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Das Dossier: Borussia Dortmund gegen Gladbach ohne Stürmer und mit „falscher Neun“

Der BVB steht gegen die Fohlen vor dem Problem, ohne nominellen Stürmer aufzulaufen. Beide Angreifer müssen aufgrund von Platzverweisen aussetzen. Wie lässt Klopp also spielen?

TAKTISCHE ANALYSE
von Arthur Makiela

Nach den Ausfällen von Robert Lewandowski (brummt eine Drei-Spiele-Sperre ab) und Ersatzmann Julian Schieber (sah vor Wochenfrist die Gelb-Rote Karte) ist Jürgen Klopp gezwungen, in der Offensive umzustellen. Da Borussia Dortmund keinen weiteren Stürmer im Kader hat, muss das Spielsystem gegen Borussia Mönchengladbach angepasst werden. Der „falsche“ Neuner könnte beim BVB Premiere in der Bundesliga feiern, jedenfalls in der Startelf. Als Vorbild dient die spanische Nationalmannschaft.

Dass die Gelb-Schwarzen über eine hervorragende Offensive verfügen, ist nichts Neues. Im Mittelfeld wirbeln Marco Reus, Mario Götze und Jakub Blaszczykowski die gegnerischen Abwehrreihen in schöner Regelmäßigkeit schwindelig.

Jürgen Klopp favorisiert bereits seit geraumer Zeit eine 4-2-3-1-Formation mit nur einer echten Sturmspitze. Die Rolle ist Platzhirsch Robert Lewandowski wie auf den Leib geschneidert: Er erzielt nicht nur Treffer, sondern schaltet sich auch immer wieder ins Aufbauspiel ein und agiert als Anspielstation und Ballverteiler. Mit 14 Toren in der in der obersten deutschen Spielklasse ist er Toptorjäger des BVB und hält Anschluss an die an die Spitze der Torschützenliste, die von Bayer Leverkusens Stefan Kießling und Bayern Münchens Mario Mandzukic (jeweils 15 Treffer) angeführt wird.

Mit dem Ausfall des Polen nach seinem Platzverweis gegen den HSV bekam sein Ersatzmann Julian Schieber, der erst im Sommer zu den Westfalen wechselte, die Chance, sich zu beweisen. Doch diese Gelegenheit war genau nach 30 Minuten vorüber: Letzten Samstag sah er im Duell mit Eintracht Frankfurt nach einer halben Stunde die „Ampelkarte“.

BVB MIT „FALSCHER NEUN
Mario Götze könnte eins aufrücken und mit viel Unterstützung aus dem Mittelfeld die Rolle der „falschen Neun einnehmen
Da beide nominellen Stürmer also gegen Gladbach am Sonntag ausfallen, ist nun Trainer Klopp gefragt. Bereits in den beiden Partien, in denen der Meister in Unterzahl spielte, rückte Mario Götze in die Sturmspitze und mimte den „falschen Neuner“. So, wie es Cesc Fabregas für Spanien bei der EM 2012 tat. Der BVB spielte also ohne Angreifer.

Aufgrund dessen veränderte sich das Spiel der Borussen. Lange Bälle aus der eigenen Hälfte wurden seltener, da kein Abnehmer präsent war. Die Offensivspieler des BVB sind nicht für ihre Lufthoheit bekannt, egal ob nun „Kuba“, Reus oder Götze. Folglich sah man Fußball a la Spanien oder Barcelona: Tiki Taka, feinstes Kurzpassspiel.

Auch gegen die Gladbacher könnte dieses Spielsystem zum Einsatz kommen. Götze würde ganz vorne drin stehen und mit allen Freiheiten ausgestattet. Der 20-Jährige könnte immer wieder auf die Flügel ausweichen und sich ins Mittelfeld zurückfallen lassen. Bei schnellen Vorstößen mit Pässen in die Schnittstellen der gegnerischen Verteidigung, wie beim 3:0 der Dortmunder gegen Eintracht Frankfurt gesehen, könnte er in Szene gesetzt werden.

Der „eigentliche“ Zehner des BVB wird wohl ähnlich wie Lionel Messi beim FC Barcelona agieren. Er pendelt zwischen Mittelfeld und Angriff, entzieht sich der Bewachung seiner Gegenspieler und dient als Anspielstation. Körperlich ist Götze längst nicht so präsent wie Lewandowski. Dafür kann er die Kugel prallen lassen und sich auch im Eins-gegen-Eins durchsetzen.

Götze ist nur schwer zu verteidigen und zugleich torgefährlich.

Wer nun denkt, diese Ausrichtung sei leicht zu durchschauen, der irrt. Denn durch Positionswechsel und die Schnelligkeit der immer wieder nachrückenden Reus und Blaszczykowski entsteht eine gewisse Dynamik, die die Dortmunder noch unberechenbarer machen dürfte. Zumal die beiden Offensivkräfte ihre Treffsicherheit in dieser Saison bereits zu Genüge bewiesen haben.
 
Zudem ist die Grundausrichtung des BVB nicht weit von dieser taktischen Auslegung entfernt. Lewandowski agierte, wenn man es richtig betrachtet, selbst als „falscher Neuner“. Er lässt sich weit ins Mittelfeld zurückfallen, um selbst Angriffe zu initiieren und dann abzuschließen. Jedoch kann er aufgrund seiner Körpergröße und seiner Lufthoheit auch weite Abschläge verarbeiten. Daher wird das Dortmunder Spiel ohne „Lewy“ wohl eher am Boden stattfinden.

Doch Klopp könnte auch für eine Überraschung sorgen. Am Rand der Partie gegen die Eintracht wies er auf einen anderen Angreifer in den Reihen des Meisters hin. In der zweiten Mannschaft des BVB stürmt Balint Bajner (22). Der Ungar war mit den Profis im Wintertrainingslager in Spanien mit dabei. In der dritten Liga erzielte er bisher vier Tore in elf Spielen. Ein Einsatz in der Bundesliga scheint aber eher unwahrscheinlich zu sein.

Es wird interessant zu sehen sein, wie Klopp sein Team auf das Spiel ohne Stürmer einstellen wird und ob das System mit einem „falschen Neuner“, wie es die Spanier bei der EM praktizierten, auch beim BVB zum Erfolg führen wird.  

EURE MEINUNG: Kann der BVB auch ohne Stürmer bei den Fohlen siegen?

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