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Erfolg macht müde: Europa-League-Starter beklagen Terminstress

Die Europapokalstarter aus der Bundesliga jammern über den straffen Spielplan der DFL und zu wenig Regenerationszeit. Die Liga macht wenig Hoffnung auf kurzfristige Veränderungen.

Frankfurt. Lucien Favre droht mit dem großen Knall am Saisonende, Rudi Völler fühlt sich für starke Leistungen bestraft - der zunehmende Ärger der Europa-League-Starter wird für die Deutsche Fußball Liga (DFL) zum Problemfall. Weil die fünf Ausnahmeregelungen für drei statt zwei Sonntagsspiele bereits verbraucht sind, müssen Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, Hannover 96 und der VfB Stuttgart teils im kraftraubenden Donnerstag-Samstag-Rhythmus antreten.

„Wettbewerbsfähigkeit der Vereine wird nicht gewahrt“

„Die Vereine, die an der Europa League teilnehmen, finden das unsportlich und ungerecht“, sagte Bayer-Sportdirektor Völler der Augsburger Allgemeinen: „Vereine, die in der vorigen Saison gut gespielt haben, bestraft man mit solchen Ansetzungen.“ Ganze 43 Stunden hatten die Rheinländer nach dem Zwischenrunden-Hinspiel bei Benfica Lissabon (0:1) Zeit, sich auf den Bundesliga-Auftritt gegen Augsburg vorzubereiten - zu wenig, auch wenn Bayer mit Mühe 2:1 gewann.

Ähnlich „viel“ Zeit, aber weniger Erfolg hatte Borussia Mönchengladbach, das nach dem Torfestival gegen Lazio Rom (3:3) beim Hamburger SV den Kampf um Platz sechs verlor (0:1). Trainer Favre hielt sich zwar noch zurück („Darüber werde ich nicht sprechen“), kündigte aber an, „in ein paar Tagen oder Wochen“ deutlich seine Meinung zu sagen.

Sportdirektor Max Eberl gab aber schon mal einen kleinen Vorgeschmack: „Das ist eine Katastrophe“, sagte Eberl vor Beginn der Englischen Wochen 2013. Die Entscheidung gegen Rom am Donnerstag ist für die Borussia das vierte Spiel innerhalb von zwölf Tagen. „Da sollte man sich mal schnellstens Gedanken machen. Sonst wird die Wettbewerbsfähigkeit der Vereine nicht gewahrt“, sagte Eberl der WZ. Angesichts von sieben deutschen Europapokal-Startern müsse es doch möglich sein, „mal ein drittes oder viertes Sonntagsspiel anzusetzen“. Am kommenden Samstag wird es Stuttgart und Hannover treffen, die am Donnerstag gegen KRC Genk und Anschi Machatschkala spielen.

DFL kann nichts machen

Die DFL macht jedoch wenig Hoffnung auf kurzfristige Entspannung. „Ich verstehe den Unmut“, sagte Andreas Rettig, als DFL-Geschäftsführer für den Spielbetrieb zuständig: „Sportlich kann man dem nicht widersprechen. Es ist eine extreme Belastung - gar keine Frage. Aber genau wie die Vereine von uns erwarten, dass wir uns vertragstreu verhalten, können das auch andere Partner von uns erwarten.“

Der TV-Vertrag, der am Ende der Saison ausläuft, sieht nur fünf Ausnahmen vor - alle wurden in der Hinrunde gezogen, um die Klubs zu entlasten. „Das Problem ist erkannt. Es ist in diesem Jahr eine besondere Situation gewesen“, sagte Rettig: „Wir haben das intern diskutiert. Es gibt aber keine Möglichkeit, die ich momentan offiziell erklären kann.“

Verständnis von Seiten der Sportwissenschaft

Beistand erhalten die Klubs vonseiten der Sportwissenschaft. „Prinzipiell sind die Klagen, dass teilweise sehr hohe Belastungszustände vorliegen, berechtigt“, sagte Dr. Joachim Mester dem SID. Der Leiter des mit Leverkusen kooperierenden Instituts für Trainingswissenschaft der Deutschen Sporthochschule Köln sieht vor allem die Folgen der vielen Zweikämpfe kritisch. „Diese münden oft in Prellungen, wobei Muskelgewebe zerstört wird"“ sagte er. Vermeiden könne man eine Überlastung fast ausschließlich durch Rotation. „Wenn ich einen Riesenkader auf dem Niveau von Bayern München habe, sieht die Lage anders aus als bei einem kleineren“, sagte Mester.

Der Vergleich mit anderen Mannschaftssportarten sei hingegen „die alte Geschichte mit den Äpfeln und Birnen“. Auch wenn auf dem Papier Handball- oder Basketballprofis einen noch dichteren Spielrhythmus hätten, sei die Belastungsstruktur nicht zu vergleichen, sagte der Universitätsprofessor.

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