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Wie nah Erfolg und Misserfolg beieinander liegen, muss der Torhüter der TSG schmerzlich erfahren. Innerhalb eines Jahres veränderte sich alles für den 31-Jährigen.

Sinsheim. Vor knapp einem Jahr war Tim Wiese die Nummer eins. Als Keeper bei Werder Bremen und sogar in der deutschen Nationalmannschaft. Nach seinem monatelangen Absturz darf der Schlussmann mittlerweile beim Abstiegskandidaten 1899 Hoffenheim nicht mal mehr auf der Bank Platz nehmen.

Absturz innerhalb eines Jahres

Es war ein Geschenk. In Bremen, seiner damaligen Heimat, durfte Tim Wiese vor knapp einem Jahr das Trikot der deutschen Nummer eins tragen. Gegen Frankreich konnte er sich trotz der Niederlage (1:2) sogar auszeichnen, bestätigte seine immer wieder guten Leistungen aus der Bundesliga. Bei Deutschlands erneutem Aufeinandertreffen mit Frankreich am vergangenen Mittwoch aber war Wiese meilenweit von der großen Bühne entfernt - für den 31-Jährigen reicht es nicht einmal mehr für die Provinz.

Der beispiellose Absturz des früher an der Weltklasse kratzenden Keepers beim Abstiegskandidaten 1899 Hoffenheim setzt sich am Samstag ungebremst fort. Beim Auftritt der Kraichgauer bei Hannover 96 ist Wiese zum Zuschauen gezwungen. Weil zwei eher mittelklassige Torhüter besser sind. Angeblich.

Weg in die Normalität

„Auf die Bank - das macht keinen Sinn“, sagte Hoffenheims Trainer Marco Kurz: „Das ist mit Tim ganz klar besprochen, wir wollen ihn aus dem Fokus nehmen. Er soll in Ruhe zur Normalität zurückfinden. Tim wird normal trainieren.“ Von der Rückkehr zur „Normalität“ wird im Fall Wiese gerne gesprochen beim kriselnden Provinz-Klub. Nur was ist bei einem wie Wiese normal?

Er, für den vor allem während seiner Zeit bei Werder Bremen die Beschreibung „polarisierend“ noch untertrieben war, musste laut 1899-Manager Andreas Müller zuletzt mit einem „unmenschlichen Druck“ fertig werden - wie der Verein in der vergangenen Woche diktierte, offenbar erfolglos. Um ihn zu „schützen“, wurde Wiese aus der Mannschaft genommen. Der Keeper selbst hält sich bedeckt, ließ nur in Form einer Pressemitteilung wissen, dass er die Entscheidung des Trainers akzeptiere.

Rocky Balboa als Vorbild

Früher schien gerade Druck den 1,93-m-Mann erst richtig zu befeuern. Wenn ihn die gegnerischen Kurven wegen seiner Vorliebe für Sonnenstudios oder Friseure verhöhnten, lachte Wiese kurz und zeigte noch stärkere Paraden, die ihn zum Nationalspieler machten. Als das Bundesliga-Magazin kürzlich nach den Vorbildern in der Kindheit fragte, antwortete Wiese: „Rocky Balboa - ein cooler, willensstarker Typ“. Der von Sylvester Stallone verkörperte Hollywood-Filmboxer, der sich trotz aller Widerstände nach ganz oben kämpft, und Wiese - das passte lange tatsächlich wie die Faust aufs Auge.



Der tiefe Fall

Der „Ehrgeiz“, den er auf seiner Internetseite als seine positivste Charaktereigenschaft aufzeigt, trieb Wiese im Sommer von Bremen nach Hoffenheim. Obwohl angeblich sogar „königliches“ Interesse von Real Madrid bestand, entschied sich der Torwart für die Provinz - um den Herbstmeister von 2008 als Kapitän zusammen mit dem damaligen Trainer Markus Babbel „nach Europa“ zu führen.

Statt Ruhm und Ehre folgten das Aus in der Nationalmannschaft und schwere Patzer auf dem Rasen, die schon Babbel zum Torwart-Wechsel zwangen. Unter Kurz verlor Wiese erst die Kapitänsbinde, dann endgültig den Platz im Kader. Auch für einen wie Wiese zuviel. Heurelho Gomes, der im Winter trotz aller Bekenntnisse zu Wiese verpflichtet wurde, erzählte, Wiese habe ihn im Training mehrfach „motiviert“. Mit der Rolle des Beraters im Hintergrund wird sich Wiese aber auf Dauer nicht zufrieden geben.

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