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Christian Seifert führt die Stärke der Bundesliga auf die sanften Regulierungsmaßnahmen der DFL zurück. In radikal freien Märkten sieht er eine große Gefahr für den Fußball.

Frankfurt. Christian Seifert, Vorsitzender der Deutschen Fußball-Liga (DFL), sieht die Bundesliga im internationalen Vergleich aufgrund ihrer Regulierungsmaßnahmen gut aufgestellt. Von der UEFA erwartet er die Durchsetzung des Financial Fair Play. Und von den europäischen Vereinen fordert er mehr Augenmaß, um die Glaubwürdigkeit des Fußballs zu wahren.

DFL-Vorstand gegen „Finanzdoping“

Den deutschen Fußball sieht der DFL-Vorstandsvorsitzende aufgrund der vorhandenen Regulierungsmaßnahmen wie dem Lizenzierungsverfahren, der 50+1-Regel oder dem Solidaritätsprinzip bei den TV-Verträgen im internationalen Vergleich auf lange Sicht in einer guten Position. „Die Kunst besteht darin, das Maß zwischen Regulierung und Überregulierung zu finden“, sagte Seifert der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Wohin man ohne Beschränkungen käme, könne man in England sehen, so der 43-Jährige: „Die Premier League, die jahrelang den freien Markt als Maß aller Dinge gepriesen hat, erkennt nun, dass ein gewisses Maß an Regulierung sinnvoll ist.“ Finanzdoping nehme den Klubs die Möglichkeit, ihre sportliche Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen. Das führe „zwangsläufig zur Stagnation einer Liga“.

Solidarität für einen starken Wettbewerb

Die Regulierungen in Deutschland würden zwar dazu führen, dass „wir beim Umsatz die Premier League in den nächsten zehn Jahren nicht überholen“, dafür würde man sich aber einen Wettbewerb bewahren, in dem „mehr Klubs mehr finanziellen Spielraum haben“.

Als Beispiel nennt Seifert das Solidaritätsprinzip bei den TV-Verträgen. Würden Bayern München und Borussia Dortmund analog zum FC Barcelona und Real Madrid in Spanien knapp die Hälfte der Fernsehgelder abschöpfen, „würde das deren Leistungsfähigkeit in der Champions League massiv anheben“, so Seifert. Er gibt aber zu bedenken: „Was würde es für den nationalen Wettbewerb bedeuten?“ Auch mit der aktuellen Aufteilung der Gelder stehe die Bundesliga gut da, erklärte der 43-Jährige: „Wenn Sie sportlichen Erfolg nach der Fünfjahreswertung der UEFA bewerten, dann sind wir schon relativ nahe dran an der Premier League.“

„Der radikal freie Fußballmarkt hat selten zum großen Erfolg geführt“

Das Gleichgewicht im Fußball sieht Seifert vor allem durch den Einfluss von Investoren gefährdet. Das beste Beispiel sei Manchester City: „Wenn man jedes Jahr 200 Millionen Pfund Verlust macht und irgendjemand die irgendwie ausgleicht, dann ist das das Gegenteil von kommerziell. In Spanien waren es Bauunternehmer, anderswo ist es ein Scheich. Der radikal freie Fußballmarkt hat selten zum großen Erfolg geführt.“

Akut sieht Seifert in diesen Tagen vor allem den Wettbewerb im Nachbarland Frankreich gefährdet: „Die französische Liga hat durch den neuen Medienvertrag 60 Millionen Euro pro Saison weniger zur Verfügung, aber Paris St. Germain kann durch die neuen Besitzer aus Qatar jährlich hunderte Millionen Euro mehr ausgeben.“ Das bedrohe die Verankerung des Spiels in der Gesellschaft, und die sei „die Grundlage des Erfolgs einer Liga“.

Financial Fair Play: Hoffnung und Zweifel

Über die Landesgrenzen hinweg für ein Gleichgewicht zu sorgen ist die Aufgabe der UEFA. Sobald das Financial Fairplay in der Saison 2013/14 die Sanktionsphase startet, erwartet Seifert, dass eingegriffen wird, denn „die UEFA kann massiv Schaden nehmen, wenn ein Klub wie PSG damit durchkommt, einen Sponsorenvertrag abzuschließen, der weit mehr wert ist als die Sponsorenverträge von Barca, ManUnited und Bayern München zusammen“.

Allerdings hegt der DFL-Vorstand auch Zweifel, ob die UEFA mit aller Härte gegen Klubs vorgehen wird, die gegen das Financial Fairplay verstoßen: „Die UEFA hat die Latte selbst sehr hoch gelegt. An ihrer Stelle würde ich jetzt noch mal ein paar Meter mehr Anlauf nehmen.“ Dass etliche Vereine bereits Anwälte eingeschaltet haben, um Schlupflöcher im Reglement zu finden, würde Seifert nicht überraschen: „Davon gehe ich aus. Letztlich ist das aber eine Frage der moralischen Integrität der Verantwortlichen.“

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