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Sind Homosexualität und Profifußball doch nicht vereinbar - oder wieso sonst sollte sich der homosexuelle Fußball-Profi Robbie Rogers, amerikanischer Nationalspieler, zurückziehen?

Berlin. Nach dem viel beachteten Outing des homosexuellen Fußball-Profis Robbie Rogers hat der gleichzeitig verkündete Rücktritt des US-Nationalspielers zu einer regen Debatte geführt. Der Ausstieg zeige die fehlende Unterstützung durch Klubs und Verbände, so DFB-Ehrenamtspreisträger Carsten Stock. Fan-Forscher Gunter A. Pilz sprach von einem „alarmierenden Zeichen“.

Rogers ohne Unterstützung?

Kritisch sei vor allem zu bewerten, dass Rogers mit erst 25 Jahren den einzigen Ausweg aus dieser Situation nur in einem Rückzug vom Profi-Fußball gesehen habe. „Wo ist die Unterstützung durch den Verein, wo ist die Unterstützung durch die Verbände gerade in dem Moment gewesen, in dem Rogers diese am meisten gebraucht hätte?“, fragte Stock, der 2011 für sein Engagement gegen Homophobie den Ehrenamtspreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erhalten hatte. Stock ist zudem Abteilungsleiter des schwul-lesbischen Sportvereins Startschuss SLSV in Hamburg.

Für Stock ist das Outing noch lange nicht das erhoffte Befreiungssignal im Profi-Fußball, das von vielen sehnsüchtig erwartet werde. „Vielmehr ist durch den gleichzeitigen Rückzug Rogers genau der gegenteilige Eindruck erweckt worden, dass Homosexualität und Profifußball nicht vereinbar seien“, sagte Stock.

Gesellschaftlicher Druck

Die Verantwortlichen müssten deutlich machen, dass diese Vereinbarkeit durchaus gegeben sei und dies endlich auch durch Taten untermauern, auch wenn das keine einfache Aufgabe sei. „Wieso erzeugt unsere Gesellschaft immer noch einen Druck, der die Betroffenen in Angst vor Verurteilung und Ablehnung leben lässt?“, betonte Stock. Sein Klub Startschuss SLSV ist mit 650 Mitgliedern einer der größten schwul-lesbischen Sportvereine Deutschlands.

Rücktritt als alarmierendes Zeichen

Dass Rogers neben seinem Outing auch seinen Rücktritt als Profi-Fußballer erklärt hat, dürfe man auf keinen Fall außer Acht lassen, betonte der Fan-Forscher und Sportsoziologe Gunter A. Pilz. „Das ist ein alarmierendes Zeichen und zeigt, wie unsicher die Betroffenen sind“, sagte der Honorarprofessor aus Hannover dem SID.

Für Pilz hat das Outing des US-Nationalspielers keinerlei Auswirkungen auf den deutschen Fußball. „In den USA und England ist die Situation eine andere. Dort haben sich Sportler geoutet, ohne dass etwas passiert ist. Wir haben in Deutschland eine andere Fankultur. Ich würde keinem Spieler raten, sich zu outen“, so Pilz.

Unter der Leitung von Pilz entwickelt eine Arbeitsgruppe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) derzeit einen Leitfaden, um Vereine und Landesverbände auf das mögliche Outing eines homosexuellen Profis vorzubereiten. Eigentlich sollte der Leitfaden am 28. Februar vorgestellt werden. „Es kann aber noch zu leichten Verzögerungen kommen“, sagte Pilz.

Große Solidarität

Nach Outing und Rücktritt von Rogers am Freitag hatte es zunächst eine breite Front der Solidarität gegeben. Sogar FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hatte sich zu Wort gemeldet. „Das ist 2013. Danke. Mutigen Männern wie Ihnen ist es zu verdanken, dass solche Bekanntmachungen eines Tages nicht mehr notwendig sind“, schrieb Blatter bei Twitter. Auch der US-Fußballverband erklärte in einem Statement: „Wir sind stolz auf Robbie.“

Rogers absolvierte 18 Länderspiele für das US-Team und erzielte 2011 das erste Tor unter Trainer Jürgen Klinsmann beim 1:1 gegen Mexiko. Zuletzt stand er beim englischen Traditionsverein Leeds United unter Vertrag. Am Wochenende nahm er im englischen Brighton an einem Halbmarathon teil.

EURE MEINUNG: Wäre es richtiger und besser gewesen, wenn Rogers weiterhin Profifußball gespielt hätte?

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