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EXKLUSIV - Düsseldorfs Trainer zieht im Exklusiv-Interview Bilanz: Wo steht die Fortuna jetzt? Wie sind die Transfers eingeschlagen? Wie geht F95 die nächsten Wochen an?

Düsseldorf. Zwischen zwei Einheiten nahm sich Norbert Meier am Trainingsgelände von Fortuna Düsseldorf, direkt neben der Esprit Arena, die Zeit, um im ersten Teil des Exklusiv-Interviews mit Goal.com eine Bilanz zu ziehen. Seit 2008 ist Meier bei der Fortuna und hat den Verein aus dem sportlichen Nirgendwo auf beinahe direktem Weg wieder zurück in die erste Liga geführt. Abzusehen war dieser direkte Weg nicht, das stellt der Erfolgstrainer heute, im Februar 2013, klar. Außerdem blickt er auf die kommenden Spieltage, erklärt, wie sein Team taktisch aufgestellt ist, und äußert sich zur Genesung von Andrey Voronin.

Sie sind seit 2008 im Verein, haben Sie damals schon die Bundesliga als Ziel vor Augen gehabt?

Norbert Meier: Nein, wäre vermessen gewesen, alleine schon deshalb, weil der Verein viele Jahre weg war aus der Bundesliga. Das wäre hochtrabend gewesen. Sicher: Wir wollten in den bezahlten Fußball, aber damals waren wir noch in der Regionalliga, kurz vor der Einführung der eingleisigen 3. Liga. Und das war zunächst das Nahziel, das wir auch ein Jahr später erreicht haben. Dass es insgesamt so schnell nach oben gehen würde, war wohl kaum zu erwarten, auch wenn hier auf allen Ebenen im Verein gut gearbeitet worden ist.

Andreas Lambertz hat diese Jahre mitbegleitet, was kann ein Spieler wie er dem jetzigen Bundesliga-Team geben?

Norbert Meier: Wir schauen nicht auf einzelne Spieler, sondern immer auf die gesamte Mannschaft. Zwei Spieler sind dabei, seit ich hier bin - Jens Langeneke und Andreas Lambertz. Aber mir geht es nicht nur darum, was ‚Lumpi‘ Lambertz, sondern was die Mannschaft geben kann – denn einer allein bringt uns nicht weiter. Wobei er sicherlich das weitergeben kann, was diesen Verein ausmacht: Nämlich sehr viel Zusammenhalt, auch mit relativ kleinen und bescheideneren Mitteln trotz eines riesengroßen Stadions und einer riesigen Tradition.

Wie gehen Sie als Trainer im Alltag mit der vorherrschenden Diversität im Team – von blutjung bis ligen- und lebenserfahren – um?

Norbert Meier: Grundsätzlich ist das bei allen Vereinen so. Was bei uns hinzukommt, ist, dass wir sehr viele Neuzugänge hatten, uns im Winter noch einmal mit fünf weiteren Spielern verstärkt haben. Das ist schon eine relativ große Anzahl. Wir haben immer „last minute“ unsere Ziele erreicht, ob es nun der Aufstieg in die zweite Liga oder „last, last minute“ der Aufstieg in die erste Liga war, sodass wir nie Planungssicherheit hatten. Dies hat uns in den Jahren begleitet, und wir mussten immer flexibel drauf reagieren. Einerseits ist dies nicht einfach, andererseits hat es auch Vorteile, wenn mal durchgemischt wird und neue Gesichter dazukommen. Dieses Jahr sind es allerdings recht viele.

Ist der Umbruch erneut gelungen? Wie fällt Ihre Bilanz der Transfers seit Sommer aus?

Norbert Meier: Natürlich ist bei einer derartig hohen Zahl an Neuverpflichtungen eine gewisse Gefahr gegeben, aber wir sind nun dort angekommen, wo man nicht mehr höher hinaus kann – in der ersten Liga! Daher mussten wir handeln. Wir haben beispielsweise Verträge mit Spielern nicht verlängert, bei denen wir keine großen Leistungssteigerungen mehr erwarten konnten. Umgekehrt gab es Spieler, die wir nicht halten konnten, und auch solche, die ausgeliehen waren und sowieso nicht bleiben konnten. Das sind eben Gegebenheiten, mit denen man umgehen muss. Bisher ist unsere Bilanz, die wir ziehen können, sowohl was die Spieler angeht als auch tabellarische Ergebnis, sehr, sehr ordentlich.

Giefer und Kruse sind die beiden herausragenden Spieler der Fortuna, wie wird versucht, die beiden zu halten?

Norbert Meier: Sie haben beide laufende Verträge, das ist das Wichtigste. Dass man natürlich daran interessiert ist, Verträge von Leistungsträgern auch vorzeitig zu verlängern, ist logisch. Auf der anderen Seite tue ich mich immer schwer mit dem Begriff ‚herausragend‘. Für mich zählt die Mannschaft als Ganzes und wenn die erfolgreich ist, können sich immer einzelne Spieler in den Vordergrund spielen. Für mich als Trainer ist es das Wichtigste, dass das Team als Ganzes funktioniert.


