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96 hat innerhalb von 42 Stunden zwei bärenstarke Spiele hingelegt - der Kantersieg gegen den HSV war die perfekte Frustbewältigung. Platz sechs ist wieder in Reichweite.

Hannover. „Oh, wie ist das schön, sowas hat man lange nicht gesehen“, tönte es irgendwann in der Schlussphase durch die AWD-Arena. In der Tat hatten die Anhänger von Hannover 96 ein derartiges Fußballfest lange nicht mehr geboten bekommen. Mit sage und schreibe 5:1 fegten die „Roten“ den Hamburger SV aus dem Stadion, wohlgemerkt gerade einmal 40 Stunden nach dem kraftraubenden 1:1 gegen Anzhi Makhachkala.

Hoffmann euphorisiert

„Sensationell, Wahnsinn“, ließ Andre Hoffmann seiner Freude nach Abpfiff freien Lauf. Der Mann im defensiven Mittelfeld von 96 strahlte wie ein Honigkuchenpferd, der 19-Jährige war sichtlich euphorisiert. Dazu hatte er auch allen Grund: Zusammen mit seinen Mannschaftskollegen fuhr Hoffmann nicht nur einen überraschend hohen, sondern auch ungemein wichtigen Sieg ein. Durch den Dreier gegen den HSV rückt Hannover in der Bundesliga-Tabelle bis auf einen Punkt an die Hanseaten und somit auch an den sechsten Platz heran.

Dabei ließ man den Gegner zunächst gut ins Spiel kommen, gleich dreimal tauchte Hamburg in den ersten Minuten gefährlich vor dem 96-Tor auf. „Am Anfang hatte ich ein gutes Gefühl, wir sind gut rausgekommen und hatten viele Torchancen“, brachte es HSV-Spielmacher Rafael van der Vaart auf den Punkt. Für den ersten Treffer sorgten aber die Gastgeber: Szabolcs Huszti brachte in der siebten Minute einen Freistoß von rechts in die Mitte - Knipser Mame Diouf stand goldrichtig und nickte zur frühen Führung ein.

Zeit zum Luftholen war in dem rassigen Nordderby aber kaum, wenig später drang Dennis Aogo in den 96-Strafraum ein, wurde von Gegenspieler Johan Djourou gekreuzt und ging zu Boden - Schiedsrichter Knut Kircher zeigte auf den Punkt. Van der Vaart ließ sich die Chance nicht nehmen und traf zum Ausgleich.

Adler legt da Silva Pinto

Es ging munter weiter - mit Torchancen auf beiden Seiten. Für den nächsten Treffer sorgte dann aber wieder ein Strafstoß: Didier Ya Konan hatte Sergio da Silva Pinto nach knapp 40 Minuten steil geschickt, der Deutsch-Portugiese kam vor dem herausstürmenden HSV-Keeper Rene Adler an den Ball und anschließend zu Fall. Zwar hatte da Silva Pinto sich den Ball viel zu weit vorgelegt, wurde aber von Adler berührt, Kircher entschied erneut auf Strafstoß.

Ein Elfmeter, der nicht zuletzt dem Einsatz des Gefoulten zu verdanken war: „Wenn Sergio beim Elfmeter nicht diesen Sprint anzieht, steht es weiter 1:1 - und dann weiß man nie, wie das Spiel ausgeht, weil Hamburg auch in der Phase immer wieder sehr, sehr gefährlich war“, erkannte Hoffmann.

Huszti trifft und muss runter

Huszti verwandelte vom Punkt souverän zur erneuten 96-Führung, verletzte sich aber kurioserweise bei der Ausführung. Der Ungar musste verletzt raus, Konstantin Rausch wurde eingewechselt - Verdacht auf Muskelverletzung bei Huszti. Aber auch ohne ihn hatte 96 noch lange nicht genug: Ya Konan fing den Ball im Mittelfeld ab und kam wenig später zum sehenswerten Abschluss, der wohl nicht unhaltbare Ball schlug zum 3:1 ein.

„Souverän, was wir gemacht haben“

In der Folge ließ Hannover beste Chancen liegen - allen voran Diouf, der vor und nach der Pause drei Hochkaräter vergab. „Wir hätten zwischen der Halbzeit und der 60. Minute vielleicht eher das 4:1 machen können, dann hast du mehr Ruhe - wenn das 3:2 fällt, brennt es natürlich noch einmal“, so Hoffmann. „Mit der Offensiv-Qualität, die Hamburg nun mal hat, kann immer ein Tor fallen. Aber im Endeffekt war das dann auch in der zweiten Halbzeit relativ souverän, was wir gemacht haben.“

Das 3:2 fiel nämlich nicht, stattdessen sorgte Ya Konan nach Hereingabe von Rausch in der 68. Minute für das 4:1 und somit den endgültigen Todesstoß. Mohammed Abdellaoue vollendete in der Schlussphase sogar noch einen Konter zum fünften 96-Treffer und rundete das Schützenfest somit ab.

Allen Widrigkeiten zum Trotz

Eine bemerkenswerte Leistung Hannovers, das zum Einen am Donnerstagabend in der starken Partie gegen Anzhi viel Kraft ließ, zudem die Enttäuschung des Ausscheidens in der Europa League verkraften und zu allem Überfluss auch noch auf sechs Spieler mit Stammelf-Potenzial verzichten musste. Auch die am Freitag verkündete Nachricht, dass der Brasilianer Franca an Tuberkulose erkrankt ist, hat die Vorbereitung auf das HSV-Spiel nicht eben leichter gemacht.

All das schien die Hannoveraner aber nur noch stärker zu machen. „Die Jungs haben einen tollen Job gemacht. Wir wollten das fortsetzen, was wir schon am Donnerstag gezeigt haben“, erklärte Abdellaoue. Festzuhalten ist auch: Die AWD-Arena ist wieder eine Festung - die letzten fünf Bundesliga-Heimspiele konnte 96 allesamt gewinnen.

Nun rangiert das Team von Mirko Slomka an siebter Stelle, den Europa-League-Platz fest im Blick. „Jeder kennt die Tabelle“, so Kapitän Christan Schulz, „der Kampf um Europa ist sehr, sehr hart - und das war unsere Chance, anzugreifen“. Und die hat man genutzt.

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