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Gegen den VfB beginnen für Hoffenheim wegweisende Wochen, in denen es gegen die direkten Kellerkonkurrenten geht. Sorgen könnte aber die Situation im Sturm bereiten.

Sinsheim. Krisenzeit im Südwesten der Republik: Am Sonntag empfängt die TSG Hoffenheim den VfB Stuttgart zum Krisengipfel. Was zu Saisonbeginn wie das Rendezvous zweier ambitionierter Europa-Aspiranten klang, ist am 22. Spieltag ein veritables Kellerduell zwischen dem Tabellen-16. und 15. Nicht das einzige in den kommenden Wochen, weitere stehen mit den Spielen gegen Augsburg und Fürth an. Um gegen die direkten Abstiegs-Konkurrenten zu punkten wird es neben der verbesserten Defensive aber auch auf neuen Schwung im Sturm ankommen. Bis auf Kevin Volland traf zuletzt kein Hoffenheimer Angreifer mehr.

Sturmflaute? De Camargo nimmt eher am Rande teil

Kaum hat Trainer Marco Kurz die Verteidigung stabilisiert, zeichnet sich in der Offensive die nächste Baustelle ab. Kevin Vollands tolle Form täuscht darüber hinweg, dass die Angriffsbemühungen der Kraichgauer ansonsten nur selten in Toren resultieren. „Wir hätten einfach geiler auf das Tor sein müssen, dann hätten wir heute das eine oder andere gemacht“, befand Eugen Polanski treffend nach der Niederlage in Hannover. Das Plus an Torschüssen (16:7) und Ballbesitz (57%) konnte die zweite Pleite im neuen Jahr nicht verhindern. Angesichts der Hannoveraner Harmlosigkeit fast schon eine ärgerliche Niederage.

So war es vor allem die Effektivität der Niedersachsen in Person von Mame Diouf, die das Pendel Richtung Sieg ausschlagen ließ. 1899-Neuzugang Igor de Camargo zeigte in Hannover erneut eine schwache Leistung, nahm am Geschehen nur am Rande teil. Zudem ist der Belgier nicht der Sprintstärkste, was sich für die auf schnelle Gegenstöße ausgelegte Spielweise noch als Nachteil erweisen könnte. Wurde der Last-Minute-Einkauf des Winters von dem ein oder anderen vielleicht noch kritisch beäugt, so zeigt sich nun, dass im Sturm tatsächlich Not am Mann ist. Offen bleibt vorerst, ob de Camargo die Misere im Angriff lösen kann.



Schipplock fällt aus, Joselu und Derdiyok zeigen zu wenig

Das Problem: „Hoffes“ Angreifer sind verletzt oder im Formtief. Mit Sven Schipplock fällt der bisher effektivste und lauffreudigste Torjäger (81,3 Minuten pro Tor) aus. Der Schwabe überzeugte bisher vor allem als Joker gegen Schalke, traf im Hinspiel zum wichtigen 3:2 und erzielte bei der 1:3-Heimniederlage gegen den BVB das letzte Stürmertor. Seit Rückrundenbeginn setzen Achillessehnenprobleme den Blondschopf außer Gefecht. Seine Kollegen konnten sich unter Marco Kurz dennoch nicht nachhaltig empfehlen.

Joselu hat sich von einem vor zwei Wochen im Training erlittenen Schlag aufs Knie erholt, in Hannover erhielt dennoch de Camargo den Vorzug. Nach tollem Start (4 Tore in den ersten 9 Spielen) ist der Spanier in eine Schaffenskrise geraten, traf zuletzt beim 1:1 gegen Düsseldorf vergangenen November. Seitdem herrscht Ladehemmung, die vor allem an einer schlechten Chancenverwertung auszumachen ist. Keinen Deut besser sieht es bei Eren Derdiyok aus, der seine Chance unter dem neuen Trainer bisher ungenutzt ließ. Außer dem bedeutungslosen 1:3 gegen Wolfsburg letzten Dezember gelang dem Schweizer in 648 Minuten kein weiterer Treffer.

Die nächsten Spiele
Gegner
Hinrunde Datum
VfB Stuttgart (H) 3:0 17.02
Augsburg (A) 0:0 24.02
Bayern (H) 0:2 03.03
Gr. Fürth (A) 3:3 09.03
Mainz 05 (H) 0:3 16.03
Schalke 04 (A) 3:2 30.03
Fortuna (H) 1:1 06.04
Zu wenig Torgefahr aus dem Mittelfeld

Auch im offensiven Mittelfeld hakt's. Takashi Usami agiert auf dem linken Flügel schon eine Weile glücklos. Der letzte Treffer des Japaners ist fast ein halbes Jahr her, beim 3:0-Hinspiel in Stuttgart. Vermutlich ist es kein Zufall, dass alle drei Tore der Rückrunde über die rechte Seite zustande kamen. Mit Vincenzo Grifo steht nur eine wirkliche Alternative bereit. Für den Abstiegskampf könnte es beiden an Erfahrung (zusammen 29 BuLi-Einsätze) mangeln.

Dass die nicht unbedingt von Nöten sein muss, zeigt derzeit Kevin Volland (21 Bundesligaeinsätze). Der Neuzugang hat sich mit 6 Assists und 4 Treffern zum Top-Scorer gemausert, war an 5 der letzten sechs Tore beteiligt und ist ein ständiger Unruheherd. Nur: Alleine wird es auch der 20-Jährige nicht richten können, der derzeit in bestechender Form ist.

Auf rechts ist Roberto Firmino stets bemüht, spielt aber nach wie vor unter seinen Möglichkeiten und leistet sich neben Schwächen im Abschluss gelegentlich auch schmerzhafte Ballverluste. Mit Boris Vukcevic, der sein letztes Spiel in Stuttgart bestritt, fällt einer der besten Mittelfeldspieler der vergangenen Saison auch weiterhin langfristig aus. Die verletzungsbedingte Zwangspause des torgefährlichsten defensiven Mittelfeldmanns Sejad Salihovic (drei Treffer) macht die Situation nicht einfacher. Und die anstehenden Partien werden wohl über den Verbleib im Fußball-Oberhaus entscheiden.

Wochen der Wahrheit?

Neun Punkte beträgt Hoffenheims Abstand auf den 15. Tabellenplatz, auf dem momentan der VfB steht. Nicht wenig. Um so mehr wird es auf die Duelle mit den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf ankommen. An den nächsten sieben Spieltagen trifft die TSG auf die Teams, die derzeit Platz 14 bis 18 belegen. Mit dem VfB kommt am Sonntag der erste Keller-Konkurrent, eine Woche später müssen die Kraichgauer zu den verbesserten Ausgburgern und wiederrum zwei Wochen später nach Fürth. Dazwischen liegt wie ein Kontrastprogramm der Besuch des FC Bayern. 

An den Spieltagen 29 und 31 folgen dann noch die Duelle gegen Wolfsburg und Nürnberg. Partien, die ebenfalls entscheidend sein werden - und aus denen deutlich mehr Punkte geholt werden müssen als bisher. Denn die schwache Ausbeute gegen die Kellerkonkurrenz dürfte mit Schuld sein an Tabellenplatz 16: Nur sechs von achtzehn möglichen Punkten gab es gegen den VfB, Augsburg, Fürth, die Fortuna, Nürnberg und die Wölfe. In den kommenden Wochen werden sich die Kraichgauer also besser schlagen müssen, wenn das Kapitel Bundesliga nicht bereits nach fünf Jahren wieder beendet sein soll.

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