Pep Guardiola. Vielleicht sogar die Pflicht. Doch was hindert sie daran, Dortmund nach erfolgter Einigung wenigstens Bescheid zu sagen? Natürlich ist die Steuer-Affäre um Hoeneß in erster Linie Privatsache und zudem in vielen Details nicht geklärt. Doch warum macht der sonst für klare Kante stehende Präsident nicht reinen Tisch, um glaubwürdig zu bleiben und Schaden von seinem Amt abzuwenden? Und natürlich kann es ein Versehen und all zu menschliches Versäumnis gewesen sein, dass Rummenigge vergaß, dem Zoll zwei Rolex-Uhren zu melden. Doch von wem bekam er die überhaupt geschenkt?

Auf dem Platz zeigen die Bayern eine Klasse, die dem größten Neider Anerkennung abringt. Abseits des Spielfeldes fehlt ihnen aktuell, zurückhaltend gesagt, die Souveränität in der Bearbeitung nahezu jeder Baustelle. Auch bei kleineren wie dem dünnhäutigen und unsachlichen Konter von Sportchef Matthias Sammer auf die Kritik seines Mainzer Kollegen Christian Heidel.

Das Verhalten der Dortmunder in dieser so hektischen Woche war auf den ersten Blick dagegen absolut vorbildlich. Vor allem die Deeskalations-Taktik, mit der Trainer Jürgen Klopp nach Bekanntwerden des Götze-Wechsels Brisanz aus dem Thema nahm. Das war zum Eigennutz, schließlich sollte das "Spiel des Jahres" gegen Real Madrid im Mittelpunkt stehen. Doch es zeigte auch schlicht und ergreifend Größe.

Klopp wollte nicht mit dem Finger auf die Bayern zeigen. Denn er wusste, dass der Götze-Kauf legitim war. Und dachte natürlich daran, dass der BVB in der Nahrungskette einfach nur eine Stufe unter den Bayern steht. Und in der Vergangenheit (Reus) und der Zukunft gerne auch bei denen wildert, die noch weiter unten stehen.

Die Abstufungen, und das ist Fakt, werden sportlich wie finanziell immer größer. Die Bundesliga ist längst keine Zwei- sondern eher eine Fünf- bis Sechs-Klassengesellschaft. Und deshalb ist die Liga, den berauschenden Galas seiner Aushängeschilder gegen Barcelona oder Madrid zum Trotz, auch noch nicht die stärkste Liga Europas. Leverkusen reicht eine ordentliche Saison, um sicher in die Champions League einzuziehen. Schalke darf nach einer teilweise chaotischen und erschreckend schwachen Spielzeit wohl zumindest in die Qualifikation. Freiburg und Frankfurt spielen auf erfrischende Art und Weise über ihren Möglichkeiten. Und auch Hannover, Mönchengladbach, Hamburg oder Stuttgart wecken in ihrem aktuellen Zustand wenig Hoffnung, dass die Bundesliga im nächsten Jahr in der Europa League besser abschneiden wird als in diesem.

Werder Bremen, einst Stammgast in der Champions League, wird diese nicht einmal erreichen. Wenn mit dieser ausgebluteten Mannschaft am Ende der Abstieg vermieden wird, müssen sie an der Weser drei Kreuze machen. Trainer Thomas Schaaf wird nach 14 Jahren dann wohl trotzdem gehen müssen. Dem stets aufrechten Trainer und Menschen Schaaf, der so viel aufgebaut hat und nun auch das Opfer verfehlter Personalpolitik und eiteler Möchtegern-Stars wird, ist zu wünschen, dass er Werder durch die Vordertür verlassen darf. Verliert Werder nächste Woche nämlich auch zu Hause gegen Hoffenheim, wird Geschäftsführer Thomas Eichin handeln müssen. Allen Treueschwüren zum Trotz.

Wichtig für den deutschen Fußball ist auch eine Entwicklung in der zweiten Liga. Einem Traditionsverein wie 1860 München wünscht man nicht den Abstieg und schon gar nicht die Pleite. Dass die jordanischen Zirkus-Löwen das Investor-Projekt gegen die Wand gefahren haben und somit als warnendes Beispiel dienen, ist für den gesamten Fußball aber ein Segen.

EURE MEINUNG: Hat der FC Bayern alle Sympathien verspielt?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig