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Vom Backup zur Stammkraft: „Oldie“ Pavel Krmas köpft Freiburg zum ersten Bundesligasieg im neuen Jahr - und gegen Fortuna Düsseldorf.

Freiburg. Drei Minuten vor Schluss war es keiner der Jungspunde, sondern der Nestor im Team: Mit seinem Kopfball zum 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf bescherte Innenverteidiger Pavel Krmas dem SC Freiburg den ersten Sieg im neuen Jahr. Damit sind die Breisgauer nach den zwei torlosen Remis gegen Mainz und Leverkusen und der Niederlage in Hoffenheim   dem Saisonziel Klassenerhalt wieder einen Schritt näher gekommen und grüßen mit 31 Zählern von Rang fünf der Tabelle.

„Wir haben sehr gut kombiniert, der letzte Pass hat vielleicht gefehlt“

Krmas' erlösender Treffer kurz vor Abpfiff fiel, als der Großteil der 21200 Zuschauer im Mage Solar Stadion schon mit einem torlosen Sonntagabend rechnete. Dabei hatten die Gastgeber auch in einer neuen Formation das Heft des Handelns schon früh in die Hand genommen und gegen einen diszipliniert stehenden Gegner auch die engen Räume „bespielt“. Um den mit Wadenverhärtung ausfallenden Daniel Caliguiri zu ersetzen, ließ  SC-Coach Christian Streich Max Kruse auf dem linken Flügel starten und Johannes Flum als zweite Spitze neben Jan Rosenthal auflaufen (Streich: „Der ist groß“). Allerdings verpasste es der SC einmal mehr, das spielerische Übergewicht auch auf die Toranzeige zu bringen.

Jonathan Schmid traf nach Kombination über links aus nächster Distanz nur den Außenpfosten (17.), die zwingendste Chance vergab jedoch Cedric Makiadi, der in der 41. Minute einen nach vorne parierten Ball von Giefer über das leere Tor setzte. „Düsseldorf stand kompakt. Die erste Halbzeit haben wir sehr gut kombiniert, der letzte Pass hat später vielleicht gefehlt“, beschrieb Pavel Krmas die Freiburger Suche nach dem Weg zum Tor. Nach dem Pausentee erarbeiteten sich die mutiger werdenden Fortunen die besseren Gelegenheiten, aber Fink und vor allem Lambertz im Duell gegen Baumann (81.) ließen jeweils nach schnellem Kontern die Chance auf den Lucky Punch liegen.



Stattdessen sorgte eine Ecke für den Treffer des Abends. „Wichtig, dass wir wieder mal durch einen Standard ein Tor erzielt haben“, befand Christian Streich im Anschluss, dessen Elf sich zwar mit Vorliebe in den gegnerischen Strafraum kombiniert, bei ruhenden Bällen zuletzt aber auffallend harmlos wirkte. Der letzte SC-Treffer nach einem Standard datiert von Ende November. Der Schütze damals: Krmas. Bei der Ecke von Max Kruse setzte sich der 1,93-Hüne gegen Giefer durch und beförderte das Spielgerät mustergültig ins Tor. „Es hat genau der richtige Mann das Tor gemacht“, freute sich Streich nach dem Spiel für seinen Innenverteidiger.

Kein Mann der großen Worte

Im Breisgau gilt Routinier Krmas, der bereits seit 2007 beim Sportclub ist, als Musterprofi und charakterliches Vorbild, vor allem wegen seiner ruhigen Gemütsart - für einen Verteidiger ohnehin keine Eigenschaft von Nachteil. Im Training hingegen muss der nicht mehr ganz junge Tscheche das ein oder andere Mal gebremst werden, wie Streich nach der Partie verriet („Der will halt einfach immer“). Als Matthias Ginter vor gut einem Jahr neben Fallou Diagne in die Innenverteidigung und die Stammelf kam, rückte Krmas ohne Murren ins zweite Glied. Nachdem der Nachwuchsspieler am 10. Spieltag mit Rückenproblemen ausfiel, kehrte der stille Tscheche zurück und erwies sich seitdem als gleichwertiger Ersatz und Stabilisator für die zweitbeste Defensive der Liga.

Ganz nebenbei trifft der bald 33-Jährige aber auch, bisher zweimal in elf Spielen. So zum 2:0 beim Baden-Würtemberg-Derby in der Hinrunde. Vor zwei Wochen in Mainz hatte Krmas dann Pech, dass ein Treffer von ihm wegen Abseitsposition abgepfiffen wurde. Priorität hat für ihn aber ohnehin die Defensivarbeit. Daran, dass gegen die Fortuna aus Düsseldorf zum 9. Mal in dieser Saison die Null stand, hatte auch er seinen Anteil. Unter anderem mit zwei guten Tacklings im ersten Durchgang, die Düsseldorfs besten Schützen Robbie Kruse auf dem Weg zum Tor bremsten.  



„Gerade läuft's“, gestand Krmas nach dem Abpfiff, „aber wichtiger war der Sieg heute. Der gibt uns Selbstvertrauen.“ Missstimmung, weil Ginter wieder fit ist, muss man im Breisgau wohl kaum befürchten. Der Youngster war in den Schlussminuten als Kopfball-Joker für Flum auf den Platz geschickt worden. „Es freut mich, dass er wieder gesund ist. Wer spielt, entscheidet der Trainer“, sagte Krmas stoisch, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Bis dahin will er nur eins: „So lange wie möglich spielen.“ Gute Voraussetzungen dafür hat er sich allemal geschaffen.

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Wie förderlich für das Selbstvertrauen der erste Rückrunden-Sieg im vierten Anlauf war, zeigte sich nach dem Spiel auch bei seinen Mitspielern. Vor allem die „völlig selbst verschuldete“ Pleite beim Baden-Derby in Hoffenheim hatte etwas am Ego der Breisgauer genagt. Umso wichtiger sei es gewesen, dass man „sich wieder belohnt“, fand Christian Streich. „Vielleicht kam die Niederlage gegen Hoffenheim zur rechten Zeit“, gab Angreifer Jan Rosenthal gut gestimmt zu bedenken. Für den Niedersachsen bleibt der Klassenerhalt das oberste Ziel, danach kann man „schauen, was geht.“ SC-Keeper Oliver Baumann formulierte da schon markigere Worte: „Wir wollen bleiben, wo wir sind.“ Momentan ist das Tabellenplatz fünf.

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