thumbnail Hallo,

„Überlebenskampf“ - Für Hoffenheim wird die Luft dünn und dünner

Nach der kraftlosen Niederlage gegen Stuttgart gibt Manager Andreas Müller den Relegationsplatz als Saisonziel aus - und geht mit der Mannschaft hart ins Gericht.

Sinsheim. Andreas Müller war angefressen und versuchte erst gar nicht, den „dicken Hals“ zu verbergen, den er unter seinem Schal hatte. „Es gibt jetzt nichts mehr zu beschönigen nach so einer Leistung. Wenn wir so nach Augsburg fahren, werden wir dort auch verlieren“, wetterte der Hoffenheimer Manager nach der 0:1-Niederlage gegen den VfB Stuttgart am Sonntag. Bei der zweiten Niederlage im neuen Jahr zeigte die TSG eine erschreckend schwache Leistung und hat nun bereits zehn Punkte Rückstand auf Tabellenplatz 15.

Erneut ein früher Rückstand

Weder Derbycharakter noch Abstiegskampf schienen die Blauen angemessenen motiviert zu haben. Dabei war man im wortwörtlichen Sinne gut gewappnet in das Duell gegangen. Um die Kräfte im Kraichgau zu mobilisieren, wurde das Hoffenheimer Stadion unter der Woche mit den Fahnen und Stadtemblemen der umliegenden Gemeinden behängt. In Anlehnung an das Kurpfälzische war auf Bannern „Hoffema“ („Hoffen wir“) zu lesen. Die Aussage war klar: Im Abstiegskampf soll zusammengerückt werden. Das Fazit nach dem Abpfiff: Der Funke ist nicht ganz übergesprungen auf die Mannschaft.

Dass man in Dielheim, Neckarsulm oder Lobbach von der sonntäglichen Performance angetan war, darf deswegen bezweifelt werden. In der frisch geschmückten Wirsol Arena waren alle guten Vorsätze schon nach vier Minuten über den Haufen geworfen. Ibrahima Traore zog an Beck und Usami vorbei bis zur Grundlinie und bediente Harnik in der Mitte mustergültig zum 1:0. Wie schon gegen SC Freiburg und Hannover 96 lief die TSG bereits einem frühen Rückstand hinterher, eine entsprechende Reaktion zeigte sie nicht. Stattdessen hatten der umtriebige Traore und Ibisevic mit ihren Schüssen weiter beste Gelegenheiten (8. und 17.).



Dem VfB war die Europa League-Belastung von unter der Woche kaum anzumerken. Die Schwaben agierten clever, die TSG hingegen zeigte „die schwächste erste Halbzeit, die wir bisher gespielt haben“ (Marco Kurz) und offenbarte einmal mehr, dass es vor dem gegnerischen Strafraum an Ideen und Durchschlagskraft mangelt. Erst in der 39. Minute gab Joselu den ersten und einzigen Torschuss für die Kraichgauer ab, der diese Bezeichnung auch verdient hatte. Ansonsten hingen Hoffenheims Stürmer wie schon in Hannover in der Luft, neben dem bemühten Joselu wirkte Neuzugang de Camargo vergleichsweise lustlos.

„Es geht jetzt darum, den 16. Platz zu verteidigen“

Während der VfB nun durchatmen kann, wird die Luft für die TSG dünn und dünner. Zehn Punkte trennen die Blauen von einem Nichtabstiegsplatz, den nun der der VfL Wolfsburg belegt. „Es geht jetzt darum, den 16. Platz zu verteidigen“, gab Andreas Müller den Relegationsplatz als neues Ziel aus. Selbst Andreas Beck wirkte selten resigniert, als er nach dem Spiel vor die Journalisten trat. Zumindest brachte der Kapitän die Lage ähnlich treffend wie Müller auf den Punkt („Nackter Überlebenskampf“), versuchte gar nicht erst, sich in die üblichen Floskeln zu retten: „Jetzt irgendwelche Tugenden in den Raum zu werfen, ist schwer.“ Wille, Biss und Laufbereitschaft waren am Sonntagabend außer bei Beck auffälligerweise noch am ehesten bei den Neuzugängen Gomes und Abraham auszumachen.

Insgesamt zielstrebiger und durchdachter wirkten da die zuletzt ebenfalls krisengeschüttelten Schwaben, die den ersten Sieg im neuen Jahr feierten. Bei der TSG zeigte sich einmal mehr das Problem in der Offensive. In der 64. Minute hatte Joselu nach tollem Außenristpass von Abraham dann doch einmal die Lücke gefunden, alleine vor Ulreich versagten dem Spanier jedoch die Nerven. Die große Wende wäre durch den Ausgleich ohnehin nicht unbedingt zu erwarten gewesen. „Mit ein zwei Spielern in Normalform kannst du gegen den VfB nicht gewinnen. Wir hatten zwar einige Chancen, aber das wäre dem Spielverlauf nicht gerecht geworden. Stuttgarts Sieg war absolut verdient“, resümierte Andreas Müller später.

Unter diesen Vorzeichen wird das Duell in Augsburg nächsten Samstag schon zum Wegweiser und vorentscheidenden Spiel, in dem die TSG den direkten Verfolger zumindest auf Abstand halten kann. Angesichts der verbesserten Form des Gegners sind erste Sorgen um den Relegationsplatz aber auch nicht fehl am Platz. Sollte es am Ende der Saison dann tatsächlich in die Relegation gehen, würde es nach derzeitigem Stand ein Derby gegen den FC Kaiserslauern geben, den Tabellendritten aus Liga zwei. 

EURE MEINUNG: Schafft die TSG den Klassenerhalt?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig