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Jugend gegen Globetrotter: Das Duell gegen Freiburg führt mit verblüffender Klarheit vor Augen, wie weit sich das Projekt Hoffenheim von seinen einstigen Zielen entfernt hat.

Sinsheim. Am Samstag kommt es in Hoffenheim zum Badischen Duell, die TSG empfängt den SC Freiburg. Für Dietmar Hopp dürfte es aufschlussreich werden. Von der Ehrentribüne kann der 1899-Mäzen dann eine Mannschaft beobachten, die bis zu fünf Spieler aus der eigenen Jugend auf den Platz schickt und bei der zwei oder drei weitere Nachwuchskräfte auf der Bank sitzen werden. Für jemanden, der einst „ein erstklassiges Team mit vielen Eigengewächsen aus der Region“ schaffen wollte, müsste das eine Genugtuung sein. Das Problem ist nur: Es handelt sich nicht um die TSG Hoffenheim.

Nachwuchskräfte im Baden-Derby
SC Freiburg

O. Baumann (19)
J. Schmid (19)
O. Sorg (18)
D. Caliguiri (16)

J. Flum (14)
M. Ginter (9)

I. Höhn (2)
C. Günther (1)

()=Saisoneinsätze

TSG Hoffenheim


V. Grifo (10)
J.Vestergaard(5)









Die Begegnung mit dem südlichen Nachbarn dürfte bei so Einigen im Kraichgau an das süße Versprechen erinnern, mit dem das Projekt Hoffenheim seinen Höhenflug startete - um der Kurpfalz in der Bundesliga zu ihrem Recht zu verhelfen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Andererseits: Wo Freiburg drauf steht, so lässt sich sagen, ist momentan auch Südbaden drin.
Wo Hoffenheim drauf steht, gibt es momentan so ziemlich alles, Peru, Brasilien, Ghana. Die Hoffenheimer Globetrotter eben.

Einen Spieler aus dem Rhein-Neckar-Dreieck wird man jedoch vermissen. Mit Marco Terrazino könnte immerhin ein gebürtiger Mannheimer auf der Bank sitzen, für Freiburg. Das frühere Vorzeige-Talent aus der Hoffenheimer Jugend kam nie bei den Herren an und versucht nun woanders sein Glück. Daniel Williams, ein Karlsruher, ging vor zwei Jahren den umgekehrten Weg. Neben ihm werden mit Vincenzo Grifo und Jannick Vestergaard zwei Spieler zum Kader gehören, die ein bis zwei Jahre bei den A-Junioren oder der zweiten Mannschaft verbracht haben. Letzterer wird wohl für Neuzugang Abraham aus der Startelf weichen müssen.

Natürlich gibt es auch in Freiburgs Elf Verstärkungen von außerhalb, die beiden stürmenden Nordlichter Max Kruse und Jan Rosenthal etwa oder Fallou Diagne aus dem Senegal. Und zum Großteil ist der aktuelle Jugendtrend auch darauf zurück zu führen, dass mit Christian Streich im Januar 2012 der ehemalige Leiter der Nachwuchsakademie zum Trainer befördert wurde. Der SC stand damals auf dem letzten Tabellenplatz. Ein Schritt, den man gut 200 Kilometer weiter nördlich scheute, als man Interimstrainer Frank Kramer zurück in die U23 beorderte und stattdessen dem im Abstiegskampf erfahreneren Marco Kurz das Vertrauen schenkte.

Das Duell gegen Freiburg führt wieder einmal und mit verblüffender Klarheit vor Augen, wie weit sich das Projekt Hoffenheim von seinen einstigen Zielen entfernt hat. Aber auch und vor allem, dass sie erreichbar sind. Da wollte 1899 einmal hin, scheint davon aber ähnlich weit entfernt zu sein wie von der Champions League. Es nun mit zügig zusammengekauften internationalen Profis zu versuchen, muss in der aktuellen Lage nicht zwangsläufig ein Fehler sein. Ein Vorteil der schnell Eingebürgerten könnte sein, dass sie relativ unbelastet in den Abstiegskampf gehen. Und sollten De Camargo und die fünf anderen Neu-Kraichgauer den Verein noch zum Klassenerhalt schießen, hätte Andreas Müller Einiges richtig gemacht.

Zweifel sind allerdings berechtigt. Verliert Hoffenheim gegen Freiburg auch zum dritten Mal in Folge, beträgt der Abstand zum rettenden Ufer im schlechtesten Fall schon elf Punkte. Auch wenn man den Abstieg im wortwörtlichen Sinne um jeden Preis vermeiden will: Vielleicht wäre der worst case eine passende Gelegenheit, den Reset-Knopf zu drücken, sich auf das einst Vorgenommene zu besinnen und verlorene Sympathien zurück zu gewinnen. Nicht unbedingt die Fussball-Deutschlands, aber zumindest die der Rhein-Neckar-Region.

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