Einer, der wieder Teil dieser Mannschaft werden möchte, ist Andrey Voronin. Wann kann er nach seinem Nasenbruch wieder angreifen?

Norbert Meier: Er hat sich mit seinem vierfachen Nasenbruch eine ziemlich schwere Verletzung zugezogen. Dabei hatte er sich viel vorgenommen für die Vorbereitung, die er ganz gut beginnen konnte. Dann kam es zu dieser unglücklichen Situation im Training, und das hat ihn doch wieder ordentlich zurückgeworfen. Er ist jetzt fast sieben Wochen nicht mehr dabei - das muss man erst einmal wieder aufholen und ist gewiss nicht einfach für ihn. Er wird sicherlich noch einmal alles versuchen und alles daran setzen, aber man weiß auch, dass man bei einer solchen Verletzung schon vorsichtiger ist.

Wolf Werner sagte am Wochenende bei Sky, dass der Klassenerhalt wie die deutsche Meisterschaft sei. Wo sehen Sie die Fortuna jetzt? Wie nahe sind Sie dem Ziel schon?

Norbert Meier: Nahe dran ist besser als weit weg, aber nahe dran ist eben nicht durch. Und deswegen heißt es auch weiterhin, ganz hart zu arbeiten, völlig fokussiert zu sein, sich nicht in Sicherheit zu wiegen - auch nicht bei einschlägigen Prognosen erfahrener Kritiker. Es stehen schwere Spiele an, das muss man einfach wissen.

Stichwort Sicherheit: Steht aktuell die Defensive bei der Fortuna vor der Offensive?

Norbert Meier: Das haben Sie jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt. Jede Mannschaft braucht Sicherheit in ihrem Spiel, sowohl nach vorn als auch nach hinten. Sicherheit kann man in beide Richtungen denken, aber die Natur der Sache bringt es mit sich, dass wir natürlich am liebsten auch gerne achtzig Prozent Ballbesitz hätten, was aber natürlich nicht möglich ist. Wir haben andere Stärken. Unsere Spieler brauchen nicht ihr Licht unter den Scheffel zu stellen, denn sie haben oft genug bewiesen, dass sie in dieser Liga mithalten können. Das zeigen ja auch die Punktverhältnisse. Wir sind nicht so weit weg von anderen Mannschaften. Für uns ist es zuerst einmal wichtig, dass wir absolut diszipliniert auftreten. Das hat nichts damit zu tun, dass wir nicht auch früh Bälle gewinnen wollen, damit der Weg zum gegnerischen Tor nicht zu weit wird.

Jetzt wartet das Topspiel gegen Schalke. Wie stellen Sie Ihre Mannschaft ein?

Norbert Meier: Erst einmal muss ich schauen, wer mir zur Verfügung steht. Es sind noch ein paar Tage und bei uns sind immer schon einmal ein paar Dinge passiert. Man weiß ja um die Gefährlichkeit des Gegners: Es ist eine sehr, sehr gut besetzte Mannschaft. Trotz der Probleme, die da vielleicht gerade herrschen mögen, haben sie immerhin die Gruppenphase der Champions League ohne Niederlage überstanden und haben die Chance ins Viertelfinale einzuziehen. Das ist schon eine Hausnummer! Wir haben bekanntlich ein Hinspiel gehabt, bei dem wir stellenweise in der ersten Hälfte weit unterlegen waren, uns dann aber reingebissen haben. Sicherlich ist es für unswichtig gewesen, noch das 2:2 erzielen, aber die Schalker werden alles dransetzen, auch wieder in die Nähe ihrer Zielsetzung innerhalb der Liga zu kommen. Das wird wieder einmal eine echte Herausforderung für uns.

Nach dem Schalke-Spiel warten die nächsten schweren Spiele gegen Mainz, Bayern und den direkten Konkurrenten Wolfsburg. Was erwarten Sie? Was wollen Sie mitnehmen?

Norbert Meier: Wir bereiten uns auf jedes Spiel so vor, dass wir, wenn wir antreten, auch etwas holen wollen. Nach denen, die Sie aufgezählt haben, kommt noch Bayer Leverkusen und danach müssen wir nach Hoffenheim. Das werden keine leichteren Aufgaben sein. Wichtig ist, dass wir zuletzt durch den Sieg gegen Fürth weiter Selbstvertrauen getankt haben und dass der Spieltag insgesamt nicht gegen uns gelaufen ist. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich so viele Punkte wie nötig einzusammeln.

Teil II des Exklusiv-Interviews mit Norbert Meier erscheint Samstag, 8 Uhr. Hier bespricht Norbert Meier die letzten Transfers und stellt Linksverteidiger Ramirez genauer vor. Außerdem: Wie plant die Fortuna ab Sommer?

 

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