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Hoffenheims Torhüter Tim Wiese ist am Tiefpunkt angelangt - zur Freude seiner Kritiker und Gegner. Aus dem Fall Enke haben viele Menschen offenbar überhaupt nichts gelernt.

Düsseldorf. Es gab in der Vergangenheit bessere Zeiten für Tim Wiese, Ex-Nationaltorhüter, Ex-Held in Bremen. Der 31-Jährige sprach nach seinem Wechsel zu 1899 Hoffenheim im Sommer von der Champions-League-Qualifikation und landete mit seinem neuen Arbeitgeber im Abstiegskampf.

Sein Ex-Manager Klaus Allofs trat öffentlich gegen ihn nach und stellte seine Qualitäten in Frage. Bundestrainer Joachim Löw warf ihn aus der Nationalmannschaft. Als Markus Babbel noch Hoffenheims Trainer war, degradierte er Wiese. Die Bundesliga-Kollegen wählten ihn im Kicker zum „Absteiger der Hinrunde“. Am Donnerstag erklärten die Hoffenheim-Bosse, dass Wiese nicht mehr die Nummer eins ist, und verpflichteten einen Ersatz.

Haha, der Wiese! Der mit dem großen Mund! Der mit der Gel-Frisur! Der mit dem rosa Trikot!

Seit Monaten wird Tim Wiese verspottet, wer sich nach der jüngsten Entwicklung in den sozialen Netzwerken im Internet und den Fan-Foren umschaut, erfährt: Der Höhepunkt der öffentlichen Ächtung ist erreicht. Keiner dieser hämischen Kommentare soll an dieser Stelle wiedergegeben werden; wenn es eine Grenze der Zumutbarkeit gibt, ist sie längst überschritten. War sie das nicht schon in den vergangenen Monaten, als Wieses Auswärtsspiele zu Spießrutenläufen ausarteten?

Gab es nicht den Fall Enke?

Zumal: Gab es nicht im November 2009 den Fall Enke, das Drama um einen der besten deutschen Torhüter, der seinem Leben selbst ein Ende setzte? Weil er den Druck, den er sich selbst machte und der von außen kam, nicht mehr aushielt.

Es geht nicht darum, Tim Wiese zu unterstellen, er laufe Gefahr, die aktuelle Situation nicht unbeschadet überstehen. Aber klar ist: Die Belastung für den Familienvater muss gewaltig sein. „Der brutale Druck bleibt bei einem Menschen irgendwo hängen. Deshalb war es unsere Pflicht, zu handeln. Wir müssen ihn schützen“, sagte Hoffenheims Manager Andreas Müller.

Nach Bekanntwerden des Enke-Selbstmords war die Betroffenheit riesig. Jeder, der etwas mit Fußball zu tun hat, wollte seine Lehren ziehen. Gefordert wurden mehr Respekt, mehr Zurückhaltung, weniger Spott und Druck.

Es ist ein Armutszeugnis für den deutschen Fußball, dass dreieinhalb Jahre später so wenig davon übrig ist.

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