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Nur noch bis Freitag ist Schmadtke Geschäftsführer von Hannover 96 - die Konsequenz aus anhaltenden Querelen mit Trainer Mirko Slomka. Nun äußerten sich beide das erste Mal.

Hannover. Am Ende ging alles ganz schnell. Um 12.47 Uhr betrat Jörg Schmadtke in Begleitung seines Anwalts das Büro des Vereinspräsidenten Martin Kind in Großburgwedel - schon rund eine Stunde später war das Kapitel Schmadtke bei Hannover 96 Geschichte. Die Freistellung des erfolgreichen Geschäftsführers ist der letzte große Knall im Machtkampf der Alpha-Tiere mit Trainer Mirko Slomka.

„Der Zeitpunkt war gekommen“
Die anfangs harmonische Beziehung war schon lange zum Zweckbündnis verkommen, auch Kind hatte Schmadtke zuletzt nicht mehr die nötige öffentliche Rückendeckung gegeben.

Slomka würdigt Schmadtkes Entscheidung

Nach dem freiwilligen Rückzug Schmadtkes sieht Slomka wie der große Sieger aus. „Ich habe großen Respekt vor Jörg Schmadtkes Entscheidung, auch wenn ich nicht im Detail alle Beweggründe kenne, weil ich in seine Gespräche mit Martin Kind natürlich nicht eingebunden war. Jörg hat maßgeblichen Anteil am Erfolg von 96“, sagte Slomka: „Mein Job bleibt es, den erfolgreichen Weg fortzusetzen. Dafür arbeite ich täglich mit der Mannschaft ganz intensiv.“

Schmadtke bedauert Entwicklung

Schmadtke, der schon beim Bundesliga-Heimspiel am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) nicht mehr auf der 96-Bank Platz nehmen wird, war seit dem 1. Juli 2009 für 96 tätig. „Es war eine sehr intensive, emotionale Zeit. Ich bedauere das sehr, dass es so gekommen ist. Ich wünsche 96 und vor allem Martin Kind für die Zukunft alles Gute“, sagte Schmadtke, dessen Vertrag zum 30. Juni aufgelöst wird, dem SID.

Der Start der Ära 96

Lange Zeit galt Schmadtkes Wirken in Hannover als Erfolgsstory. Nachdem er die Geschicke des Klubs übernommen hatte, leitete der ehemalige Bundesliga-Torwart in der niedersächsischen Landeshauptstadt die erfolgreichste Ära der jüngeren Vereinsgeschichte ein. Zuletzt qualifizierte sich das einstmals als „Graue Maus“ der Bundesliga verschriene Team zwei Mal in Folge für die Europa League. Im vergangenen Jahr erreichte 96 sogar das Viertelfinale und machte sich damit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen.



Die Transfers, die Schmadtke abwickelte, saßen in den meisten Fällen. Der gebürtige Düsseldorfer holte Spieler wie Mame Diouf, Didier Ya Konan und Nationalkeeper Ron-Robert Zieler. Zusammen mit Slomka schaffte er es, das ideale System für den Kader zu entwickeln. Mit seinem charakteristischen, blitzschnellen Umschaltspiel wurde aus dem Fast-Absteiger von 2010 ein Europacup-Teilnehmer. „Jörg Schmadtke hat für den Klub gute und wichtige Entscheidungen getroffen und ist für die positive Entwicklung von Hannover 96 im sportlichen Bereich maßgeblich verantwortlich“, sagte Kind.

Beziehungstatus: Es ist kompliziert

Doch auch der anhaltende Erfolg konnte Risse in der Beziehung zu Slomka nicht überdecken. Immer wieder knirschte es in der dreijährigen Zusammenarbeit zwischen dem smarten Taktiker Slomka und dem knorrigen Kader-Tüftler Schmadtke. Unterschiedliche Auffassungen der beiden Alpha-Tiere sorgten zunehmend für Reibereien. Mal forderte der eine, mal meckerte und kritisierte der andere. Die verbalen Nickeligkeiten wurden lange Zeit als „produktive Reibung“ beschönigt.

Nach der Eiszeit nun das Ende

Als im Frühjahr Gerüchte autauchten, Slomka äußere wichtige Anliegen gegenüber Schmadtke nur noch per E-Mail, war in Hannover jedoch erneut von einer „Eiszeit“ die Rede, wahlweise sogar vom „Kindergarten“. Immer wieder setzte sich Kind mit den Streithähnen zusammen und versuchte, Brücken zu bauen - er hatte damit aber nur kurzfristig Erfolg.

Ende April 2012 hatte Schmadtke aus familiären Gründen schon einmal um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Doch Präsident Kind konnte ihm vom Bleiben überzeugen. Nach einer zweimonatigen Auszeit bei seiner Familie in Düsseldorf kehrte Schmadtke im September an seinen Arbeitsplatz an der Leine zurück. Nun ist das Kapitel Hannover für ihn wohl endgültig beendet.

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